4 Tage: mehr Kultur – weniger Alltag: Das Tanz und Folkfesival in Rudolstadt (Teil 1)

News am 8. Juli 2011 von uly

Oder kurz: TFF 2011 – ein schwärmerischer Rückblick von Festivalhopperin Uly

Sprachlos, immer noch sprachlos, und glückselig voller neuer Eindrücke – ein wunderbar herrliches Festival hat sein Ende und in mir einen hoffentlich neuen treuen Begleiter gefunden. In der Hoffnung diese Flut an Erlebnissen überhaupt niederschreiben zu können beginne ich nun, über das diesjährige Tanz und Folkfestival in Rudolstadt zu berichten.

Eine wunderschöne Stadt im Ausnahmezustand. An drei großen Veransaltungsorten mit je mehreren Bühnen wurde vier Tage lang zu gut 130 Bands gesungen und getanzt. So konnte man sich entweder in der Innenstadt, im Heinepark oder auf der Heidecksburg tummeln und das bunte Treiben beobachten.

Doch nun ganz von Anfang an:

Donnerstag:

Starten sollte das TFF 2011 am Donnerstag den 30. Juni, also machten wir, zunächst Festivalhopper Teliko und ich, uns auf die „Reise“ von Ilmenau nach Rudolstadt. Da dies mein erstes Tanz und Folkfestival war, war ich entsprechend aufgeregt und voller Vorfreude.

Angekommen in Rudolstadt begaben wir uns direkt auf den Weg zur Bändchen-, Ticket-, und Buttonausgabe, welcher uns direkt durch die Innenstadt führte, wo das Publikum auch schon von den ersten Straßenmusikern begrüßt wurde. So versammelte man sich erstmalig um die Musiker, wippte im Takt und applaudierte munter. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass dies bis zum Sonntag Abend noch gefühlte wunderschöne Tausendmal vorkommen wird.

Dr. John and the Lower 911

Am Eröffnungstag spielte sich das Geschehen weitestgehend im Heinepark ab. Dort wurde das Festival vom Fünfmaligen Grammy-Gewinner Dr. John und seiner Band The Lower 911 eröffnet. Ein gekonnter Einstieg in solch ein Festival, da er das Publikum mit seiner rauhen, warmen Stimme fesselte. Ein sehr mitreißendes Konzert, im Laufe dessen sich der Platz vor der großen Bühne mehr und mehr füllte.

Madison Violet

Anschließend wechselten wir zur Konzertbühne am anderen Ende des Heineparks, denn dort warteten schon die Mädels von Madison Violet auf ihren Auftritt. Sie trugen sehr charmant eine Mischung aus Folk und Pop und einem Spritzer Country vor und waren dabei so hübsch anzuschauen. Ein wahrer Ohren- und Augenschmauss.
Als Highlight des ersten Tages gab es die Französische Sängerin ZAZ, die mit ihrer flippigen, taffen und zugleich süßen Art und Weise die Herzen höher schlagen ließ.

ZAZ

Mit abwechselnd schnellen und langsamen Songs, zwischen Gypsy Swing, Chanson, Blues und Soul, schaffte sie es, das Publikum an sich zu reißen…leider verstand das Publikum sie kaum, da sie fast ausschließlich ihre, mit Sicherheit zuckersüßen Ansagen auf französisch machte.

ZAZ

Trotzdem ein wunderschönes Konzert, dass mir sicher lang in Erinnerung bleiben wird. Zuvor traf Festivalhopper Yoda die quirlige Sängerin zum Interview.

Allgmein, betrachtet man die Eiseskälte an diesem Abend, kann man sich bei allen Drei Acts nicht sicher sein, ob die Gänsehaut von der Musik oder eben von der Kälte kam.

Und somit ging der erste Tag auch viel zu schnell vorbei und die Vorfreude auf die noch kommenden längeren Tage stieg ins Unermessliche.

Freitag:

Am Freitag ging es direkt nach der Uni wieder nach Rudolstadt. Diesmal mit dem Wissen, eine tolle Schlafgelegenheit gefunden zu haben und somit nicht täglich hin und her pendeln zu müssen. An dieser Stelle einen rießen Dank dafür.

Klaus der Geiger

Zunächst zog es uns in die Innenstadt um dort die zahlreichen Bühnen und Musiker, Trommelgruppen, Attraktions- und Verkaufstände zu bestaunen. Auf dem Weg Richtung Neumarkt hörte man schon von Weitem lustige Texte gepaart mit Geigenspiel. Sie kamen vom Träger des ehren-RUTH Preises, verliehen für sein Lebenswerk, genannt Klaus Der Geiger. Auf der Bühne zu sehen war ein witziger älterer Kautz, der mit eigenen Songs sowie umgetexteten Coverversionen das Publikum zum Lachen brachte. So sang er unter anderem anstelle von „Life is Life“ „Zeit ist Geld“, wobei er sich im Nachhinein noch mit der Feststellung „Geld kostet Zeit“ berichtigte ….wie wahr, wie wahr.

Weiter schlendernd durch die Stadt konnte man sich am Instrumentenbauzentrum darüber informieren, wie Instrumente erbaut werden und sogar selbst musizieren. Von Holzblasinstrumenten bis hin zu Zupf– und Streichinstrumenten war alles dabei: Drehleiern, Maultrommeln, Dudelsäcke, Cajones, Harfen, Trommeln etc. An jeder Ecke der Stadt standen, saßen, tanzten Straßenmusiker und Künstler. Auf der Marktplatzbühne spielte der Einzelkünstler Anton Bruhin mit seiner Maultrommel, was ich persönlich sehr faszinierend fand. Selten findet man jemanden, der dieses Instrument tatsächlich beherrscht.

Losgelöst von der Gruppe und auf der Suche nach etwas Koordination in der Planung meines Tagesablaufes, durchblätterte ich nun wie wild mein gerade neu erstandenes Programmheft. Wow, so viele Sachen, so viel auf einmal. Die Entscheidung fiel: Ich ging zur Freiligrathstraße um mir das Pulsar Trio anzuschauen. Eine der besten Entscheidungen des gesamten Wochenendes. Das Heft versprach klassische Musiktradition aus Indien und dem Westen sowie eigene Klangwelten irgendwo zwischen Komposition und Improvisation. Und es hielt sein Wort, leicht psychedelisch angehaucht klangen die Töne der rein Instrumentellen Band  ins Ohr und blieben dort. Sitar, Drums und Piano harmonierten knapp eine Stunde miteinander und unter großem Applaus verabschiedete sich  das Trio bis zum nächsten Tag.

Pulsar Trio

Pulsar Trio

Noch im leichten Taumel nach dieser grandiosen Band ging es für mich auf zum Heinepark. Dort erwartete mich auf der großen Bühne schwyzerdütscher Blues-Rock von Stiller Has mit sehr poetischen Texten. Nach kurzem Lauschen zog es mich jedoch weiter ans andere Ende zur Konzertbühne um mir die Sounds des Jajouka Sound Systems einzuverleiben. Musik aus Marokko vereint mit hypnotischer Trance Musik auf Schalmeien und Trommeln unterstützt durch eine Heavy-Bass DJ namens Dub Gabriel.

Jajouka Sound System

Stiler Haas

Bevor es nun zum lang ersehnten Freitag Abend Abschluss mit Roy Paci & Aretuska kam, schaute ich noch einmal ins Tanzzelt, wo Tänze gelehrt und getanzt wurden. Alle Besucher des Zeltes wippten mit und folgen den Anweisungen der Musiker….so der ursprüngliche Plan. Zu diesem Zeitpunkt konnte man dort jedoch die Glorystrokes bestaunen, welche komplett beschminkt das Publikum bespaßen wollten. Da sie sich leider eine halbe Stunde nach angedachten Beginn immer noch nicht dazu durchringen konnten, nahm ich den Weg zurück zur großen Bühne auf mich, sie sollten ja noch öfter auftreten.

Roy Paci & Aretuska

Und dann war es auch endlich soweit, endlich richtig auspowern, endlich hüpfen durch die Masse hüpfen. Das Konzert von Roy Paci & Aretuska stand vor der Tür. Ungeduldig wartend stand ich nun im Fotograben um ein paar schöne Fotos zu erhaschen und mich danach ins Getümmel zu stürzen. Die ursprüngliche Ska-Kapelle heizte dem verehrten Zuschauer mit Ska, Hip-Hop, Reggae, Latin und weiteren Stilrichtungen ordentlich ein. Neben zahlreichen eigenen Songs wurden auch einige Ska/Reggae Klassiker zum Besten geboten. Mir taten im Nachhinein unheimlich die Füße weh, ich lechzte nach Wasser aber es war einfach nur ein wunderbar freudiges Konzerterlebnis, in dem man mal so richtig durchdrehen und wild sein konnte. Danke Roy Paci Aretuska!

Roy Paci & Aretuska

Nach einer weiteren Trommelgruppe und vielen Stunden später am berühmt berüchtigten Denkmal ging auch dieser Tag sehr spät oder auch früh, ja denn es wurde schon hell, zu Ende.

Wie mein Festivalerlebnis weiterging, könnt ihr in Kürze in 4 Tage: mehr Kultur – weniger Alltag: Das Tanz und Folkfesival in Rudolstadt (Part 2) nachlesen.

Weitere Impressionen mit vielen Fotos zu den ersten beiden Festivaltagen des TFF hat Festivalhopper Teliko für euch gesammelt: TFF 2011 – Donnerstag / der erste TagTFF 2011 – Der Freitag, auch in der Galerie gibt es schon TFF-Freitagsbilder.

Ein Kommentar zu “4 Tage: mehr Kultur – weniger Alltag: Das Tanz und Folkfesival in Rudolstadt (Teil 1)”

  1. Nummer 1: 4 Tage: mehr Kultur – weniger Alltag: Das Tanz und Folkfesival in Rudolstadt (Teil 2) | Festival News sagt:

    […] Die ersten beiden Tage des Tanz und Folkfestival in Rudolstadt waren vergangen, aber der Spaß war noch lange nicht vorbei. Zu meinen Erfahrungen von Donnerstag und Freitag gelangt unter folgendem Link: 4 Tage: mehr Kultur – weniger Alltag: Das Tanz und Folkfesival in Rudolstadt (Part 1). […]

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