Rudolstadt Festival 2018 – Der Freitag

News am 8. Juli 2018 von Teliko

Hoch über der Saale in Rudolstadt thront die Heidecksburg, die in ihrer Geschichte wohl schon einiges gesehen hat. So auch, wie sich aus einem kleinen Tanzfest zunächst ein Tanz- und Folkfest und inzwischen das Rudolstadt Festival entwickelt hat, welches am ersten vollständigen Wochenende im Juli den Fokus der World-, Roots- und Folkmusikszene in das 23.000 Einwohnerstädtchen inmitten Thüringens richtet. So auch von 5.7. bis zum 8.7. zum Rudolstadt Festival 2018.

Eine Erfolgsgeschichte, die allein schon auf Grund der Besucherzahlen die Stadt und auch die Veranstalter an ihre Grenzen brachte. So gab es in diesem Jahr zu den üblichen 25.000 Dauerkarten und Kombitickets, die bereits einen Monat vor Festivalbeginn ausverkauft waren, keine Tageskarten zu kaufen. Einzig die Innenstadtkarten boten noch die Möglichkeit einen Kurztrip zum Rudolstadt Festival einzulegen. Durch diese Maßnahme versuchen die Veranstalter die besondere und friedliche Atmosphäre, die uns Jahr für Jahr begeistert, zu erhalten. Als Nebeneffekt konnte man im Vorfeld des Rudolstadt Festival 2018 eine rege Ticketbörse feststellen, die aber erfreulich fair ablief. Umso unschöner ist allerdings der Fakt, dass die Veranstalter inzwischen vor gefälschten Bändchen warnen.

Freut euch auf zahlreiche Berichte, Interviews, Eindrücke zum Rudolstadt Festival 2018 auf Festivalhopper.de. Lest hier nun, was unser Festivalhopper Teliko, der in diesem Jahr nicht wie sonst bereits am Donnerstag (lest hier den Bericht von Festivalhopper Vivien) in den Festivaltrubel einstieg, am Freitag auf dem Festival erlebte.

Perfektes Festivalwetter, eine wunderschöne neu ausgebaute Bundesstraße, die die Anreise nach Rudolstadt von Westen nicht nur beschleunigte, sondern auch deutlich entspannter gestaltete,… Schöner hätte der verspätete Start in das Rudolstadt Festival 2018 nicht sein können, wäre da im Vorfeld nicht der Mangel an Zeit gewesen, sich ausgiebiger mit dem Programm zu beschäftigen. So gab es nur einen einzigen, programmtechnischen Fixpunkt für den Tag. Doch stellt genau dieser Mangel mitunter die beste Voraussetzung dar um die Musik und die Atmosphäre auf dem Rudolstadt Festival 2018 von neuem zu entdecken.

So führte der erste Weg in die Stadt selbst, vorbei an

unzähligen Straßenmusikern, denen man auf Grund des fehlenden Zeitdruckes etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte,…

…altbekannten und vielen neuen Verkaufsständen, die zum Stöbern einluden, zu Spontankäufen verleiteten und garantiert für jeden die Möglichkeit boten ein kleines oder größeres Mitbringsel für die „Zu-Hause-Gebliebenen“ zu finden,…

allerhand Essensmöglichkeiten, bei denen sich auch zahlreiche Veränderungen zum Vorjahr feststellen ließen. So erfrischend die Veränderungen dabei sind, vermisste sicherlich der ein oder anderen genau den einen Flammkuchen- oder Brotstand an dem man aus guter Tradition schon jedes Jahr immer wieder gegessen hatte,…

…und endete am Marktplatz mit einer weiteren guten Tradition namens „Softeis!!!“ und dem Blick auf einen neuen schönen Bühnenaufbau am Markt, der sich sicherlich für die Konzerte am Abend sehr lohnte. Schnell sich mit Freunden zusammentelefoniert, „gewhatsapped“ oder einfach über den Weg gelaufen und schon Stand das erste musikalische Ziel fest.

Polnischer Punkrock? Klingt spannend und war es mit dem Konzert von HaŃba! auf der Konzertbühne im Heinepark auch. Doch setzen HaŃba! auch direkt einen Trend für den Freitag im Heinepark auf dem Rudolstadt Festival 2018. Es wurde politisch! So spielten HaŃba! mit der Idee das Punkrock nicht in den 1970ern, sondern in den 1920ern entstanden ist und somit auch Zeiten wie die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und Krieg mitgemacht hat. Dies sorgte bei dem ein oder anderen Lied, deren Inhalt ausführlich erklärt wurde, doch für Verwirrung, “ob man dazu jetzt tanzen darf“.

Nächster Stopp: „Die Kapverdische Inseln“ und das Konzert von Elida Almeida auf der großen Bühne im Heinepark. Kapverdische Inseln? Da war doch was! Das Konzert von Tcheka im letzten Jahr, welches uns total aus den Socken gehauen hat und die Erinnerung an die Aussage, dass auf den kapverdischen Inseln jede Barfrau singen kann. Umso mehr freute man sich auf eine weitere Künstlerin dieses scheinbar so musikalischen Eilandes. Man wurde nicht enttäuscht! Elida Almeida, eine junge sympathische Frau, verzauberte das Publikum mit ihrer Stimme und ihrem Charme. Gerade letzteres bekam vor allem ein Zuschauer zu spüren, den Elida Almeida kurzerhand auf die Bühne holen ließ, um ihm klassischen kapverdischen Tanz beizubringen.

Anschließend ging es auf eine weitere Runde durch die Stadt. Vorbei an der Großen Bühne am Markt auf der die offizielle Eröffnung lief. Der perfekte Zeitpunkt einen geballten Eindruck vom diesjährigem Länderschwerpunkt Estland und dem Projekt Arbeiterlieder zu bekommen. Dort sollte man allerdings nicht zu lange verweilen, wollte man rechtzeitig wieder im Heinepark sein. Zumindest, wenn man die Route vorbei am aktuell geschlossenen Theater und durch die Bahnunterführung an der August-Bebel-Straße nahm. Letztere erwies sich leider erneut als absolute Eng- und Staustelle, gerade wenn sie auch von Besuchern inkl. Fahrrädern, Kinderwägen oder sonstigen sperrigen Begleitmaterial genutzt wurde. Zwar gut geregelt durch die Security ließen sich Wartezeiten nicht vermeiden.

Gemütliche Essenspause gestrichen, denn es stand der einzige rot eingekringelte Programmpunkt an. Das Konzert von Mashrou’ Leila auf der Großen Bühne im Heinepark, die den politischen Trend des Tages fortsetzten. Ein offen homosexueller Sänger, politik- und gesellschaftskritische Texte, darauf basierende Auftrittsverbote und Verhaftungen von Konzertbesuchern….man könnte lange so weiterschreiben oder reden, wie es die Moderatorin tat, die Mashrou’ Leila ankündigte und sich alles andere als kurz fasste, wie sie es eigentlich tun wollte. Man sollte aber auf keinen Fall den Blick und die Zeit für die tolle Musik von Mashrou’ Leila verlieren. Begannen Mashrou’ Leila noch mit verhältnismäßig ruhigen Songs, die dafür aber die Stimme von Hamed Sinno glänzen ließen, zeigten sie im Laufe des Konzerts, warum sie als einer der besten arabischen Indierock Bands gelten. Mehr und mehr ging dabei Hamed Sinno aus sich raus und nahm das Publikum mit, bis es schließlich lauthals an Songs beteiligt wurde. Ob man Hamed Sinno zwingend mit Freddie Mercury vergleichen muss? Wir finden er und Mashrou’ Leila stehen für sich. Unbedingt reinhören!

Und reinlesen solltet ihr später in unser Interview mit Mashrou’ Leila, welches wir im Vorfeld des Konzertes führen durften.

Politisch weiter ging es anschließend mit dem inzwischen im Exil lebenden ägyptischen Sänger Ramy Essam auf der Konzertbühne. Schon im Programm wurde angekündigt, dass Ramy Essam inhaltlich auf dem Rudolstadt Festival 2018 genau am richtigen Platz sei. So ist sein Lied „Irhal“, in dem er Hosni Mubarak zum Rücktritt auffordert, eine der Hymnen der arabischen Revolution und sang er auf dem Tarhir Platz während der geschichtsträchtigen Demonstrationen. Da Ramy Essam allerdings aus dem Hard-Rock kommt, wurde in Frage gestellt, ob er auch musikalisch am richtigen Platz ist. Wir finden schon, denn genau für einen solchen Facettenreichtum lieben wir das Rudolstadt Festival.

Den Freitagabend beenden durfte das frankokanadische Projekt Solo With Le Vent Du Nord & De Temps Antan, welches in keinster Weise solo daherkommt. Denn Solo ist ein Zusammenschluss aus den beiden Bands „Le Vent du Nord“ und „De Temps Antan“ wodurch sich am Ende insgesamt acht Musiker auf der Bühne befanden. Doch bevor diese die Bühne betraten gab es erneut eine bemerkenswert lange Anmoderation, die in unseren Augen nicht nötig ist. Schließlich gab es auch in diesem Jahr das sehr ausführliche, tolle Programmheft in dem man alle nötigen Informationen findet. Nach 24:00 Uhr möchte man dagegen einfach nur noch feiern und tanzen. Dazu luden Solo definitiv ein mit ihrem hohen Tempo, Fiddle, Akkordeon und foot tapping.

Eine Einladung die man definitiv annehmen sollte, wenn man sich nicht schon mit schweren Beinen auf den nach Hauseweg gemacht hatte, da die gefühlte Temperatur bei klarem Himmel inzwischen doch deutlich gesunken war.

Weitere Berichte vom Rudolstadt Festival 2018

 

Ein Kommentar zu “Rudolstadt Festival 2018 – Der Freitag”

  1. Nummer 1: Lankum – irisch, dunkel und ehrlich beim Rudolstadt Festival sagt:

    […] Rudolstadt Festival 2018 – Der Freitag […]

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