Zum Inhalt springen

Wacken Donnerstag: Zurück in die 80er und weiter bis ins Mittelalter

News am 31. Juli 2026 von Maddin

Ein weiterer Tag auf dem Wacken Open Air bricht an. Schon früh morgens spürt man die Glut der Metal-Hölle. Bei Temperaturen um die 32 Grad gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ab zum Holy Ground und sich weiter einheizen lassen oder zum Wasserloch und sich dort kurzfristig abzukühlen.
Wo sich einst die Fans im Schlamm suhlten, wirbeln nun Staub und kleine Twister beim Circle-Pit auf.

Genau zu dieser Mittagshitze zieht es nur hart gesottene Metal-Fans zur Louder-Stage. Hier erwartet sie niemand Geringeres als die H-Blockx. Die Münsterländer rocken seit 1991 die Bühnen und überzeugen mit HipHop und Arenenrock. Sie sind das erste Mal in Wacken. Artig bedanken sie sich für den tollen Empfang im Dorf, um dann alles zu geben. Allseits bekannte Klassiker wie „Risin’ High“ und „Move“ dürfen natürlich nicht fehlen. Bei „Countdown to Insanity“ fordert Sänger Henning Wehland die Fans auf: „Wer noch springen kann, solle es doch jetzt tun!“. Gleichzeitig schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, dazu bringt ein leichter Wind Abkühlung, wodurch die Massen noch mehr aufdrehen. Der Acker bebt bis zu den Bierständen und das bis zum letzten Song.

Wer danach eine kleine Pause braucht, kommt beim Verlassen des Infields am großen Metal Markt vorbei. Hier gibt es alles, was das Metallerherz begehrt. Wer noch nach dem passenden Bandshirt sucht, wird hier fündig. Daneben befindet sich der Farmers Market. Hier gibt es verschiedene Marktstände, die alles für den alltäglichen Gebrauch anbieten. Von Bierdosen bis zu frischen Eiern, damit auch niemand auf sein Frühstücksei verzichten muss. Auch kleine Snacks oder Bowls für den Hunger zwischendurch kann man hier finden.

Nach der kurzen Pause betreten wir das erste Mal das Wackinger Village. Hier befinden wir uns auf einem kleinen Mittelaltermarkt. Es gibt Heerlager, einen Kampfplatz und verschiedene Stände mit Schmuck, Deko und anderen Dingen passend zum Thema. Überragt wird das Gelände von der Wackinger Stage. Hier warten wir auf Sagenbringer. Die Folkmetaller erzählen uns „Geschichten aus zwischen den Welten“. Das Ganze verpackt in ein Melodic-Death-Metal-Gewand mit deutschen Texten. In passender Gewandung, angelehnt an die Wikinger, stürmt die Band die Bühne und gibt von der ersten Minute an Vollgas. Der Spielspaß ist den vier Musikern sichtlich anzusehen und überträgt sich direkt auf das Publikum. Schüchtern sind die Jungs auch nicht. Bassist Azaril springt einfach mal in den Graben und spielt am Bühnenrand direkt vor den Fans. Eine fantastische Show, die mal wieder zeigt, dass es sich lohnt, auch abseits der großen Bühnen mal vorbeizuschauen.

Um runterzukommen, drehen wir noch eine kleine Runde durch das Mittelalterdorf. In der der Taverne wollen wir ein Bier oder einen Met trinken und hoffen darauf, mittelalterlich angehauchtes Essen zu genießen und der Sonne zu entfliehen! Hier haben wir eine ruhige Oase!?! Nicht ganz! Auf einer kleinen Bühne versammeln sich eine achtköpfige Crew und gibt feinsten Steampunk-Folk zum Besten. Die Band, namens Tales of Nebelheim, erzählt in ihrer Musik von Abenteuer und Magie. Sie nehmen sich selbst nicht so ernst, haben einfach nur Spaß, und reißen die kleine Menge einfach mit. So werden zu Mr. Shark die Hai-Mützen aufgesetzt (teils auch von den Fans, die fleißig mit den Armen rudern, um Wellen zu simulieren). Oder mal die Flöte entführt, in zwei Teile gebrochen, um dann der Meute vor der Bühne ein erneutes, lautes Hey zu entlocken. Kurzum: Kleine Bühne, große Show: Lädt zum Mitsingen und Tanzen ein.

Nun wird es mal wieder Zeit für die große Bühne und einen echten Klassiker. Mit Europe betritt eine der großen Bands der 80er die Bühne. Die Band ist besonders durch die Songs „Rock the Night“ und natürlich „The Final Countdown“ bekannt. Sie haben aber mittlerweile zwölf Studioalben veröffentlicht. Mehr als genug Material also für über eine Stunde Show. Dennoch scheinen viele Fans im vollen Infield hauptsächlich die beiden zuvor genannten Lieder zu kennen. Denn der Jubel ist eher verhalten, als die Band mit dem Song „Broken Wings“ und voller Energie die Bühne betritt. Das ändert sich jedoch, als sie „Rock the Night“ tatsächlich als zweiten Song spielen. Hier kommt die Stimmung einmal auf den Höhepunkt, bevor sie im Laufe des Konzerts immer weiter heruntergeht. Die Band schafft es, nur die Fans in den ersten Reihen so richtig zu begeistern. Weiter hinten wartet das Publikum anscheinend hauptsächlich auf den zweiten großen Hit. Als der dann endlich als letzter Song gespielt wird, kann es die Fans auch nicht mehr richtig mitreißen.

Wesentlich besser ist da die Stimmung bei Kupfergold auf der Wackinger-Stage. Die Rheinländer befinden sich im „verflixten 7. Jahr“ und sind zum 2. Mal in Wacken. Bonnie Banks merkt an: „Scheiße, wie geil ist das denn?!“ Die Fans seien noch besser als beim ersten Mal. So viele haben sich vor der Bühne versammelt, um mit der Band Folk-Rock zu feiern. Nicht immer ganz jugendfrei. Treu nach der Devise: Mit Reizen soll man nicht geizen, legt Bonnie einen legendären Bauchtanz hin und leitet so den Song „Muschelbusen“ ein. Da werden die Krücken und Rollatoren weggeworfen, Kinder lernen Laufen und Sprechen, einfach um mit Tanzen und Singen zu können. „Kupfergold“ zeigt der großen Faster-Stage, wie Feiern geht.

Dort, auf der anderen großen Bühne, der Harder-Stage, erwartet uns nun ein weiterer Gigant der 80er. Def Leppard spielten bereits in einer Schülerband zusammen. Sänger Joe Elliott fragte damals den Bassisten Rick Savage, ob sie eine Band gründen wollen, um dann mal zu schauen, was passiert. Und jetzt, 49 Jahre später, spielen sie hier vor 85.000 Menschen. Die Setlist der Briten lässt dabei keine Wünsche offen. Alle großen Hits wie „Love Bites“, „Rock of Ages“ und „Hysteria“ werden gespielt. Dazu noch ein Cover von Depeche Modes „Personal Jesus“. Die Show endet natürlich, wie könnte es anders sein, mit „Pour Some Sugar on Me“. Alles in allem ein gelungener Ausflug in die 80er.

Zurück im Hier und Jetzt pilgern wir zur Louder Stage und besuchen den Wahnsinn von Turbonegro. Die Norweger betreten die Bühne, rotzige Gitarrenriffs und treibende Rhythmen ertönen und das Publikum feiert die halb ironische Attitüde der Band. Das Licht ist die meiste Zeit eher dunkel, zwischendurch erhellen Feuersäulen die Bühne und zwischen Band und Publikum entsteht eine ganz eigene Energie. Die Band zelebriert das Chaos und bietet Punk in Reinform. Glücklich und verschwitzt machen wir uns auf den Weg zurück zu den Zelten.

Bevor wir dort ankommen, bleiben wir noch bei der Headbanger-Stage stehen. Viele haben sich vor hier versammelt, um sich Cowgirls from Hell anzusehen. Es herrscht erst mal Verwirrung, als die 2 Mädels mit ihrer Show beginnen. Es wirkt, als ob sie ihre Sängerin vergessen hätten und nun versuchen, die Show zu retten. Eine am Mischpult, welchen Zweck dieses hat, ist nicht erkennbar, da Songs wie Thunder, von AC/DC, vom Band kommen. Die Zweite tanzt auf der Bühne. Miniplayback für Erwachsene lässt grüßen. Außer Spesen nichts gewesen.
Doch ein Teil der eingefleischten Wacken-Fans lässt sich nicht unterkriegen und feiert zumindest die gute Musikauswahl aus der Konserve, während sich andere fragen, was das soll.

Auch wir bleiben nicht bis zum Ende, denn morgen wartet wieder ein langer Tag mit vielen Highlights auf uns. Gute Nacht, ihr Headbanger. Morgen geht es weiter.

Kommentar schreiben

© 2005-2026 Festivalhopper.de - Team | Impressum | Kontakt | Datenschutz