Reggae aus Neuseeland in Frankfurt: Interview mit The Black Seeds

News am 7. September 2012 von maike

Die „beste Reggae-Band der Welt“ (laut Rolling Stone) war kürzlich zu Gast in der Batschkapp in Frankfurt. Am 23. August gaben The Black Seeds aus Neuseeland ihr neues Album „Dust and Dirt“ zum Besten (für weitere Infos zum Konzert siehe Vorbericht). Im Publikum standen auch die Festivalhopper Katharina und Maike. Was sie zuvor von Frontmann Daniel Weetman über die achtköpfige Band erfuhren, haben sie im Folgenden festgehalten (freie Übersetzung).

Festivalhopper: Hi Daniel, vielen Dank, dass du dir so kurz vor dem Konzert noch ein wenig Zeit für uns nimmst. Wir hoffen, wir halten euch nicht zu sehr von der Vorbereitung für den Abend ab. Ihr habt ja sicher wie andere Künstler eure kleinen Rituale, bevor es auf die Bühne geht, oder?

Daniel: Genau, wir setzen uns alle in einen Kreis und meditieren eine Stunde lang (lacht). Nein, wir sehen das ganz entspannt. Ich für meinen Teil trinke viel Wasser, damit meine Stimme durchhält. Ansonsten versuchen wir alle, ein Feeling für das Publikum zu entwickeln, indem wir uns einfach darunter mischen. Heute zum Beispiel wollen wir uns die Vorband Electric Wire Hustle ansehen und die Stimmung der Zuschauer aufsaugen. Etwa 15 Minuten vor dem Auftritt legen wir noch einmal die Hände aufeinander und dann geht’s auch schon los.

Festivalhopper: Die Stimmung der deutschen Reggae-Fans konnet ihr bereits in mehreren eurer Konzerte selbst miterleben. Was würdest du sagen: Bestehen Unterschiede zu den Fans aus Neuseeland?

Daniel: Nun ja, ich glaube, die deutschen Fans sind etwas zurückhaltender. Dennoch muss ich sagen, dass mich die Reggae-Szene in Berlin absolut fasziniert. Alles wirkt sehr locker und bunt und wir wurden bei unserem letzten Open-Air in Berlin so wunderbar empfangen, dass wir auf jeden Fall wiederkommen werden. Nun sind wir gespannt auf unser Frankfurter Publikum. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass es immer ein Geben und Nehmen ist – egal, wo wir spielen. Wir fühlen uns jedes Mal aufs Neue in die Menge ein und reagieren dann auf die Stimmung. So entsteht meiner Meinung nach ein gelungenes Konzert.

Festivalhopper: So flexibel zu sein, ist bei acht Bandmitgliedern sicher gar nicht so leicht. Grundsätzlich ist es wahrscheinlich schwierig, bei so vielen Köpfen Entscheidungen zu fällen, die die ganze Band betreffen, oder?

Daniel: Es gibt viele Meinungen und daher auch viele Kompromisse. Mit acht Leuten kostet tatsächlich so manche Entscheidungsfindung etwas mehr Zeit. Es hat aber auch viele Vorteile, in einer so großen Truppe zu sein: Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ohne dass er sich Sorgen um den Kollegen machen muss. Es wird immer jemand da sein, mit dem jener sich beschäftigen kann. Außerdem ist natürlich der Sound umso stärker, je mehr Instrumente auf der Bühne gespielt werden.

Festvialhopper: Heißt das, ihr wollt noch weiter wachsen?

Daniel: Warum nicht? Ich wünsche mir schon seit langem ein paar weibliche Background-Sängerinnen. Das würde unsere Musik perfekt ergänzen. Vielleicht klappt das ja in der Zukunft noch.

Festivalhopper: Zu guter letzt interessiert uns als Festivalhopper natürlich noch eure Einstellung zu Festivals. Da ihr noch vor wenigen Tagen u.a. bei Sound of the ForestSziget Festival und Maschseefest aufgetreten seid, können wir vermutlich davon ausgehen, dass ihr gern auf Festivals spielt?

Daniel: Auf jeden Fall. Es ist zwar schwieriger, da wir auf Festivals in der Regel nicht die Band sind, wegen der alle gekommen sind. Gerade das macht es jedoch so spannend. Es ist schließlich eine Herausforderung, auch diejenigen von uns zu überzeugen, die vorher noch nie von uns gehört haben. Die eigenen Fans, die wir auf unseren Konzerten sehen, machen es uns da um einiges leichter.

Festivalhopper: Besuchst du Festivals auch ab und zu als Gast?

Daniel: Nicht mehr allzu häufig. Aber wenn ich einmal mit der Band da bin, dann schau ich mich schon auch um. Dadurch weiß ich übrigens auch sehr zu schätzen, was unsere Fans eigentlich leisten, um uns zu sehen. In der Menge ist es eng. Manchmal sind alle dem Regen ausgesetzt, an anderen Tagen der prallen Sonne. Das ist wirklich bemerkenswert. Vor meiner Zeit bei The Black Seeds stand ich noch sehr viel regelmäßiger selbst in der Menge und habe den Musikern zugejubelt. Schon damals war es immer mein Traum, einmal selbst auf der Bühne zu stehen.

Festivalhopper: Was würdest du heute tun, wenn du nicht bei The Black Seeds gelandet wärst?

Daniel: Wahrscheinlich als Bio-Bäcker in Neuseeland jeden Morgen sehr früh aufstehen. Das habe ich getan, bevor ich zur Band kam. Es hat auch Spaß gemacht und vielleicht werde ich auch irgendwann wieder in der Bäckerei anfangen. Solang es geht, möchte ich aber natürlich das Musiker-Dasein genießen.

Festivalhopper: Das hören wir gern. Alles Gute für die Zukunft und vielen Dank für das Gespräch.

Kleines Nachwort:

Das anschließende Konzert war ein Erlebnis: acht Musiker auf engem Raum, interessante Instrumente und massiver Sound, der Elemente aus Reggae, Funk und Soul vereint. Dafür möchten wir an dieser Stelle nicht nur The Black Seeds danken, sondern auch Andrea vom ZFK Berlin, die uns erst auf diesen Abend aufmerksam machte.

Weitere Infos zum Konzert gibt es im The Black Seeds Vorbericht, hier geht’s zur offiziellen Band-Webseite www.theblackseeds.com.

Ein Kommentar zu “Reggae aus Neuseeland in Frankfurt: Interview mit The Black Seeds”

  1. Nummer 1: Serengeti mit Danko Jones, Bosse, Irie Révoltés uvm sagt:

    […] nach Schloß Holte-Stukenbrock. Reggae gibt es von den schwer begehrten The Black Seeds (zum Festivalhopper-Interview) aus […]

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