Bist du aber groß geworden! Das Dockville 2018

News am 22. September 2018 von Annika

Vorfreude! Dieses Jahr fahren wir den schönen Weg durch den Elbtunnel und den Hafen mit den Fahrrädern zum Dockville Festival. Einige schließen sich sogar spontan an, es gab noch Tickets und die sind nicht zu teuer!

Diesmal ist wirklich jeder gekommen und als Hamburger treffen wir hier unverhofft auf viele Bekannte. Das ist eigentlich ein guter Start um Musik, frische Luft, kaltes Bier und drei Tage Vollgas unterzubringen.

Man kann sich beim Dockville immer auf die ganz breite Musik-Palette und auf die Energie der Underdogs verlassen. Wir waren unverschämt gut gelaunt, am Freitag als wir pünktlich zu CHEFBOSS zum Antanzen kamen. Da gibt es auf die Ohren und auf die Augen, die Ladies haben ganz dicke Eier und können Alarm machen! Ich vermute das hat noch einige dazu inspiriert sich in den nächsten Tanzkurs Einschreiben zu lassen oder bin ich die einzige?

Wer Hunger hat lässt sich erst mal mit dem Menschenstrom gen Foodtrucks strömen. Immer einmal Vincent Vegan zum Reinkommen, danach kann man die Biere entspannt ankommen lassen! Die Stimmung ist happy und schwofig.

Schön in Stimmung gekommen gab es dann CIGARETTES AFTER SEX auf der Hauptbühne. Hier wurde es romantisch! Ich hatte den Eindruck, die hätte ich letztes Mal schon gesehen – passten auf jeden Fall wie die Faust aufs Dockville!

Nach so viel beschwingter Melodie brauchte ich persönlich dann eine musikalische kalte Dusche, darum bin ich zu TRETTMANN gegangen. Da war ich nicht die Einzige, sie hätten ihn bei dem Andrang echt auf eine der größeren Bühnen stellen können! Inhalt und Stimmung haben etwas mehr Tiefgang als das übermütige Publikum gerade erträgt, aber die Attitüde kann scheinbar jeder mittragen.
Dafür habe ich BONOBO verpasst, alle anderen waren total begeistert! Der scheint auch eine Bank zu sein, aber das musste ich den anderen glauben.

Hätte ich jetzt runterkommen wollen, hätte es mit HONNE noch eine sichere Bank gegeben, aber wir wollten noch lange nicht und sind daher schon bald bei der kleine EASY KISI Station gelandet.

Eine wunderschöne, lauschige Ecke im Artville, mit einfallsreichen DJs und zuverlässiger Atmosphäre.

Immer wieder nehme ich mir vor auch noch mal die anderen Ecken auf den bunten, verwinkelten und kreativ bespielten Lichtungen auf dem Artville Gelände zu betanzen.

Zum Beispiel die Lakritz-Corner, lakkiville, auf der man köstlichen Lakritz-Schnaps bekommt. Nächstes Jahr!

 

 

 

SAMSTAG

Wer auf einem der hübsch beleuchteten Wald-Plätzen campt hat es glaube ich am Samstag etwas gemütlicher.

Das machen inzwischen auch immer mehr Hamburger, kann ich auch verstehen. Man muss dann das ganze Erlebnis nicht so intensiv in die wenigen Stunden des Tages und der Nacht pressen und kommt vielleicht noch etwas unverbrauchter durch die Tage.

Wer früh da ist und sich dann schon mittags das Poetry Slam Programm gönnen konnte, bekam wieder mal echte Slam-Profis zu sehen.

 

Der Samstag war allerdings – reden wir nicht um den heißen Brei herum – etwas überwältigend. Mit 60.000 Teilnehmern ist das Dockville schon echt an einer Schallgrenze angekommen. Es wurde an den Wunsch-Bühnen einfach ganz schön arg gedrängelt, geschoben, gedrückt. Das Festival ist von einem freundlich verträumten Pilger-Erlebnis, mit zugegebenermaßen großen Bühnen zu einem etwas ausgereizten Groß-Event geworden.
Zu sehen gab es genug, 150 Künstler kann man ja nicht so eben überblicken. Toiletten, Bier und Foodtrucks waren ausreichend da, da kann man sich nicht beschweren. Aber wenn sie jetzt nicht die Kurve kriegen, besteht akute Volksfest-Gefahr.

Und: was ich unfair finde sind die Urinale, von denen man etwas erhöht sehr entspannt die Hauptbühne beobachten kann. Wann gibt es sowas für Frauen?

 

Das Publikum ist insgesamt schon gut gemischt, von Eltern mit Babys (und Ohrenschutz) über routinierte Festival-Urgesteine bis hin zu hüpfenden Teenagern sind alle da und verstehen sich gut. Wenn ich das richtig gesehen habe sind die schrägen Vögel und Künstler im Publikum irgendwie weniger geworden.

 

 

Trotz der Vielfalt ist man ist sich relativ einig: politische Statements der Künstler und Aussteller sind deutlich und die Bubble-Zugehörigkeit der Teilnehmer scheint schön homogen auf dem Festival.

Wir sind am Samstag wegen akutem Kater etwas spät da gewesen, haben aber wieder ganz vorn auf dem staubigen Gelände angefangen und uns dann treiben lassen.

 

 

 

Richtig gut getanzt hat die komplette Fläche um die Hauptbühne zu FINK.

Wahnsinnig charismatisch ist der Frontmann und er gibt Stoff!

FIL BO RIVA war auch Pflicht und ging auch direkt ins Herz. First Aid Kit haben stimmlich mega überzeugt, da waren wir noch bis zum Schluss.

 

Wenn man dann noch mal zu einem Spaziergang über das Artville und über die Freihandelszone trödelt, gibt es neben der Festival-Fashion auch wieder die Möglichkeit Glitzer abzustauben, Postkarten zu verschicken und T-shirts zu drucken.

Dabei bitte immer aufpassen und eventuell den Radioballett Teilnehmern ausweichen.

 

 

Am Samstag gab es auch musikalisch noch mal ein paar Highlights abseits vom allgemeinen Indie-Frohsinn.

Hier wären mal MAVI PHOENIX, WAVING THE GUN und PRINCESS NOKIA genannt – letztere beschert uns den Ohrwurm des Wochenendes: wir wollen mit ihr stolz über unsere small titties und fat bellys rappen.

 

Die Stimmung bei ihr war aufgeheizt. Nachdem etwas in Richtung Bühne fliegt folgt eine deutliche Ansage; sie wird sich nicht diskriminieren lassen! Sie kümmert sich süß um die Fans, sorgt für Sicherheit und kommt dann noch zum Publikum-Knuddeln. Einige sind jetzt schon etwas am Ende und möchten ihre Piroggi sitzend genießen und sich von ALT-J einlullen lassen.

 

Das Festival gewonnen hat an diesem Abend aber mit Abstand einer: FABER. Der ist ja so einnehmend und aggressiv mit seinen kratzigen Songs, das hat uns richtig erwischt.

Die Band ist auch sichtlich involviert: nach den “Romantik”-Szenen auf der Bühne, geht der laute Teil des Abends zu Ende.

 

 

Sie dürfen nicht mehr Lärm machen, sagen sie, und kommen für ein letztes Ständchen in die Mitte der Masse.

Das Publikum setzt sich still um sie herum und analog tönen Gitarren, Posaune und Kontrabass zusammen mit tausenden Stimmen zu “Bella Ciao” über den dunklen Platz.

Man hätte hier heimgehen können…

 

 

SONNTAG

Für mich eine Entdeckung, für einige Eingeschworenen offensichtlich schon ein bekannter, geliebter Act: der Punkrock von SWISS + DIE ANDEREN. Die haben alles angezündet, das hat wahnsinnig Spaß gemacht und war sehr glaubwürdig, wenn auch etwas aus der Zeit gefallen. Wer noch mal Frauen Rap wollte guckte ANTIFUCHS – fit, unerschrocken und dem Kraut nicht abgeneigt.

Auf den großen Bühnen werden mit BØRNS und RYHE noch ein paar Harmonie-Wunder aufgezogen – beschwingende und tröstende Melodien die in jedem was bewegen und einem Energie für einen weiteren Festival Tag geben.

Am Sonntag war wieder viel Wildwechsel, weil wir wieder alles sehen wollten: Techno, Indie und Rap!

Der Abend wird mit einem Mann rund gemacht, der zwar seine alten Kamellen rausholt, aber dem nie, nie, nie jemand böse sein kann: Olli Schulz hummert sich über die Menge.

 

Seine Musik ist – wie er selbst gern sagt – „vielleicht nicht die Beste“ aber das ist auch nur der alte Trick vom tiefstapeln.

Party machen, Töne treffen, Message unterbringen und die Aufmerksamkeitsspanne vom Publikum mit Zuckerbrot und Peitsche ausreizen hat er ganz vorzüglich drauf. Ich kaufs ihm sehr gerne ab! Wir waren vor Spaß aus der Puste.

 

Dieser Sonntagabend ließ sich dann noch mit MARIBOU STATE ausklingen.

Das war ein richtig gelungener Abschluss. Wir haben Konfetti im Haar, ein paar Küsse abgestaubt, durchgetanzte Schuhe und kaputte Knie. Ich brauch ein neues Rad.

 

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