Charmant war das Haldern Pop 2009

News am 2. September 2009 von makegrrrhistory

Der See hinter der HauptbühneEs war das zweite Mal, dass ich auf das Haldern Pop gegangen war und, das sag ich jetzt gleich am Anfang: voriges Jahr war das alles deftiger! Das LineUp war Jubiläum, das Festival war Jubiläum, ich und das Festival, unser erstes Zusammensein war die Jubiläumsfeier. Es war einfach super. Also was kann danach kommen?

Über das Haldern Pop 2009 berichtet Festivalhopper Jan.

Ein weiterer Sprung, so etwas Großes wie das vorige Jahr wollte ich nicht erwarten, weil das nur heißen würde, dass das Festival wachsen müsste und es doch gerade durch die nicht so große Größe bzw. das Minipupsfestival, wenn ich mir ein Wackentoupee aufsetze, so zum Verlieben ist.

Es war also die Party nach der großen Party, kleiner, trotzdem gerade eine beste Auswahl der Freundschaften. Wie gesagt, ich war die vorigen Jahre nicht da, weiß aber –man kann das alles auf der offiziellen Internetseite nachlesen- dass ein großer Teil der großen Bands alte Bekannte waren: Patrick Watson, Gravenhurst, Loney. Dear, The Soundtrack Of Our Lives, Fettes Brot, Final Fantasy.

Wir kamen Donnerstag zu spät an, k.o. durch Reisestress und achherrjemine, sogar der Regionalzug von Duisburg nach Haldern wollte nicht mehr richtig, wurde angeschubst von ungeduldigen Tritten an den Po; zog die Mutter noch ihren Sohn damit auf, er soll den Zug anschieben, weil man doch vorankommen wolle, antwortete das Kind, das würde doch bis Morgen dauern. Ja! Super!

DSC06357Angekommen, stieg kaum wer noch mit uns aus. Alle feiern, wusst ich es doch, das wird wieder groß. Spät, aber man bekam noch mit, dass Broken Records die Band des Tages gewesen sein sollen, Wildbirds & Peacedrums auch dick Schmatzer für eine tolle Show bekommen hatten (und es, wie ich es bei der Haldern Pop-Tour durch Deutschland mitbekam, es auch absolut verdient haben! Die dicksten Schmatzer).

Schlecht gerade bei Palm Springs reinzukommen. Man sollte meinen, diese ruhigen Midtempoliebesliederchen würden schunkelige, abgenutzte Füsse beruhigen, aber man könnte doch zumindest einmal die Geschwindigkeit anschrauben, einmal weniger nasal mit mehr Koketterie kommen. Soap and Skin fiel da gleich mal raus, irgendwas mit der Hand, munkelten Schattengestalten zwischen den Reihen. Zum einen wirklich schade, denn die Dame hat einfach die Finger für drückende Live-Perfomances, zum anderen, heißt das doch etwas Lauteres, ein kanadischer Baum mit E-Gitarre, Wintersleep, die dann doch enttäuschend belanglose (ihr wisst schon, die Bands wie Babyballs oder andere Minisnacks, die zu viel kosten und zu wenig bieten) Musik verschusterten.

Als letztes gab es noch die kleine Performance der Irrepressibles. Ein bisschen verrückt, schrill. Gerade deswegen, weil man sich einfach darauf fast ausruhte, genug um sich herum zu haben, ließ sich der Sänger, Jamie McDermott, zu sehr in immer wieder gleiche Posen fallen, aber nein, es war gut -nur der Antony Hegarty Verweis humpelt eindeutig zu stark.

Eigentlich wäre es super gewesen Freitag mit Aufweckbands zu beginnen, irgendwas um in die richtige Stimmung zu kommen und Mittags-Nachmittags könnten alle im Schatten die Sonne überleben. Man dachte schon, ihr wurde es selbst zu heiß und sie hätte einen guten Eisladen auf der Erde gesehen und würde jetzt mit größter Anstrengung versuchen uns näher zu kommen, um sich ein Eis zu kaufen. Heiß; schwitzende, immer im Weg stehende Kameramänner vor der Bühne, ein Publikum aus roten Nacken, geröstete Bands.

Final FantasyDer erste Schrei gehörte dem Mann, der wohl Robert Plants Mikro geklaut hatte und es auf „ein ziemlich guter Anfang für einen Festivaltag“ einstellte: Asaf Avidan and the Mojos. Port O Brien war danach zu OkkerviliRiverlisiert. Ein Knutschfleck in der Luft, den hatte man vergessen jemanden zuzuwerfen und als dann bei Final Fantasy alles schief ging, der Mann sicherlich gleich mit wilden, kanadischen Flüchen über die Hitze, das alles nicht klappt, dem Gestank von Schweiß und Dünsten, angefangen hätte, wäre er nicht ein tapferer Held, der weiß, dass er es wirklich besser kann und wirklich nur die Sonne daran Schuld hat und nur die, hätte man wissen müssen, dass es Zeit für das Nebenbühne, das Spiegelzelt wird. Doofer Weise blieb ich bei der Hauptbühne.

Noah and the Whale hab ich vergessen, da dachte ich wohl auch, dass im Pressebereich die Limonade erinnerungswürdiger ist, ich weiß es nicht, aber es ist auch egal, weil Anna Ternheim danach ganz gut überraschte, mit einer tighten Perfomance und gut gestimmter Band. Patrick Watson klatschte mit gleichem Eifer ab und zog sein Ding durch, er und der verwegene Haufen an seiner Seite, wurde nur danach von vielen als zu einem Zeitpunkt doch nicht so gut wie beim vorigen Mal, sogar etwas lahm an einigen Stellen, beschrieben. Ich mochte ihn trotzdem.

Ein kleiner Abstecher auf der Nebenbühne ließ mich über kleine Juwele stolpern, als hätte ich mit der Taschenlampe eine Wurzel angeleuchtet und wäre trotzdem über diese gefallen: William Fitzsimmons spielte zusammen mit einem holzigen Puppengesicht mit Bart zu Colin Munroes Zeit im Spiegelzelt (scheinbar wieder jemand ausgefallen) und zog gleich danach einen Whitmore auf die Bühne, der seinen Namen mehrfach nannte, ihn aber nie so sagte, dass man sich ihn auch merken konnte. Wirklich wundervoll und noch schöner, wenn man daran denkt, dass dieser Mann sich während seiner Hochzeitsreise Zeit nimmt, um uns zuzuwispern.

gravenhurst publikumIrgendwo da, fingen auch Loney. Dear an, die schon voriges Jahr hier gespielt hatten und bei denen der Sprung zur Hauptbühne Lichttechnisch sehr viel, aber Perfomancemäßig einen sehr missionarisch christlichen Touch bekamen. Eine angenehme niederländische Bekanntschaft sagte noch allumfassend: “Die sind Mist.“ Das Gleiche bei Athlete danach: tolle Lichtshow, aber nichts auf dem handfesten Boden, der Tatsache Bühne. Zeit zum fliehen, so oder so, denn Mr-Superduper-Gravenhurst machte das Gleiche wie voriges Jahr und das macht er einfach so gut, zum Verlieben allein und wirklich ein kleiner Riss in jedem Papierherzen. Von Alexander Tucker bekam ich dann nur noch das erste Tipsen und Tapsen mit, ein bisschen Trockeneisnebel, der von der Bühne fiel, nur war das wieder eine dieser berüchtigten Haldern Pop „Letzte Band am Abend“-Bands, die voriges Jahr z.B mit Bohren und der Club of Gore das halbe Publikum zum Einschlafen brachte und mit Alexander einen fast ebenbürtigen Freund Borens und des Clubs fanden.

alexander tuckerSamstag wollte ich doch so gern von Anfang gleich alles mitbekommen, dachte, da ist alles super, Punkt ist nur, da ist so ein wundervoller, kleiner See hinter der Hauptbühne. Keine Chance, iLiKETRAiNS hab ich dann doch wohl verpassen müssen und Dear Reader gingen wie Wasser aus den Ohren und verdunsteten ohne großes Tamtam in der Hitze –irgendwer schrieb irgendwo, die wären gut gewesen, aber vielleicht meinte der auch ganz wen anders.

DSC06690The Maccabees waren frontal und genau richtig. Die Musik ging direkt nach vorn und verlor sich nicht in einem Luftwirbel zwischen Band und Publikum. Genau das richtige bei der Hitze, die die roten Nacken von gestern an diesem Samstag glühen ließ. Hatte ich schon gesagt, dass es nicht geregnet hat und die ganze Zeit die Sonne ohne Eis schien? Naja, es war schon ziemlich heiß und das erste Mal seit langer Zeit, dass es nicht beim Haldern Pop geregnet hatte. Unser Zuschauerleid. Was hätte ich nicht dafür gegeben, Grizzly Bear bei leichtem Nieselregen noch mehr genießen zu können als ich es schon ohnehin tat. Eine zu Recht gehypte Band!

Mit dem gleichen Handicap, vielleicht unter sogar noch problematischeren Bedingungen -weil ja alle, außer all die Massen, die die Schatten der Bäume perfekt ausfüllten, schon unter Grizzly Bear darunter gelitten hatten – musste Bon Iver für den sich verspätenden Andrew Bird ran, ließ das Publikum unter den schwierigen Bedingungen mitleiden und lieben und überraschte mit einem 20Jährigen Gitarristen an seiner Seite, der mit der kurzen Sporthose wohl woanders eher an 16Jährigen Tennisspieler oder den Jungen aus Juno mit der zu kurzen goldenen Trainingshosen denken ließ. Das war absolut fabulöses Emotionskino, nur zu früh. Und vielleicht riss das am meisten.

The ThermalsThe Thermals auf der Hauptbühne und Blitzen Trapper im Spiegelzelt brachten das Publikum zum Schwitzen, heißt, Blitzen Trapper hatten Bon Scott am Mikrofon und erspielten sich wie Mumford & Sons das Image der Festivalperlen, die von vielen viel zu gleichgültig übergangen worden. Die Thermals brachten die Leute zum Singen wie es wohl Loney,Dear gern am Abend davor geschafft hätten. Sie schafften es so gut, nach ihrem Auftritt sangen die Leute einfach weiter.

Auf der Hauptbühne sammelte sich was kleines, viele würden wohl meinen, zu klein für den Platz von Bon Iver, aber dann würde ich fragen: Kann Bon Iver so zwitschern? Na? Genau. Andrew Bird hinterließ keine offenen Kinnladen, ließ das Publikum nicht kollektiv seufzen, aber hatte Charme, einen 2 1/2Tage Bart und kann zwitschern wie kein Zweiter.

Wer danach noch all diesen Bands noch bei The Soundtrack Of Our Lives stehen konnte ist bewunderungswürdig. Ich dachte da eher an Limonade.

Kam man dann dem Spiegelzelt näher, hätte man das lieber sein lassen. Little Boots, als Geheimtipp gehandelt, spielte überzeugt osteuropäische Vivapopvolksmusik. Das klingt alles mehr nach einem verselbstständigten Namenshype, der keine direkte Verbindung zur Musik hatte.

DSC07107Zu meinem riesigen Glück wurden BLK JKS (gesprochen: Black Jacks) von irgendeiner zwischen Grizzly Bear- und Bon Iver Zeit auf „nach Little Boots“ gelegt. Cool as fuck! Mit den letzten Bands im Spiegelzelt wollte man noch beim großen Endspurt Geschwindigkeit anziehen und würde man nach Namen gehen, wäre Little Boots schon ein guter Anfang, würde man das sein lassen und sich auf die Bands konzentrieren, könnte man sagen, dass BLK JKS das pumpende Herz und Health danach die knarzenden Muskel waren. Health, das Noisemonster mit dem elegischen Gesang zerriss das rote Zielband und brach auch noch den Rekord.

healthDas liebe, kleine Haldern hat es wieder geschafft, ein Festival mit genug Charme zu sein, dass man das Gefühl bekommt, man kenne sich seit Ewigkeiten, hätte schon gemeinsam Banken ausgeraubt oder wäre gemeinsam vor gefährlichen Wildkatzen weggerannt. Du liebes, kleines HaldernPop, du! Ab jetzt komm ich immer.

Über das bereits fast sechs Wochen im Voraus ausverkaufte Haldern Pop Festival berichtete Festivalhopper Jan.

2 Kommentare zu “Charmant war das Haldern Pop 2009”

  1. Nummer 1: Olli sagt:

    danke für den schönen festivalbericht!! Aber offensichtlich hast du das absolute Highlight Fettes Brot verpasst?.. für mich deutlich das spannendste am Samstag, der etwas Americana verliebt vor sich hin drömelte (auch noch Bon Iver fasst verpasst wg. der Verschiebnung). Die haben gerockt wie Scheisse!! Das war Wahnsinn.

  2. Nummer 2: Haldern Pop Termin 2010 + VVK Start | Festival News sagt:

    […] http://www.haldern-pop.tv und schaut Euch das kurzweilige Online-Angebot einmal an. Hier gehts zu unserem Haldern Pop 2009 Rückblick. Weitere Infos zum Haldern Pop 2010 hier und unter http://www.haldern-pop.de. Veröffentlicht von […]

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