Bericht G.O.N.D 2017 – Ein Festival wie ein Orkan

News am 10. August 2017 von Florian

Eingefleischte Fans kennen das Motto: „Nach dem Festival, ist vor dem Festival.“ Und so ist das auch bei einem der größten Deutschrock Festivals Deutschlands. Denn am 13. Juni 2017 fiel der Startschuss der 12. Auflage der G.O.N.D, wie gewohnt im schönen Rieden-Kreuth in der Oberpfalz. Tausende Deutschrocker pilgerten mal wieder zum „härtesten Campingplatz der Republik“ und starteten die Party des Jahres. Und selbstverständlich waren wir wieder mit am Start, wie die letzten Jahre auch.

Schon am Vormittag konnten die Frühaufsteher in der Festhalle zu Bands wie„Brennstoff“, „Sündflut“, „Vollblut“ und „Morgenroth“ abfeiern. „Morgenroth“ nutzten die Gelegenheit, um ihre neue Scheibe „Spiegelbild“ vorzustellen. Und man kann eigentlich schon fast davon ausgehen, dass die Band vielleicht im nächsten Jahr auf der MainStage stehen wird. Verdient hätten sie es, genauso wie „Brennstoff“. Wir drücken den beiden vielversprechenden Bands auf jeden Fall die Daumen.

Mit einem brutalen Pyroknall eröffnete „Foiernacht“ schließlich um 14:30 Uhr die Hauptbühne des Festivals . Mit selbst gemachter Deutschrockmucke ging es von Beginn an in die Vollen. Gefolgt von „Wir sind Eins“ und „Unherz“ stieg die Stimmung rapide an. Das Infield füllte sich zwar etwas schleppend, aber doch stetig und so bot sich „Enorm“ bei ihrem Auftritt dann schon eine beeindruckende Menschenmenge vor der Bühne. Diesen Anblick wollte sich Frontmann Marcus dann auch nochmal vom Kran aus geben und fuhr munter Fahne schwenkend in schwindelerregende Höhe, um von dort aus einen Song zum Besten zu geben.

Die nächste Band lieferte dann den ersten Onkelz-Coverrock des Tages und wer „28“ schon einmal gehört hat weiß, dass die Band sich damit nicht zu verstecken braucht. Auch beim Publikum schlägt die „alte Scheiße“ jedes Jahr aufs Neue wieder ein wie eine Bombe und Fangesänge und Pogos kochten ordentlich hoch. Diese 45-minütige Show der Jungs von „28“ war definitiv Headliner-würdig und leider auch schon wieder viel zu schnell vorbei. Weiter ging es dann mit Ohrenfeindt mit ihrem ACDC Sound zu deutschen Texten und „Onkel Tom“, die mit nicht totzukriegenden Evergreens wie „In München steht ein Hofbräuhaus“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ (selbstverständlich im rockigen Gewand) noch jede Stimmung zum Überkochen bringen.

Im Anschluss betrat dann eine Band die Bühne, die schon seit Jahren zuverlässige Tageshöhepunkte auf jeder G.O.N.D. setzt. Die Rede ist von F.U.C.K., der wohl kultigsten Metal Coverband Süddeutschlands, die mit ihrem Programm aus Klassikern von „In Extremo“ über „System of a Down“ und „J.B.O.“ bis „Manowar“ das Publikum immer fest im Griff hat. Dass F.U.C.K. den Titel „G.O.N.D.-Inventar“ 100%ig verdienen, beweist auch die Tatsache, dass sie für dieses Festival sogar eine eigene Hymne geschrieben haben, mit der die „Feisten Räuber“ ihr Programm unter lautem Mitgegröhle im Publikum abschlossen.

Doch kaum war der letzte Ton verklungen, hörte man vor der Bühne schon das nächste Gebrüll. Die Fans forderten lautstark die ersten Headliner des Abends: „Krawall, Krawall, Krawallbrüder – und die sollten sie dann auch bekommen. Pascal & Co. lieferten eine Show ab, wie man es von ihnen gewohnt ist: mit viel Pyro, harten Gitarren und eben ordentlich Krawall und im Publikum gab es kein Halten mehr.

Der nächste Headliner war ein absoluter Underdog, was die Festivalgeschichte angeht: „Stahlzeit“, die wohl bekannteste Rammstein Coverband, die Deutschland zu bieten hat. Und dabei gleichzeitig die einzige, die offiziell die original Rammstein-Bühnenshow übernehmen darf. Das wollte sich natürlich keiner entgehen lassen und so wurde es spürbar enger auf dem Infield, denn alle waren neugierig. Und es ist nicht übertrieben wenn wir sagen, dass mit absoluter Sicherheit keiner enttäuscht aus dieser Show ging. Die Bühnenshow war exzentrisch, laut und spektakulär und keiner der großen Hits wie „Du Hast“, „Mein Teil“, „Waidmanns Heil“ oder „Feuer Frei“ fehlte im Programm.

Zum Abschluss wurde auf der Main Stage von „Böhse Bengelz“ nochmal die Onkelz-Partykeule ausgepackt und wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte die Restenergie bei der Aftershowparty in der Festhalle loswerden.

In den zweiten Festivaltag starteten wir in der Festhalle mit den Bands „Endgegner“ & „Schlussakkord“ und einem kläglichen Grüppchen halbwacher Fans vor der Bühne. Für die meisten war es wohl definitiv noch zu früh am Tage. Das sah bei „Asphalt“, den Ersten auf der Hauptbühne, dann schon etwas anders aus. Dank ordentlich Gitarrenaction zu selbst geschriebenen Songs wurden die müden Geister wach gerüttelt und so war auf dem Infield zur zweiten Band „Wiens No.1“ schon deutlich mehr los, als noch am ersten Tag. Die Wiener waren zum 2. Mal in Rieden zu Gast und kamen beim Publikum ziemlich gut an.

Der Wettergott meinte es auch gut mit uns und sorgte für feinstes Festivalwetter.
Das kam „Guhte Kumpelz“ sehr gelegen, denn die Band, die mit ihrer Onkelz-Covershow in den letzten Jahren immer ein zuverlässiger Publikumsmagnet auf der G.O.N.D. war, bestritt an diesem Tag ihren letzten gemeinsamen Auftritt. Dafür wurden sie vom Publikum von der ersten Minute an gebührend gefeiert und auch einige Kollegen aus anderen Bands ließen es sich nicht nehmen, für das eine oder andere Lied nochmal zu ihren „Kumpelz“ auf die Bühne zu kommen und sie so mit einem lachenden und auch einem kleinen weinenden Auge zu verabschieden. Den Spruch „Für immer eine Familie“ schreibt sich das Festival ja schon seit längerem auf die Fahne und speziell bei diesem Auftritt war dieser Spirit auch wieder spürbar. Liebe Kumpelz, wir werden euch vermissen und hoffen man sieht sich mal wieder auf ein Döschen Ebbelwoi oder so ;-)

Nach diesem grandiosen Auftritt blieb aber nicht wirklich Zeit zum Durchatmen, denn „Die Bonkers“ standen mit hausgemachtem feinsten Deutschrock in den Startlöchern, genauso wie „Martens Army“ und „Wilde Jungs“ im Anschluss. Die Fans kamen also voll auf ihre Kosten und als nächstes standen dann auch schon DIE G.O.N.D. Urgesteine schlechthin auf dem Programm: Bühne frei für Jörn und seine „Kneipenterroristen“, die die zweite Onkelz-Runde gemischt mit eigenen Werken einläuteten. Man muss nicht extra erwähnen, dass die Kneipis wie üblich für eine absolut geile Stimmung sorgten, der auch ein bisschen Wind und Regen nichts anhaben konnten.

„Rotz und Wasser“ sorgten dann für die nächste positive Überraschung des Tages. Bei ihrem Auftritt im Winter in Adelsheim hatte sich die Band ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert (wir berichteten) und war sogar kurz davor, den Gig abzubrechen. Doch davon war diesmal absolut nichts mehr zu spüren. Das Intro ging los, die Jungs stürmten die Bühne (mit neuem Kollegen an der Gitarre) und die Party begann – sowohl auf, als auch vor der Bühne. Das Publikum kam aus dem Singen und Hüpfen gar nicht mehr raus und die Stimmung erreichte einen neuen Höhepunkt. So gehört sich das!

Danach lautete das Motto: „Der Osten rockt!“ und somit herzlich Willkommen„Goitzsche Front“. Und das taten sie auch mit viel Feuer und einem ordentlich gefüllten Infield. Vielleicht muss man den Satz 2018 etwas abwandeln… etwa „Die G.O.N.D. rockt den Osten“ o. ä. – doch dazu später mehr. Ihren Auftritt schlossen „Goitzsche Front“ wie immer mit dem Prinzen Klassiker „Alles nur geklaut“ ab.

„Kärbholz“ und „Koma“ bildeten dann das Finale des zweiten Abends auf der Main Stage und auch ein heftiger Regenguss mit Gewitter konnte nichts mehr daran ändern, dass auch Tag 2 mit guter Stimmung und ohne größere negative Zwischenfälle zum Abschluss kam.

Mit neuer Kraft ging es in den 3. und auch schon letzten Festivaltag. Die Neugier trieb uns am Vormittag wieder in die Festhalle, in der üblicherweise „Nachwuchsbands“ eine Möglichkeit bekommen, sich einige neue Fans zu erspielen. Doch bei einem Blick auf die Band „Protz“ konnte man von Nachwuchs nicht mehr wirklich sprechen. Mit Richy und Bommel, beide bekannt als ehemalige Mitglieder von „9mm“, standen zwei waschechte „alte Hasen“ (bei Richy nicht unbedingt wörtlich zu nehmen) auf der Bühne, ganz zu unserer Freude. Es war schön zu sehen, dass die beiden sich nun mit ihren zwei Bandkollegen nicht mehr nur im Hintergrund halten müssen, sondern sich endlich auf der Bühne austoben können und der Spaß war ihnen absolut anzusehen. „Toxigen“ vollendeten die Warm-up Runde in der Halle und so zog alles wieder Richtung Hauptbühne.

Auf dem Weg statteten wir dem GOND-Kommando noch einen kurzen Besuch ab, die mit ihren Onkelz-Hits im Guggemusik-Blaskapellen-Style die Camper rund um das Infield ordentlich aufmischten. Ebenfalls ein fester Bestandteil des Festivals, der nicht mehr wegzudenken ist.

Ab 14:30 Uhr wurde dann von „Local Bastards“ das Programm auf der Hauptbühne eröffnet, die im Vorjahr noch auf der kleinen Bühne in der Festhalle standen. Man kann sich also durchaus „hochspielen“ auf der G.O.N.D. Den Fans vor der Bühne stand der dritte Festivaltag buchstäblich ins Gesicht geschrieben, die Meisten liefen schon auf Notreserve. Doch für die nächste Band sammelt man gern seine letzten Kräftereserven zusammen.

Die Rede ist von „The Headlines“ aus Schweden. Mit viel Energie und Spaß rissen sie das Publikum mit und nicht zuletzt dank dem Charme der Frontfrau erwachten die ersten Reihen langsam wieder zum Leben. „Rockwasser“ und „Herzlos“ rockten danach mit ihren eigenen Stücken, bevor wieder eine Band die Bühne betrat, die sozusagen das Urmotto des Festivals vertritt. „G.O.N.D.“ steht für „Größte Onkelz Nacht Deutschlands“ und die „Heiligen Dämonen“ schmetterten aufs Neue die altbekannten Onkelz Hits von der Bühne. Vom „Bomberpilot“ bis „Nur die Besten sterben jung“ war alles dabei, was das Herz jedes Onkelz-Fans begehrt und die Leute kamen auf ihre Kosten.

Dann wurde es plötzlich etwas bunter auf der Bühne und es lag ein zarter Hauch von Pink-fluffy-Unicorn in der Luft. Doch bevor es zu poetisch wird – „King Kongs Deoroller“, die Band von Kiedi (einem der beiden Veranstalter), begeisterten nicht nur mit den üblichen exotischen Outfits, sondern vor allem mit ihrem Programm und Hits wie „Claus Hipp“, „Ficken“, „Rockstar“ oder „N.O.R.D.“ Der eine oder andere merkt vielleicht, dass sich die Band das Thema Aufklärung offenbar auf die Fahne geschrieben hat. Weiter so, Deutschland braucht mehr Musiker, die keine Scheu haben, auch mal wirklich ernste Themen anzusprechen ;-)

Weiter ging es dann mit „Berserker“ aus Berlin und „Engel in Zivil“. Die Letzteren gehören ebenfalls in die Riege der Onkelz-Coverbands und waren die erste Band auf der G.O.N.D., die den Mut hatte, Lieder der neuen Onkelz-Platte ins Programm aufzunehmen – leider mit sehr mäßigem Erfolg. Stimmung wollte nicht so richtig aufkommen und die Meute brüllte nach „Mexiko“. Wieder einmal der Beweis, dass für die Fans einfach nichts über die alten Klassiker geht.

Doch pünktlich zu „9mm“ erreichte die Stimmung dann wieder einen Höhepunkt. Volker und seine Jungs hatten im letzten Jahr eine GOND-Auszeit genommen und waren dafür umso energiegeladener zurück, was sich sofort aufs Publikum übertrug. Mit Dauerfeuer und Vollgas legten sie eine Show auf die Bühne, die sich sehen lassen konnte. Aufgrund einer Umfrage unter ihren Fans im Vorfeld des Festivals, gaben sie zum Schluss sogar eine 9mm-Version des Andreas Gabalier Hits „Hulapalu“ zum Besten. Die Idee von „Sing meinen Song“ wird scheinbar immer populärer. Doch man muss zugeben, das rockige Gewand steht dem Lied ziemlich gut und bei den Deutschrock Fans hätte Andreas Gabalier mit dieser Version eindeutig gepunktet.

Der Auftritt der vorletzten Band des Abends lag sowohl den Veranstaltern als auch Polizei, Security und Sani-Team wohl etwas schwer im Magen. Wer „Unantastbar“ einlädt, lockt damit unweigerlich eine Menge Fans mit Bengalos vor die Bühne. Doch Bengalo-Feuer waren aus Sicherheitsgründen auf dem kompletten Festivalgelände strengstens verboten, worauf auch vor und während des Festivals an verschiedensten Stellen sowie nochmal direkt vor dem Auftritt von „Unantastbar“ durch die Veranstalter hingewiesen wurde. Und das Security Team hatte die kompletten 3 Festivaltage über alle Hände voll zu tun, dass dieses Verbot auch eingehalten wurde. Das Veranstaltungsteam hatte die Auflage bekommen, falls dennoch Bengalos gezündet würden, sofort das Konzert abzubrechen – Sicherheit geht nun mal vor.

Mit diesen Fakten im Hinterkopf, wurden „Unantastbar“ umso gespannter erwartet und schließlich betrat die Band die Bühne und feuerte ihre Show ab. Der Auftritt war powervoll und spektakulär, wie man es von ihnen gewohnt ist und bis kurz vor Schluss gab es keine größeren Zwischenfälle. Doch als die letzte Zugabe „Das Stadion brennt“ aus den Boxen donnerte, erleuchteten (wie von vielen trotz aller Vorkehrungen erwartet) auf einmal drei Bengalos die Nacht. Und die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Der Band wurde kurzerhand der Saft abgedreht – es war ja nicht so, dass es nicht lange und breit angekündigt worden war. Das Publikum sang noch kurze Zeit weiter, doch als die Band dann die Bühne verließ, begann das große Maulen und Murren.

An dieser Stelle fragen wir uns, was erst noch alles auf Großveranstaltungen passieren muss, bis die Vernunft endlich einmal siegt und leider notwendig gewordene Sicherheitsrichtlinien einfach akzeptiert werden. Der Stimmung und dem Spaß aller Beteiligten tut ein Bengalo-Verbot doch wirklich keinen Abbruch, denn man sollte meinen, dass die Musik an sich im Vordergrund steht. Und die Freude an der Musik werden wir uns alle hoffentlich auch weiterhin nicht nehmen lassen.

Freude an der Musik und ihre Verbundenheit mit der G.O.N.D. demonstrierten im Anschluss auch wieder traditionell die G.O.N.D. Allstars, die zusammen mit Kiedi zuerst den „Treueschwur“ zelebrierten und dann noch das große Finale absolvierten.

Doch eine Frage blieb nach der G.O.N.D. 2017 vorerst offen: Wird es im nächsten Jahr wieder eine G.O.N.D. geben und wenn ja, wann und wo?
Drei Tage lang waren aus allen Ecken immer wieder mal Spekulationen zu hören, dass 2017 evtl. das letzte Mal gewesen sein könnte. Verkaufszahlen gehen zurück, evtl. ist das Gelände in Rieden dann zu groß, wenn weniger Leute kommen. Verlegt man das Ganze vielleicht lieber auf ein neues Gelände in Thüringen? „Das Original“ ist selbst immer wieder mal auf Tour, braucht man da die G.O.N.D. überhaupt noch? – So oder so ähnlich wurde gemutmaßt.

Diese Frage haben Timo und Kiedi am 01.08.2017 Gott sei Dank eindeutig beantwortet und somit den ganzen Spekulationen den Wind aus den Segeln genommen:

JA, es wird 2018 wieder eine G.O.N.D. geben und JA, diese wird auch weiterhin in Rieden-Kreuth stattfinden. Also vom 12. bis 15. Juli 2018 ab nach G.O.N.D City!

Bilder : Florian Kolb

Text : Florian Kolb / Sabine Dreher

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