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Samstag in Wacken 2026: Wenn der Acker bebt, die Sirenen heulen und die Fans jubeln

News am 3. August 2026 von Maddin

Es ist Samstagmorgen auf dem Wacken Open Air 2026. Der letzte Festivaltag dieser Jubiläumsausgabe ist angebrochen – die letzte Möglichkeit, noch einmal richtig zu rocken, bevor es wieder nach Hause und damit zurück in den Alltag geht.

Berichte der anderen Tage zuvor gibt es schon online bei uns: Mittwoch, Donnerstag und Freitag beim Wacken 2026. Jetzt der Samstag:

Zu früher Stunde – es ist erst 11:30 Uhr – erobern riesige Gestalten das Infield. Sie stammen aus einer Zeit vor unserer Zeit. Sie galten als ausgestorben. Doch fünf Eier haben im hohen Norden überlebt und wurden von einer Hexe zum Ausbrüten gebracht. Es schlüpften vier Dinosaurier und ein Drache, die nun die musikalische Früherziehung einer neuen Generation von Metalheads übernehmen.
Zu Beginn kommt der Sicherheitshinweis: Die Kleinsten dürfen nach vorne. Erwachsene dürfen nicht schubsen. Verlorene Kinder und Gegenstände werden am grünen Kran mit dem Teddybären abgegeben.

Mit ‚Kaugummi ist Mega‘ erobern die Urgiganten von Heavysaurus die Herzen der Rocker, Jung und Alt. Die Jungs beherrschen nicht nur Heavy Metal, Death Metal, Melodic Metal, sondern auch Alpenmetal. Sie leiten mit einer Kuhglocke die Melodie des allseits bekannten Songs ‚We’re not gonna take it‘ von Twisted Sister ein.
Frontsaurus Mr. Heavysaurus berichtet, dass er ursprünglich Gitarrist werden wollte. Leider durfte er aber nur singen. Dennoch beherrscht er die Luftgitarre wie kein Zweiter und gibt seine Riffs direkt an das gefüllte Infield weiter. Insgesamt ein guter Start in den Tag.

Am Nachmittag findet die traditionelle Pressekonferenz statt: 35 Jahre Wacken! Thomas Jensen schwärmt: ‚Dass es so gut wird, hätten wir nicht gedacht. Das Wetter hat mitgespielt!‘ Etwas Wehmut liegt in der Luft, da die Metal-Welt sich von Sepultura verabschieden muss – ebenso wie von Running Wild und Rose Tattoo. Doch das Metal Battle gibt neuen Bands eine Chance, ganz groß rauszukommen. Die Stimmung dort sei wie immer mega!

Holger Hübner berichtet von einer ‚Mega-Party‘. Die Nebenbühnen seien top bespielt worden. Mitveranstalter André Jürgens ist begeistert von den grandiosen Bands und der super Stimmung vor und hinter den Kulissen. Veranstaltungsleiter Daniel Schlatter berichtet, dass Fans schnell anreisen konnten. Die Umgestaltung und der Zusammenschluss der Wegplatten hätten das Ganze vereinfacht. Die Veranstaltung gelte als gut gesichert, und auch die Jüngsten seien dieses Jahr begeistert worden.

Lea Müller, Leiterin der Produktion/Head of Operations, ist überrascht vom guten Wetter. So konnte der Aufbau schnell vonstattengehen. Matthias Venohr von der Feuerwehr berichtet, dass es nicht viel zu löschen gab. Es war ein ruhiges Festival, und sie seien gut vorbereitet gewesen. Lediglich ein Container habe gelöscht werden müssen!
Besonders war die Rettung eines Rehbocks. Dieser habe sich im eingezäunten Wald verirrt, konnte aber befreit werden.

Die Polizei wird durch Frank Matthiesen vertreten. Dieser lobt zuerst die Truppe, die stundenlang in den Stiefeln gestanden habe. Mit Stolz berichtet er, dass es weniger Diebstähle gegeben habe. Bis dato gebe es 226 Einsätze, fast ausschließlich rund um Wacken.

Dieses Jahr gibt es vermehrt Verstöße gegen das Flugverbot privater Drohnen, die auch geahndet werden. Drohnen kommen hier zwar auch zum Einsatz, und zwar von der Feuerwehr (zum Brandschutz), von der Polizei (zur Sicherheit) und natürlich vom Veranstalter. Private Drohnen bleiben auch weiterhin verboten!

Mit einem Augenzwinkern meint Frank Matthiesen, dass Wacken aktuell als drittgrößte Stadt in Schleswig-Holstein gelte und die sicherste Stadt in Deutschland sei. In den Medien gab es Gerüchte über eine ‚unschöne Aktion‘ in Wacken: Zwei Anfang-20-Jährige hätten Video auf TikTok veröffentlicht in dem das Festival bedroht wurde. Dies sei von den Toren Wackens aus geschehen und durch das Aufgebot der Polizei und des Munitions-Räumdienstes gestoppt worden.
Wie sich später herausstellte, befand sich im Kofferraum ein akustisches Warngerät, wie es bei Gleisarbeiten verwendet wird. Da es mit vielen Kabeln und einem Handy ausgestattet war, konnte es zu Verwechslungen kommen.
Es war einfach Quatsch der beiden Jungs, die nun mit Konsequenzen rechnen müssen.

Auch vom Rettungsdienst, vertreten durch Volker Böhm, gibt es nichts Ungewöhnliches zu berichten. Über 660 Ehrenamtliche waren im Einsatz – und kaum wahrnehmbar. Das ist immer ein gutes Zeichen. Stand Samstagmittag: ca. 3.500 Behandlungen, knapp 200 Transporte. Etwas mehr als letztes Jahr. Denn die Anreise erfolgt ja jetzt schon ab Sonntag!

Als kleine Anekdote: Dieses Jahr wäre hier beinahe das erste Wacken-Baby zur Welt gekommen. Man ist es ja gewohnt, dass hier Kinder gezeugt werden. Eine Geburt wäre mal etwas Neues gewesen. Sie waren aber vorbereitet. Da man der Mutter gesagt hatte: ‚Wenn es auf dem heiligen Boden zur Welt kommt, müsste es Thomas Holger getauft werden‘, wollte sie dann doch lieber ins Krankenhaus.

Benjamin Zollndz-Kaage vom Ordnungsdienst lobt die gute Zusammenarbeit mit Veranstalter und Fans. Während der Veranstaltung gab es Beschwerden von mehreren Festivalbesuchern, dass sie mit Regenbogen-, Queer- und Anti-Nazi-Symbolen nicht auf das Gelände durften. Die Veranstalter baten daraufhin die Sicherheitsleute zum Gespräch und es gab die klare Ansage, dass dies ab jetzt nicht mehr vorkommen darf.
Thomas Jensen betont die Meinungsfreiheit: ‚We are all equal! One World, one Stage!‘

Kritik gibt es aus dem Publikum: Das amerikanische Bier schmecke nicht. Es stellt sich die Frage, wie Wacken daraus wieder herauskommt. André Jürgens dementiert das. Der Umsatz sei sogar noch gesteigert worden. Thomas Jensen entgegnet: Es sei kein amerikanisches, sondern ein belgisches Bier. Keiner würde sich über den gesteigerten Umsatz von ‚Jack Daniel’s‘ aufregen.
Das klingt nach blanker Ironie: Es war ein heißes Festival, die Meute hatte mehr Zeit, den Umsatz zu steigern – und man darf kein eigenes Bier mit auf das Gelände nehmen! Zudem wirbt das W:O:A mit Nachhaltigkeit. Da findet sich doch bestimmt auch eine regionale Brauerei!

Im Anschluss geht es zurück zum Festival. Die Security positioniert sich, die Fotografen betreten den Graben, der Rettungsdienst hält sich im Hintergrund. Die Menge fordert am frühen Abend lautstark: ‚Airbourne, Airbourne, Airbourne …!!!‘
Die australischen Hard-Rocker von Airbourne betreten die Bühne. Es folgt eine Welle aus Pommesgabeln im Infield, und zwar ab den ersten Riffs zu ‚Too Much, Too Young, Too Fast‘. Die Fans feiern ihre Band. Nur hier gibt es Crowd-Surfer im Circle-Pit. Sogar der Kammermann wirdn umgerannt und dann auf den Händen der Fans zurück in den Graben getragen.

Highlight der Show ist der Moment, als sich Frontmann Joel O’Keeffe auf den Schultern eines Crew-Mitglieds vor der Bühne tragen lässt und dabei weiterhin kräftig in die Saiten greift. Als die Sirenen erklingen, knien alle nieder, um dann wieder in voller Ekstase aufzustehen. Aus zwei Circle-Pits wird ein großer. Klassiker wie ‚Runnin’ Wild‘ und ‚Breakin’ Outta Hell‘ lassen Metal-Herzen höher schlagen.

Am Ende der Show hat die Security über 400 Crowd-Surfern den Weg in den Graben geebnet. Den Fotografen und Fans hat sie ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert, und der Rettungsdienst konnte – bis auf kleine Ausnahmen – weiter im Hintergrund bleiben.

Während Airbourne noch die Harder-Stage auseinander nimmt, füllt sich auch der Platz vor der Headbangers-Stage. Die Fans erwarten hier Crossover-Thrash-Metal vom feinsten. Und den bekommen sie auch! Nach einem kurzen Intro entern Municipal Waste die Bühne und die Party beginnt. Die Jungs kennen eigentlich nur ein Tempo und das ist Vollgas. Natürlich entsteht direkt eine massiver Circle Pit. Sänger Tony Foresta fragt die Meute ob sie es noch schneller können. Schwer zu sagen ob das überhaupt möglich ist. Allerdings wächst der Cirlce Pit im Laufe des Konzertes immer weiter an. Band und Fans haben einen Riesen Spaß an diesem Sonnigen Nachmittag. Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Fest auch schon wieder. Glückliche Fans verlassen den Bereich vor der Bühne.

Während sich der Staub in der Bullhead City langsam legt, steigt die Spannung vor der Harder Stage. Die Fans warten auf Arch Enemy und deren neue Frontfrau Lauren Hart. Die Fans fragen sich, ob sie die großen Fußstapfen, die Vorgängerin Alissa White-Gluz hinterlassen hat, ausfüllen kann. Doch vom ersten Growl an räumt sie jeden Zweifel aus. Ihre Stimme ist roh, kontrolliert und gibt den Songs eine neue, etwas andere Energie.

Die Songs klingen wieder etwas brachialer, und die Band geht damit einen kleinen Schritt zurück zu ihren Wurzeln. Das scheint der Band gut zu tun, denn sie zeigt eine Begeisterung auf der Bühne, die man so schon lange nicht mehr bei ihr gesehen hat. Auch wenn einige Fans die alte Frontfrau weiterhin vermissen werden, verwandelt sich die Skepsis im Laufe des Konzerts immer weiter in Begeisterung. Hier beginnt ganz eindeutig ein neues Kapitel für die Band, und wir sind gespannt, was daraus noch alles entstehen wird.

Wer an diesem Abend Punk-Rock sucht, wird auf der Headbanger-Stage fündig. Letzte Woche noch beim ‚Ruhrpott-Rodeo‘ – heute auf den heiligen Brettern der Bullhead City. Dritte Wahl ist seit 38 Jahren bekannt für deutschen Punk-Rock. Also: hoch die Pommesgabeln, und los geht’s mit ‚Himmel über uns‘.

Frontmann Marko Busch bewundert die Investition der Veranstalter: ‚Was mit KI alles möglich ist: Strahlend blauer Himmel. Dabei regnet es in Strömen – ist ja schließlich Wacken!‘ Es wird angemerkt, dass man als Punk-Band gerne in den Verruf gerät, nur zu meckern. Daher haben die Jungs ausnahmsweise auch mal einen konstruktiven Vorschlag und geben diesen mit ‚Wir schießen die Milliardäre ins All‘ zum Besten.

Die Band stellt ihren neuesten Song ‚Gefühlt ist es noch kälter‘ vor und ist erschrocken, dass die Fans ihn feiern. Als echte Punks muss man das Neue doch verachten, ausbuhen. Die Fans folgen der Kritik und lassen laute Buh-Rufe und ‚Ihr seid scheiße‘ verlauten. Die Rostocker wissen nun mal, wie man sein Publikum erzieht!

Powerwolf – Wacken Pressebild

Parallel betreten Powerwolf die Faster Stage. Natürlich mit einem gigantischen Bühnenbild im Gepäck. Mit ‚Bless ’em With the Blade‘ eröffnet Attila Dorn, auf einer hohen Säule stehend, die legendäre Show. ‚Es ist eine besondere Ehre, mit euch zu feiern. 35 Jahre Wacken!‘ ‚Zeigt der Welt, wie laut ihr feiern könnt!‘, fordert er seine Anhänger auf. ‚Lasst uns den Boden zum Beben bringen!‘
Sie sind zu siebt und höchst wahrscheinlich nicht zum letzten Mal hier. ‚Eigentlich müssten sie öfter kommen.‘ Weiter geht es mit ‚Kreuzfeuer‘ und einer Feuerorgel. Zu ‚Dancing With the Dead‘ soll dem ‚bockigen‘ Falk Maria Schlegel das Tanzen beigebracht werden, und auch die Meute fordert: ‚Tanz! Tanz! Tanz!‘

Er lässt sich zu einer flotten, aber kurzen Sohle auf dem Parkett überreden. Bleibt jedoch bei der Überzeugung: ‚Tanzen ist kein Heavy Metal.‘ Also fordert Attila seine Anhänger auf, in die Geschichte einzugehen: ‚Circle Pit rückwärts!‘ Er würde als Erfinder gelten, weil sie mitgemacht haben! Gemeinsam feiern Powerwolf die große Heavy-Metal-Familie, die es ohne ihre Anhänger nicht geben würde, und verabschieden sich für heute mit ‚Werewolves of Armenia‘, in dem sie Falk Maria Schlegel auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Dem Metal-Gott sei Dank: Er überlebt. Sodass sie bestimmt in den kommenden Jahren wieder die große Bühne rocken können.

Nun ist es Zeit für den Farewell. Die Veranstalter Thomas Jensen, Holger Hübner und André Jürgens melden sich direkt aus dem Publikum. Sie bedanken sich bei der Crowd. ‚Es ist ein besonderer Moment. Vor allem hier!‘ Sie betonen: ‚We are equal! We are family! Together we are Wacken!‘ und präsentieren auf den großen Leinwänden die Bands für das Jahr 2027. Dort werden unter anderem Helloween, Five Finger Death Punch, Electric Callboy und Hammerfall spielen. Außerdem werden Edguy nach Jahren der Abstinenz auftreten, und es wird ein Wiedersehen mit Children of Bodom geben. Der vor sechs Jahren verstorbene Sänger Alexi Laiho wird durch Lost Society-Frontmann Samy Elbanna ersetzt.

Damit endet das Wacken Open Air 2026. Wacken hat alles in allem mal wieder abgeliefert. Auch wenn alles sehr kommerziell geworden ist und die Auswahl der Bands für ein Jubiläum eher mittelmäßig war, haben die Auftritte doch sehr viel Spaß gemacht. Abseits der großen Bühnen finden sich auch immer wieder fantastische Auftritte und Überraschungen, sodass es sich immer lohnt, dort vorbeizuschauen.
Wir freuen uns auf das W:O:A 2027 – die ersten Bestätigungen sind bereits vielversprechend.

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