Dour-Festival 2012 = das ultimative »Matsch«-Festival

News am 24. Juli 2012 von Mario Vondegracht

148 000 Menschen, davon 32 000 Camper. Und wir, d.h. meine fünf Freunde und ich, waren ein Teil davon. Ein Teil von etwas Großem. Ein Teil von etwas nie dagewesenen.

Warum ich so übertreibe? Weil das diesjährige Dour-Festival, das vom 12. bis zum 15. Juli  in der belgischen Provinz Hennegau (zwischen der belgischen Stadt Mons und der französischen Staatsgrenze gelegen) stattfand, wohl als eins der spannendsten und ereignisreichsten Ausgaben in die 24-jährigen Geschichte des Alternativ-Festivals gehen wird. Nicht nur, dass es nach 2011 das besucherstärkste Jahr seit der Gründung 1989 war. Nein, eher, weil es als das wohl matschigste Festival überhaupt in der umfangreichen belgischen Festivalgeschichte seinen Platz finden wird.

Doch der Reihe nach.

Bei der Ankunft am ersten Festivaltag präsentierte sich das Festival- wie auch das Campinggelände in einem fast tadellosen Zustand. Nirgendwo Schlamm, es regnete nicht. Es sah nach einem „sauberen“ Festivalwochenende aus. Bis… ja bis dass der Regen kam und nicht mehr ging.

Waren die Schlammmassen 2011 noch irgendwie zu meistern, glichen in diesem Jahr das Camping- und das Festivalgelände nach nur einem Tag einem einzigen See aus breiigem, schwer zu durchschreitendem Schlamm. Es war wahrlich kein Genuss, an jedem der vier Tage zur mehrere Kilometer weit entfernten Festivalwiese (wenn sie das Wort überhaupt verdiente) zu stapfen, doch ein wahrer Festivalhopper kämpft sich eben durch.

Ein Beispiel, um die Masse an Schlamm und Regen zu verdeutlichen: Am Samstag mussten rund 50 000 Liter Wasser an der »DanceHall«-Bühne abgepumpt werden. Diese enormen Wassermassen hatten natürlich dann auch einen erheblichen Einfluss auf die Campingbedingungen. Hier wurden sogar Teilstücke von der Feuerwehr evakuiert, da sich Riesenpfützen und Schlammseen gebildet hatten.

Übrigens: Im nächsten Jahr findet die Jubiläumsausgabe des DOUR eine Woche später (vom 18. bis zum 21. Juli) statt. Vielleicht zeigt sich der Wettergott dann etwas gnädiger – auch wenn das vielen Hardcore-Campern egal sein dürfte.

Über 230 Konzerte

Natürlich war es bei über 230 Konzerten unmöglich, alle Auftritte der DJ’s und Bands zu sehen, sodass hier nur eine persönliche Auswahl besprochen werden kann. Diese hatte es aber zugegebenermaßen in sich.

Am Donnerstag wurden die Konzerte von Selah Sue, Caribou, Franz Ferdinand und Squarepusher besucht. Bis auf den Letztgenannten boten diese Künstler allesamt eine wirklich atemberaubende Show. Bei Selah Sue stand die ganze Festivalwiese vor der Hauptbühne voll und die kleine Flämin konnte sichtbar alle Fans mehr als zufriedenstellen.

Nachdem Caribou eine ebenso beeindruckende Leistung (mit einem gigantischen Sound und dem wunderbaren »It’s A Crime»-Remix von Virgo Four) abriefen, war die britische Indie-Rockband Franz Ferdinand, die einen optimalen Start in das Dour-Wochenende garantierte, an der Reihe. Vor allem bei »Take Me Out« flippten alle Anwesenden förmlich aus.

War der erste Festivaltag von eher rockig-poppigen Klängen bestimmt, wurde es für mich und meine Kumpels am Freitag elektronischer. Im Red Bull Electropedia Ballsaal, der – wie der Name der Bühne verrät – ausschließlich elektronischen Klängen vorbehalten ist, wurden unbekanntere Acts begutachtet.  Hier stachen neben Ikonika (eine britische Dubstep-Künstlerin) vor allem Pinch und Mount Kimbie (beide ebenfalls von der Insel) heraus, während das DJ-Set von James Blake insofern enttäuschte, als dass der Künstler eine halbe Stunde zu spät an die DJ-Kanzel trat.

Einer der vielen Höhepunkte war das Konzert von Justin Vernon alias Bon Iver. Der Singer-Songwriter aus den USA, der in diesem Jahr einen Grammy für das beste Alternativ-Album (»Bon Iver«) abgeräumt hat, kam mit einem ganzen Orchester auf die Hauptbühne. Das tat zwar dem Klang gut, doch man hätte sich Vernons Musik lieber gerne in einem der vielen Zelte gewünscht. Jedenfalls kam ein grandioses Konzert mit all seinen Hits wie »Perth« und »Calgary« heraus. Nachdem die Parov Stelar Band in der voll besetzten Dance Hall tanzbaren Klezmer gespielt hatten, sorgten DJ Koze, Ben Klock, Marcel Dettmann und Kolumbo für einen tanzintensiven Samstagabend, der erst um 5 Uhr morgens enden sollte. Dementsprechend wurde der Sonntag zum Ausruhen genutzt.

Sonnenuntergang am letzten Dour-Festival-Tag

Für all diejenigen, die immer noch nicht von vier Tagen Party, Musik und guter Laune genug hatten, gab es einen DJ-Einsatz auf dem Campingplatz. Dort feierten am Montagmorgen einige nimmersatte Partywütige im tiefsten Schlamm weiter. Wie lange die belgischen Verrückten noch gefeiert haben, entzieht sich aber leider meiner Kenntnis.

Foto-Credit: Johan Lolos / www.musicfestivals.be

5 Kommentare zu “Dour-Festival 2012 = das ultimative »Matsch«-Festival”

  1. Nummer 1: Udo Hussendörfer sagt:

    Das ultimative Festival ( auch MIT Matsch)
    Oh ja, es gab viel Matsch. Da sich jedoch alle Bühnen, außer der Hauptbühne, in sehr großen Zelten mit Holzboden befanden, empfand ich es als „nicht so schlimm“.
    Die Erfahrungen im Camping Areal blieben mir glücklicherweise erspart :D
    Doch selbst das hätte ich hin genommen für ein Festival mit solcher musikalischer Vielfalt. Von Dancefloor über Reggae, HipHop, Pop – und Indie bis hin zu Metal und Hardrock – und das an allen Tagen und zu jeder Zeit – einfach einzigartig.
    Ich freue mich auf das 25. Dour Festival in 2013 – für mich das ultimative Festival – mit oder ohne Schlamm.

  2. Nummer 2: kaltesKlaresWasser sagt:

    ein schöner festivalbericht.

  3. Nummer 3: Stefan Apffelstädt sagt:

    Ich muß sagen das ich nach sechs Jahren durchgängig schönem Festival mit diesem Wetter ab Samstag total überfordert war:)
    Daher dann auch unser Abgabg am Sonntag und eine total verschnupfte Woche:)
    Nichts desdotrotz haben wir eine Menge nette Menchen getroffen, und die Erkenntniss gewonnen das der ein oder andere belgische Mitbürger doch super gut englisch spricht….
    Ausserdem war ich vom Breakbot Auftritt am Donnerstag mega begeistert…..ud ich hab endlichendlichendlichendlichendlich die Puppetmastazz live sehen dürfen:)
    Alles in allem matschig aber gelungen…..

  4. Nummer 4: Das war Dour 2012! « Textwerkstatt – Mario Vondegracht sagt:

    […] Mehr zum Bericht vom “Dour” liest du hier: http://www.festivalhopper.de/news/2012/07/24/dour-festival-2012-das-ultimative-matsch-festival/ […]

  5. Nummer 5: Erste Bands aus diversen Genres für das Dour Festival 2013! sagt:

    […] Matsch und knietiefe Pfützen, wo das Auge hinschaute. Doch lest selbst, wie und was bei der 2012er Edition des Dour Festivals abging. Dieses Jahr erhofft man sich durch die Verlegung (um eine Woche nach hinten), dass die […]

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