Melt 2012: Ein Wochenende Musikzirkus in der Stadt aus Eisen

News am 18. Juli 2012 von Claudia

Die ersten zwei Tage des Melt-Festivals standen unter dem Motto: auspacken, umschauen, ankommen. Und dann immer wieder die Frage: wer ist dein Headliner?

Die 15. Ausgabe des Melt brachte viele Line-up Wiederholungen, aber keinen richtigen Headliner. Trotzdem war das Festival seit Monaten ausverkauft. Vielleicht sollte es eine Hommage an die letzten Jahre werden:

eine Ausgabe von Freunden, mit Freunden und für Freunde. Dabei wurde ja gemunkelt, dass vielleicht Daft Punk auftreten. War dann aber doch nicht so. Nicht desto trotz waren die letzten Tage ein schillerndes Fest. Ja die Wolken waren grau und es regnete immer wieder. Aber einen richtigen Festivalgänger stört das keineswegs: da kommt einfach etwas Glitzer über den Dreck, Gummistiefel an und schwups sieht man nicht mehr nach Schlammschlacht, sondern Discomaus aus. Der Regen war jedenfalls kein Hindernis um ordentlich zu feiern, zu tanzen und sich auf den Zirkus einzulassen.

Der Donnerstag begann ganz festivaltypisch. Zeltplatz suchen, Freunde hinlotsen (folge dem Schlammweg, an den Dixi-Klos vorbei, dann hinter einer Baumgruppe rechts, 30 Meter und da bei der Flagge mit Sponge Bob findest du uns!). Dann heißt es natürlich die Zeltgruppenbewohner kennenzulernen, am besten bei ein paar Bier und einer Runde Flunkyball. Ja man sagte mir auch, dass man das nicht auf dem Melt spielt, aber viele taten es trotzdem. Einige Tanzwütige gingen dann bereits zur Pre-Party, die aber extra kostete. Ich habe mir sagen lassen, dass das Intro-Zelt am Ende auch viel zu überfüllt war und es gar keine schöne Atmosphäre mehr gab. Wir jedenfalls besuchten die Nachbarn und erkundeten den Zeltplatz, da gab es schließlich auch Musik. Dann wurde sich recht früh in den Schlafsack gekuschelt, schließlich war es arschkalt (man konnte seinen Atem sehen – im Juli!).

Freitag ging’s dann richtig los! Wer noch nicht auf dem Melt gewesen ist: vom Campingplatz aus sind es etwa 30 Gehminuten zum Festivalgelände. Viele nutzen den Weg um nochmals vorzuglühen, andere nehmen einfach einen Shuttlebus. Und was macht man zuerst, wenn man das Festivalgelände betritt? Natürlich einen Rundgang. Entweder um zu schauen, was sich verändert hat, oder wie in meinem Fall, um sich erstmal einen Gesamtüberblick zu verschaffen – gut, dass ich mit einem Melt-Kenner unterwegs war, der hat mich gleich mal aufgeklärt, was es alles nicht mehr gibt und was anders ist. Bei der Big Wheel Stage steht die Bühne jetzt in einem Spaceanstrich neben und nicht mehr auf dem Bagger. Mehr Bierbars gab es wohl auch, damit man noch mehr Becher für 4 Euro verticken und den Konsum erhöhen kann. Ja, das fiel auch gleich auf: beim Melt ist es teuer und Mainstream ist es mittlerweile irgendwie auch. Überall prangten die Logos der Sponsoren. Und weil Coca Cola die Hauptlizenz hatte, gab es keinen Birkensaft am Maultaschenstand. Das ließ etwas Individualität und vielleicht auch Lokalität vermissen.

Beim Rundgang fielen mir auch gleich die anderen Melt-Teilnehmer auf. Mal abgesehen von den schrecklichen Kostümen, den albernen Hüten und dem übertriebenen Glitzerverbrauch hatten alle durchweg strahlende Gesichter und das war sehr schön anzusehen. Alle freuten sich auf das Melt und hatten viele Kilometer auf sich genommen um bei dem Spektakel dabei zu sein. Vor allem Niederländer haben Ferropolis besucht, das fiel mir sehr stark auf.

So und jetzt zu den musikalischen Highlights des Abends. The Vaccines eröffneten die Mainstage. Die Jungs haben in ihren Jeanswesten gut gerockt. Anschließend habe ich einen Blick auf Philipp Poisel auf der Intro-Bühne geworfen. Er trat in Space-Outfits auf und machte seinen melodischen Indie-Pop. Ganz nett, aber ich hatte dann Hunger und hab mir was auf der Fressmeile gesucht. Es gab ein wirklich reichhaltiges Angebot und war auch für die Vegetarier sehr vielfältig. Mit dem Essen konnte man sich gut auf die Treppen bei der Hauptbühne setzen und es zu The Raveonettes und der untergehenden Sonne genießen. An den folgenden Tagen war das aufgrund des herumliegenden Mülls nicht mehr so einfach. Gestärkt ging es dann zu The Rapture in die erste Reihe. Was ein tolles Konzert! In The grace of our love als Opener war gleich der Knaller und es wurde immer besser. Anschließend habe ich den Rundgang bis zum Strand ausgedehnt. Da spielten gerade Brandt Brauer Frick. Seitdem ich sie das letzte Mal auf dem Immergut 2011 gesehen habe, haben die sich schon ganz schön weiterentwickelt. Die Sonne setzte dann auch zum Untergang an und brachte die Strandbühne in eine kitschig schöne Atmosphäre. Übrigens pünktlich zum ersten Bandauftritt die Sonne und ließ die Lamettafäden und Discokugeln funkeln.

Dann spielten M83. Für viele war das Konzert das Highlight und vielleicht auch der Headliner des Melt 2012. Da ich leider etwas später kam und mich nicht nach vorn durchdrängeln konnte, habe ich nur von hinten ein Stück der Show mitgenommen und die hat mich gar nicht mitgerissen. Da kam für mich kein Gefühl rüber und konnte mich auch gar nicht zum tanzen animieren. Deswegen bin ich dann zu Boy ins Intro-Zelt spaziert. Die waren sehr melodisch und wunderbar natürlich. Außerdem hatte ich bei den Boy-Zuhörern das Gefühl mich in netter Gesellschaft zu befinden. Anschließend spielten Caribou. Auch für viele Leute das Highlight. Sie eröffneten mit ihrem Discodauerbrenner Odessa und dann wurde es mir auch irgendwie zu öde. Daher bin ich zur nächsten Bühne, denn da gab es Dillon, einer meiner Favoritin der letzten Monate. Den Auftritt fand ich ganz wunderbar. Die schüchterne Sängerin versteckt sich gern hinter Nebelschwaden und macht daraus eine mystische Show. Sie am Keyboard mit ihrer zarten Stimme und dem DJ-Typen im Hintergrund, eine fabelhafte Mischung.

In der Nacht ist Ferropolis schon eine Wucht, das muss man sagen. Überall bunte Scheinwerfer, glitzernde Discokugeln an den riesigen Baggern und krachende Bässe. Die graue Betonstadt verwandelt sich in eine riesige Tanzfläche, wo die Hipster sich gehen lassen und die Füße nicht mehr stillstehen.

Die britische Indieband Bloc Party waren dann der Hauptact der Mainstage am Freitagabend. Sie sind wieder aus der Versenkung erschienen und haben ein paar neue Lieder mitgebracht. Die Stimme von Kele ist ja unverkennbar, aber der neue Sound kam nicht so gut an, wie die alten Stücke, z.B. This Modern Love.

Da tanzte das Publikum, trotz des einsetzenden Regens, begeistert mit. Der Niederschlag stoppte auch die ganze Nacht nicht, aber viele waren mit Gummistiefel ausgerüstet und sich auch für Regenjacken und -capes nicht zu fein. Damit ließ sich die Nacht zu Modeselektor (DJ-Set) und Co. gut durchtanzen.

Das Fazit für den ersten richtigen Melt-Tag sieht dann so aus: mein Herz wurde noch nicht geschmolzen. Aber die Stadt aus Eisen, Ferropolis, ist schon eine beeindruckende Kulisse für ein Festival und die Technobässe lassen die Bagger Feuer spucken.

In Kürze gibt es hier Teil2 unseres Melt!-Rückblicks 2012 und weitere Festivalbilder.

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Ein Kommentar zu “Melt 2012: Ein Wochenende Musikzirkus in der Stadt aus Eisen”

  1. Nummer 1: Melt 2012: Hipster, Techno und Konzerthighlights – die Mischung macht’s | Festival News sagt:

    […] ließ die Hipster im Sonnenschein tanzen und funkeln. Es gab viel Techno und tolle Konzerte. Hier zum Melt-Donnerstag/ Freitagsbericht. Festivalhopperin Claudi berichtet, Fotos von […]

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