Der Freitag beim Pinkpop 2013 – Regeln, Regeln, Regeln.

News am 17. Juni 2013 von Klimm Bimm

pinkpop 2013 logoEs ist Freitag. 10 Uhr morgens. Wir tingeln los. Gute eineinhalb Stunden Fahrt trennen westdeutsche Städte wie Düsseldorf und Köln von Landgraaf in den Niederlanden – dem Ort, an dem seit 1988 jährlich das Pinkpop Festival stattfindet. Freitag? Ja. Freitag. Die Campingplätze im Land des guten Fußballs (kleiner Scherz am Rande) öffnen nämlich erst drei Stunden bevor der erste Künstler auf eine der drei Bühnen tritt.

Ein Festivalhopper war vor Ort und berichtet hier vom Festivalauftakt des Pinkpop 2013.

Eine frühere Anreise in Verbindung mit „wildem Camping“ ist bei Stadt und Veranstaltern verpönt. Wer also eine längere Anreise vor sich hat und sich nicht für die erste Nacht im örtlichen Hotel einquartieren möchte, schaut entweder in die Röhre oder muss so richtig früh aufstehen. Wir finden das etwas albern – uns fragt aber keiner.

Pinkpop Festival In-Flight Shot

Großes Gelände, großes Regelwerk.
© 3POOT / Buro Pinkpop

Auf dem Pinkpop ist ohnehin so ziemlich alles reglementiert. Die Jungs haben sogar – und das ist an dieser Stelle kein Witz – eine FAQ für stillende Mütter, die auf dem Festival ihre Milch abpumpen wollen.

Der größte Schocker vorweg: Die erlaubte Menge selbst mitgebrachten Gerstensaftes ist auf 6 Liter pro Person begrenzt. Richtig gelesen. Zwölf Dosen Bier. Dazu eine PET-Flasche mit sonstigem Inhalt. Mehr nicht. Harter Alkohol ist generell verboten. In dem Moment, in dem man so etwas liest, entwickelt man auf einmal eine gewisse Empathie gegenüber dem stereotypen US-Republikaner, dem die Politik seine geliebte Schrotflinte wegnehmen will. Der eine mag mit dem beschriebenen Proviant ganz gut zurecht kommen – man beachte den fehlenden Donnerstag. Für andere können vier Bier pro Festivaltag aber durchaus etwas mau sein.

Letztlich ist die Intention des Veranstalters, übertriebenen Saufgelagen und der allgemeinen Festivalidiotie Einhalt zu gebieten, verständlich und löblich. Als Mensch mit durchschnittlicher Leistungsfähigkeit in den Bereichen Hirn und Leber kann man sich hier aber zu Unrecht bevormundet fühlen. Wenn man dann noch feststellt, dass es bei all den Vorkehrungen und Regeln auf der offiziellen Website keine vernünftige Geländekarte gibt – und das Pinkpop ist mit einer Kapazität von 80.000 Besuchern und 50.000 Campern nicht gerade klein – kratzt man sich schon ein wenig am Kopf.

© Pinkpop

© Pinkpop

Das alles ist aber noch kein Grund die Security gleich mit Tulpenzwiebeln zu bewerfen. Das Pinkpop 2013 besänftigt seine Besucher nämlich mit einem wirklich starken Line-Up. Mit Queens of the Stone Age, The Killers, Jimmy Eat World, The Gaslight Anthem, Thirty Seconds to Mars, Phoenix, Kings of Leon, Stereophonics, Alt-J und Green Day zieren durchweg namhafte Künstler den oberen Bereich der Plakate. Die Mischung aus Pop und Rock erscheint, was die Headliner angeht, durchaus gelungen. Auch der etwas pop-lastigere Nachmittag hat es in sich und winkt mit Auftritten großer Talente, wie der unheimlich charismatischen Londoner Singer/Songwriterin Lianne la Havas.

Alles in allem grundsätzlich kein Line-Up, das man sich irgendwie schön trinken müsste. Wir sind gespannt auf das, was kommt.

Camping Site D Pinkpop 2013Nach einer Reihe von Missverständnissen an der Bändchenausgabe und damit verbundener Schlepperei landen wir gegen 17 Uhr mit guten zweieinhalb Stunden Verspätung auf Campingplatz D. Wir schmeißen unser Zelt hin, trinken das erste unserer zwölf Biere und legen unsere Mülltüte vor das Zelt. Da wir in Eile sind legen wir die Dosen einfach daneben – und damit sind wir hier die absoluten Zeltplatzsäue. Der Untergrund gleicht englischem Rasen. Alle Zelte stehen in Reih und Glied. Kleingartenambiente. Größere Aufbauten, Partyzelte oder Musikanlagen sucht man vergeblich. All das ist nämlich – und das kann an dieser Stelle kaum noch überraschen – auf dem Pinkpop verboten. So richtig festivalmäßig wirkt das alles nicht. Von der Hauptbühne her hören wir aber schon eine ordentliche Portion Krach und machen uns nun wirklich auf den Weg.

Jimmy Eat World begeistern mit neuem Material

©Saskia Bosch

Während im Zelt auf der Brand Bier Stage die Alternative-Rocker von Kodaline vor der Sonne geschützt ihre Songs zum Besten geben, wagen wir uns ins Freie und genießen das frische Material von Jimmy Eat World an der 3FM-Stage hinter der Hauptbühne. Das Wetter könnte besser nicht sein. Gute 20°C im Schatten, blauer Himmel und Sonne satt laden dazu ein, sich im hinteren Bereich des Publikums auf dem Rasen nieder zu lassen und einfach mal den Moment zu genießen, während sich hart arbeitende Musiker für unser Amusement auf der Bühne abrackern.

Die neuen Songs der vier Amerikaner kommen gut an. Die größte Begeisterung rufen aber ältere Tracks wie Pain hervor. Als die Amerikaner in das Anfangsriff von In The Middle einsteigen nimmt neben uns ein holländischer Master of Economics eine kleine Plastiktüte aus der Tasche und genehmigt sich unter Zuhilfenahme seines Autoschlüssels ein paar kleine Häufchen Koks. Vielleicht doch nicht so spießig hier.

Bestes Festivalwetter lädt zum entspannten betrachten aus der Ferne ein.Das Set schließt mit Sweetness und die Bühne wird unter tosendem Applaus geräumt. Gute Show.

Wir nutzen die Pause um das gastronomische Angebot zu erkunden. Das Angebot an Essen und trinken ist breit gefächert, aber nicht immer ganz günstig. Bezahlt wird mit Bons, die einen Gegenwert von 2,50€ pro Stück haben. Praktisch, weil man dadurch selten anstehen muss – teilweise aber auch etwas obskur, weil man auch für einen einzelnen Apfel oder ein kleines Wasser immer mindestens 2,50€ blechen muss.

© Saskia Bosch

Bild: ©Saskia Bosch

Als wir zur 3FM Stage zurückkehren, sitzt niemand mehr. Uns trennen nur noch wenige Minuten vom Auftritt der Queens of the Stone Age. Massiv bejubelt betritt Frontsau Josh Homme die Bühne. „What a beatiful fucking day!“ – Recht hat er. Auch die Queens haben neues Material vom frisch erschienenen Album …Like Clockwork dabei. Während Little Sister bricht der erste Pogo los. „Endlich Festivalatmosphäre“ denken wir uns. Viel geredet wird nicht. Es gibt ja schließlich auch genügend neue Songs zu spielen. Und die kommen beim Publikum richtig gut an. Begleitet wird das musikalische Programm von einer Bühnenshow, die auf dem gewohnt abstrakten und leicht dreckigen Artwork basiert, das man von den Queens of the Stone Age und auch Them Crooked Vultures bereits kennt. Trotz Crowdsurfing-Verbot rauschen regelmäßig fremde Körper über unsere Köpfe hinweg. Es wird getanzt, es wird laut mitgesungen. Bis zum Ende des Sets. Genialer Auftritt.

 

The Killers bilden das Schlusslicht eines gelungenen ersten Tages beim Pinkpop 2013

© Torey

Kaputt aber glücklich schauen wir uns zum Abschluss des Tages The Killers auf der Hauptbühne an und verspeisen ganz nebenbei die besten Pommes unseres Lebens. Ein Hoch auf Holland. Die Jungs starten mit Mr Brightside und ziehen damit das Publikum vom Anfang an in ihren Bann. Atmosphäre und Bässe sind auch in mehreren hundert Metern Entfernung noch deutlich spürbar. Während uns von der Bühne Human entgegenschallt, geht die Sonne hinter den Bäumen unter. Guter Moment. Gegen Ende des Auftritts covern die Killers Alphaville’s Forever Young und schicken uns als letzter Act des Abends mit einem persönlichen Highlight zurück auf den Campingplatz.

Ein Kommentar zu “Der Freitag beim Pinkpop 2013 – Regeln, Regeln, Regeln.”

  1. Nummer 1: Zaterdag – Der Samstag beim Pinkpop 2013 mit Graveyard, Ellie & den Kings sagt:

    […] Ähnlich wie The Killers am Vortag bestreiten die Kings of Leon eine von Anfang an sehr atmosphärische Show. Erste Ansage. “What a beautiful evening.” Nächster Song. Die Kings haben eine gute Mischung aus Altem und Neuem dabei. Für ausschließliche Fans der früheren Alben: Ja, genau. Die Songs, die entstanden sind “bevor die so schrecklich poppig wurden”. […]

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