Melt! 2010 – It’s Number 13, Baby!

News am 22. Juli 2010 von Yoda

Wie das Motto schon sagt, ging das Melt! Festival in Ferropolis dieses Jahr bereits in die dreizehnte Runde. Vom 16. bis 18. Juli tanzten sich rund 25.000 Musikbegeisterte aus aller Welt (ca. 30% ausländische Gäste) auf dem wieder restlos ausverkauften Gelände die Füße wund.

Vom Melt! 2010 berichtet Festivalhopper Dixit, die Fotos hat Paulus mitgebracht.

Die Organisation ist nochmals verbessert worden, in diesem Jahr wurde mit der Initiative „M!Eco“ vermehrt daran gearbeitet, das Festival umweltfreundlicher zu machen. Der neu eingeführte Müllpfand hat nur teilweise seinen Zweck erfüllt, aber insbesondere für die Anreise wurden verschiedene Alternativen zum PKW geschaffen. Von Köln startete ein Zug mit Schlafabteilen, der über verschiedene Stationen direkt zum Gelände fuhr und dort den Insassen das Zelt ersparte. Der Zug war bis auf den letzten Platz belegt und das Ticket dafür kostete sogar weniger als die Benzinkosten bei Eigenanreise. Auch mit der Deutschen Bahn sind die Festival-Betreiber eine Kooperation eingegangen, um die Anreise zu vergünstigen.

Nach zwei Jahren mit Unwettern wurden die Besucher diesmal von größeren Regenschauern und Windböen verschont. Es war allerhöchstens eine Spur zu heiß, aber wozu gibt’s denn den Badesee? Überhaupt gab es nur einen einzigen krankheitsbedingten Band-Ausfall (Dirty Projectors) und auch die Zeitpläne wurden (abgesehen vom Samstag, siehe unten) akribisch eingehalten. Laut Veranstalter hat sich auch das Absperren des Camping-Platzes gelohnt, da kaum Diebstähle zu verzeichnen waren.

Freitag

Nach dem Ausharren in der Hitze auf dem Campingplatz wurde das Festival wieder von einem DJ auf der Big Wheel Stage eröffnet, diesmal allerdings nicht von MTV-Veteran Markus Kavka. Auf der Converse Mainstage hat nach Midlake die Berliner Band Bonaparte mit recht freizügigen „Tänzern“ für Furore gesorgt. Pantha Du Prince steigerte sich nach verhaltenem Beginn in ein euphorisches Techno-Set, während die Shout Out Louds auf der Hauptbühne performten. „Was sind denn das für Milchbubis?“ wird sich sicher der eine oder andere gefragt haben, als Two Door Cinema Club die Bench Gemini Stage betraten. Spätestens nach dem ersten Lied war aber klar: das sind Profis und die sollte man im Auge behalten, insbesondere den sehr talentierten Gitarristen.

Zur einsetzenden Dämmerung wurde es dann langsam ruhiger auf der Mainstage. Jónsi, der Sänger von Sigur Rós, überzeugte neben seiner engelhaften Stimme vor allem mit wunderschönen Visuals. Weiter ging es nebenan mit Groove Armada, die sehr viel vom neuen Album, aber natürlich auch einige Klassiker präsentierten. Der Auftritt von The XX lässt sich wohl am besten in einem Wort mit „Harmonie“ beschreiben. Anschließend freuten sich alle Wiederkehrer vom letzten Jahr auf die Foals (die damals wegen Schweinegrippe ausgefallen waren), jetzt schon mit zwei Alben, aus denen sie sich nur das Beste rausgepickt haben. Den Abschluss auf der Mainstage bildeten Booka Shade, wohl der einzige Elektronik-Act, der auch getrost als Band bezeichnet werden kann.

Samstag

Der Vormittag war zur Freude vieler weniger heiß, nachdem es nachts auch ein wenig geregnet hatte. Am Nachmittag konnte sich die Sonne allerdings wieder gegen die Wolken behaupten, sodass die Besucher auch schon ohne den Auftritt der Blood Red Shoes am frühen Abend ins Schwitzen kamen. Auch der anschließende für’s Melt! genre-technisch eher ungewöhnliche Auftritt von Dendemann wurde gut angenommen.

Für Jamie T waren allerdings schon sichtbar mehr Leute angereist, kein Wunder bei dem Konzert. Danach ging das Chaos auf der Mainstage los: DJ Shadow hatte Verspätung und wurde deshalb nach hinten verschoben. Nach 30 Minuten Aufbau kam dann auch eine Durchsage deswegen auf der Bühne, die hätte bei 30% Ausländern aber auch ruhig nochmal in Englisch kommen können. So waren die Leute eben auf Kommunikation mit den deutschen Besuchern oder die (englischen) Anzeigetafeln angewiesen. Chris Cunningham wurde vorgezogen und lieferte ein einstündiges audiovisuelles Monsterwerk ab, gegen das Lars von Triers jüngster Skandalfilm „Antichrist“ wie eine Pixar-Produktion wirkt. Neben breits bekanntem Material, wie „Rubber Johnny“, gab es auch viel Neues zu sehen und hören, unter anderem auch eine sehr eindrucksvolle Version von Gil Scott-Herons „New York Is Killing Me“.


Danach kam dann auch endlich DJ Shadow auf die Bühne, der leider nur noch eine Stunde spielen konnte, um den Zeitplan nicht noch weiter zu strapazieren. Der Auftritt war dennoch sicher eines der großen Highlights des Festivals, der Mann hat’s einfach gelernt. Moderat, die wetterbedingt letztes Jahr ausfielen, gaben an diesem Abend das fulminante Abschlusskonzert auf der Mainstage. Anschließend spielten noch Zottelkopf Tommie Sunshine, Technolegende Carl Craig und Elektro-Boy Tiga. Da die Besucher nach deren Sets das Gelände partout nicht verlassen wollten, wurden sie kurzerhand durch einen Musik-Act auf einem fahrenden Truck nach draußen geführt.

Sonntag

Am letzten Tag ging es auf nur drei Bühnen etwas ruhiger zu. Das hatte man von den Kings of Convenience zumindest so erwartet, jedoch war es wieder einmal Erlend Oye, der für unglaubliche Stimmung, Gänsehaut und ein unvergessliches Erlebnis sorgte. Die Band hat kein Schlagzeug, also benutzten sie eben das Publikum als solches, und das sogar im Takt! Danach wurde es wieder (musikalisch) lauter mit Slagmalsklubben, die den Leuten mit Nintendo-Musik und Proleten-Frontmann einheizten. Auf der Mainstage war es währenddessen eher ruhig, zunächst mit Get Well Soon und den Broken Bells, beide mit sehr ordentlichen Konzerten. Anschließend gab’s elektronische Pop-Musik von Goldfrapp, die auch sehr gut ankam.

Der Höhepunkt des ganzen Festivals war jedoch zweifelsohne der finale Auftritt von Massive Attack. Mit zwei Schlagzeugern, drei unendlich begabten Gast-SängerInnen, der mittlerweile 20-jährigen Erfahrung der Band und dem daraus resultierenden Wahnsinns-Sound ließen sie daran keinen Zweifel. Da die Show entgegen der Running Order nicht 60 sondern 90 Minuten dauerte, war auch genug Zeit um neben den Songs vom großartigen neuen Album auch viele Klassiker zu spielen. Auch die Band hatte sichtlich Spaß an dem Auftritt und war von Kulisse und Publikum gleichermaßen beeindruckt, was bei Acts dieser Popularität keine Selbstverständlichkeit ist (siehe Oasis im letzten Jahr). Ein würdiger Abschluss für das beste Melt! aller Zeiten.

Fazit

Eins ist klar: Das Melt!-Festival macht süchtig, denn es wird jedes Jahr besser. Da die Besucherzahlen nicht mehr wachsen können und sollten, ist davon auszugehen, dass das Melt! ab jetzt jedes Jahr ausverkauft ist. Die Betreiber haben deutlich gemacht, dass es ihnen wichtig ist, dass sich die Besucher wohl fühlen und das haben sie auch geschafft. Außerdem wollen sie weiter am Umweltschutz arbeiten und die Organisation weiter verbessern. Schlechter kann das Melt! also gar nicht werden, aber wie soll es denn noch besser gehen? Wir werden es sehen, im nächsten Jahr. This was Number 13, Baby!

Hier gibts weitere Melt! 2010 Fotos Do/Fr und Melt! 2010 Fotos Sa/So von unserem Fotografen Paulus.

Hier geht’s zum Melt! Bericht 2009 „The dirty Dozen“, das Melt! bei uns, das Melt! zu hause.

2 Kommentare zu “Melt! 2010 – It’s Number 13, Baby!”

  1. Nummer 1: Melt! Festival 2011 – erste Acts zum Feiern in Ferropolis | Festival News sagt:

    […] und der Welt nach Ferropolis… alle wollen zum Melt! Festival. Dort kann man die angesagtesten Indie / Elektro Bands und DJs vieler Stilrichtungen hören und 3 Tage lang in der surrealen Industrie-Kulisse feiern. So soll es auch in diesem Sommer wieder […]

  2. Nummer 2: Massive Attack & The Prodigy beim Gurtenfestival 2014 sagt:

    […] das war 2005. Noch zwei Jahre länger ist es her, seit die Trip-Hop-Pioniere von Massive Attack (Foto oben beim Melt 2010) letztmals beim Gurten vor Ort waren. Ihre brandneue Show präsentieren Massive Attack als […]

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