Lollapalooza 2017 Samstag – Weltklasse waren leider nur die Acts

News am 12. September 2017 von Annika

Am Wochenende vom 09. – 10. September war es wieder so weit: Das Lollapalooza lud zum „Kleinen get together“ nach Berlin ein. Eines der größten Musikfestivals der Welt, in der Hauptstadt Deutschlands. So muss es sein. Wurde das Festival letztes Jahr noch im Treptower Park veranstaltet, wurde es dieses Jahr auf die Pferde-Rennbahn in Hoppegarten verlegt. Eine schöne Location im Grünen mit typischem Rennbahn-Flair.

Mit der S-Bahn konnte man “eigentlich” mehr oder weniger bequem direkt vor das Festival fahren, auch Shuttle-Busse fuhren und ein eigens angelegter Parkplatz sollte die Menschenmassen zum Gelände bringen. Doch zur Verkehrssituation später mehr – wir haben ja bereits während des Festivals berichtet.

Der Wettergott zeigte sich, an diesem Wochenende, im beschaulichen Hoppegarten nahe Berlin gnädig, vereinzelte Regenschauer am Samstag und Sonnenschein am Sonntag sorgten bei den Festivalbesuchern für gute Laune.

Den Anfang machten u.a. Betsy, Roosevelt, Bear’s Den und Alex Vargas auf den jeweiligen Hauptühnen des Geländes.

Weiter ging es mit Wanda, der gut gelaunten Band aus Österreich, die ihre sehr sing- und tanzbaren Klänge über das weite Feld brüllten. Amore, Bussi und Bologna! Frontsänger Michael Marco Fitzthum wirkte sichtlich gerührt von der Masse vor seiner Bühne – verliebt schaute er in die Menge. Kein Wunder: War das Festivalgelände doch schon um 16:00 Uhr sehr gut gefüllt.

Und der Sound war dermaßen gut, sodass man sich aussuchen konnte, ob man in der 1. Reihe stehen oder doch lieber gemütlich im hinteren Teil des Feldes sitzen wollte. Starker Aufbau! George Ezra folgte auf Wanda. Der Gegensatz zur forschen Band aus Wien. Man möchte den 24-jährigen Briten in den Arm nehmen und drücken – doch dann beginnt er zu singen.

Wir verlassen George Ezra frühzeitig um uns einen Wildburger zu organisieren.

Es gibt eine gute Auswahl aller kulinarischen Highlights, doch auf den Wildburger haben wir es abgesehen. Nach rund 30 Minuten Wartezeit halten wir das Goldstück in den Händen. Nur auf die Pommes mussten wir dank eines Stromausfalls verzichten. Alle Schlangen vor den Buden sind lang – es ist klar, dass jeder sicherlich eine halbe Stunde auf sein Essen warten muss. Zum zweiten Mal fragten wir uns, ob das Lolla für so viele Menschen ausgelegt ist.

Ab zum Pommes-Stand (denn die Lust war nicht gestillt) und parallel Line-Hopping am Bierzelt. Auch hier fragt man sich: Was zur Hölle war da los Lolla??? Bei 10 Leuten vor uns in der Schlange, könnte man meinen, dass man nicht lange durstig bleibt. Aber weitverfehlt: Ganze 30 Minuten Wartezeit gab es auch hier. Cashless-Payment schön und gut, leider hat das die Wartezeit nicht wirklich verbessert. Das Personal war „stets bemüht“ trifft es wohl am ehesten. Am Ende war es praktisch, dass wir wenig trinken konnten, denn auch die Schlangen an den Toiletten waren nicht gerade kurz (für Frauen).

Nachdem unsere Grundbedürfnisse gestillt waren, ging es fix zu den Beatsteaks. Pünktlich zum ersten Gitarrengriff riss der Himmel auf und tauchte die Bühne in leichten Sonnenschein. Heimspiel für die Beatsteaks – die 1995 gegründete Band kennt Jeder und das vor allem in Berlin. Textsicher sind wir sowieso alle (noch), denn die älteren Lieder sind Selbstläufer.

Ähnlich, wie Wanda-Sänger Marco Michael, ist auch Arnim Teutoburg-Weiß sichtlich gerührt und emotional: „In unserer Band passiert gerade so viel: Meine Tochter ist heute eingeschult worden.“ und ein anderer aus der Band sei Vater geworden. Sympathisch im schwarz-weißen Jogger und mit weißer Mütze steht er da und kann es scheinbar selbst kaum glauben, wie viele Menschen sich im Hoppegarten versammelt haben.
„Uns gibt es schon so lange und ihr schaut immernoch zu“. Und womit bringt man die Berliner zum schmelzen? Mit der altbekannten Hymne „Hey Du“ – als schönstes Lied angekündigt, liegen sich alle in den Armen. Sogar die Nicht-Berliner sind überraschend textsicher. Hach Beatsteaks, ihr könnt es noch immer.

Durchatmen? Is’ nich! Marteria steht in den Startlöchern und ist heiß, wie frittenfett. Das letzte Konzert des Festival-Sommers und er will es nochmal ordentlich krachen lassen. Für den Start hat er Beatsteaks-Sänger Arnim zu sich eingeladen – eben noch auf der Mainstage, steht er jetzt schon wieder auf der Bühne.

Wir sind schwer begeistert von diesem Auftritt, wir spüren Martens Energie und lassen keinen Jump aus! Durchgängig animiert er die Menge: klatschen, springen, hinsetzen – ein besseres Sportprogramm hätten wir nicht bekommen können. Und als dann noch Casper auf der Bühne erscheint ist kein Halten mehr, die Masse dreht völlig durch und feiert die Endbosse des deutschen Hip-Hops.

Weil Marteria die Saison nicht „hier oben auf der Bühne“ beenden will, muss ein großer Kreis gebildet werden und mit einem Sprung taucht er in die Menge. „Alle die T-Shirts ausziehen“ schreit er ins Mikrofon und als schon der nächste Act, nämlich Mumford & Sons startet, lässt er sich von der Mengen auf den Hängen zurück zur Bühne tragen. Minutenlang kann er keinen Abschied nehmen – Das Lollapalooza scheint für alle Musiker etwas ganz besonderes zu sein. Schaut selbst!

Das Kontrastprogramm fand zeitgleich mit Michael Kiwanuka dem Soul-Superstar aus UK statt und auch der folgende Act wird etwas ruhiger.

Völlig aufgedreht werden wir von Mumford & Sons so langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.
Die gewohnt gute Show lässt uns allerdings noch dieser Marteria Achterbahn-Fahrt schnell etwas müde werden, sodass wir noch die Elektro-Bühne ansteuern und mit viel Freude feststellen, dass Boys Noize spontan für Marshmello eingesprungen ist. Bevor es heim ging, konnten wir also noch fix abzappeln, während Festivalhopper Fotograf Ralf sich auch noch Two Door Cinema Club reingezogen hat.

Während des Mumford & Sons Konzerts wurden bereits die Leinwände der Nachbarbühne mit Informationen zur Abreise bespielt. „Man solle sich auf längere Wartezeiten einstellen…“, hieß es. Wir wurden nervös und wollten rechtzeitig das Gelände verlassen, damit wir nicht mit dem Hauptstrom zusammen Richtung Bahn laufen müssen. Wir berichteten über die katastrophalen Zustände beim Verlassen des Geländes. Denn hier wurde das vorher bemerkte „Kapazitätsproblem“ deutlich.

Es gab mehrere An- und Abreise-Möglichkeiten: Rad, Auto, Shuttle, Bahn oder zu Fuß.
Variante 1 Rad: Es gab laut Lollapalooza Veranstalter einen extra Parkplatz nur für die Fahrräder. Dieser befand sich hinter der S-Bahn, von dort musste man zu Fuß laufen. Super Sache und ohne Probleme, soweit wir gehört haben.
Variante 2 Auto: Vollkommen ab vom Schuss befand sich der Parkplatz. Nachts musste man über unebene kaum beleuchtete Wege den Weg zu seinem Auto finden. Dass so ein Parkplatz nicht direkt neben dem Gelände sein kann, ist natürlich logisch. Dass dieser aber so schlecht erreichbar ist und man fast 30-45 Minuten Fußweg in Kauf nehmen musste. Kein Wunder, dass sich scheinbar die meisten für die Variante 3 Shuttle Bus oder 4 Bahn entschieden haben.
Am Samstag ging hier nicht viel, weder die Shuttle-Busse kamen gegen die Vielzahl der Besucher an, noch die S-Bahn. Die am Samstag unverständlicherweise keine Sonderzüge einsetzte und man somit bis zu 2 Stunden auf die Bahn warten musste, da es einfach zu viele Festival-Besucher für diese einzige Station waren.

Im Nachhinein hörten wir von Besuchern, die bis zu 2,5 Stunden auf dem Festivalgelände festgehalten wurden, weil die S-Bahn Station mittlerweile ein enormes Risiko darstellte.

Wir wollen uns nicht anmaßen zu sagen: „Das hätte man doch wissen müssen, dass die meisten Besucher nach den Hauptacts des Gelände verlassen werden“ ¬– daher fragen wir: „Hätte man das nicht wissen können?“

Eines der größten Festivals nach “Berlin” zu holen ist richtig und wichtig. Aber das nächste Mal bitte besser geplant. Denn Weltklasse waren hier leider “nur” die Acts. Vielleicht wird ja im nächsten Jahr beim Lollapalooza 2018 im Olympiapark das Organisatorische endlich besser… drei Jahr mit jeweils diversen Problemen sollten eigentlich reichen.

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