VOXID – heimliche Wege auf Festivals, kuchenbackende Fans und fliegende Rosen

News am 3. Juli 2020 von Uli

Das Rudolstadt Festival 2020 hätte diese Woche stattgefunden. Daher gibts von uns schonmal diesen Flashback: Die Festivalhopper Uli und Martin berichten vom Rudolstadt Festival 2018 und von ihrer Begegnung mit VOXID.

Wir trafen die Acapellaband VOXID vormittags auf der Heidecksburg beim Rudolstadt Festival, um mit ihnen ein kleines Interview zu führen – am Vortag hatten wir sie schon auf der Großen Bühne auf dem Marktplatz gesehen und eine fette Show geliefert bekommen

Zu ihrem diesjährigen Tourauftakt im März 2020 konnten VOXID noch ein volles Haus im TOR 6 Theaterhaus in Bielefeld erleben, alle anderen Konzerte wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Damals begann alles mit traditionellem Jazz. Doch aus der früheren Band Tonalrausch ist ein noch bunteres VOXID entstanden. Rein gesanglich gibt die Band Gas mit Pop, Funk, Soul, Rhythm’n’Blues und Hip-Hop und verleiht dem breitgefächerten Stilrepertoire mit der englischen Sprache eine lässige Note. So auf dem Boden geblieben die fünfköpfige Truppe in ihren YouTube Videos, in denen sie zum Teil super ulkig, Auftritte ankündigen, wirken mag: Die fünf leisten stimmliche Perfektion. Wir setzen uns also im Kreis ins Grüne unter einen schattenspenden Baum und fangen an zu plaudern.

Festivalhopper: Es ist schön, euch hier komplett vorzufinden und toll, dass ihr euch für ein Interview bereiterklärt habt. Ich habe euch gestern schon singen gehört. Hattet ihr Spaß in Rudolstadt?

Alle Mitglieder von VOXID beantworten diese Frage im Chor mit einem eindeutigen „Ja“.

Friedrich: Es war total cool. Eine Menge Leute waren da. Es ist schön, vor so großem Publikum zu spielen, weil wir spielen auch in Clubs, wo es dann eher 200 oder 300 sind. Gestern waren es so um die 600. (Proteste aus den eigenen Reihen werden laut. Sie berichtigen, dass es doch deutlich über 3000 Zuschauer gab bei ihrem ersten Konzert auf der großen Bühne auf dem Marktplatz.) Von daher war das auf jeden Fall eine geile Atmosphäre.

Gabriel: Es waren nicht nur viele. Die waren auch gut drauf. Also sehr dankbares Publikum. Sehr aufmerksam.

Festivalhopper: Gerade dafür, dass es überwiegend Sitzpublikum war.

Daniel: Vor allem halb zwölf und kalt. Das darf man auch nicht vergessen.

Gabriel: und nach einem Tag voller Beschallung. Das war schon schön zu sehen.

Daniel: Die Optik mit der Bühne war eher wie ein Stadtfest, aber das ganze Flair, wie die Leute sich gefühlt haben, war absolut nicht wie bei einem Stadtfest, sondern das waren ganz klar Leute, die genau die Musik hören wollten, die wir gemacht haben. Und das beflügelt dann in dem ganzen Gig total.

Festivalhopper: Gibt’s da einen Unterschied zwischen im Club spielen und vor großen Publikum? Ist das gefühlsmäßig anders?

Maike: Die Bühnengröße spielt eine ganz wichtige Rolle. So eine Bühne zu fünft zu füllen. Das sind einfach ganz andere Laufwege.

Festivalhopper: Genau, ihr habt ja auch fette Choreografien mit eingebaut…

Daniel: Die man dann auch ad hoc mal drei Meter größer macht als sonst (lacht). Nee, das fetzt.

Friedrich: Das geile ist halt auch, wenn man auf so einer Bühne spielt und dann eine richtig fette Anlage hat und richtig gutes Licht. Dann ist das alles noch ein bisschen größer und fetter als wenn man in einem kleinen Club spielt.

Gabriel: Du zahlst natürlich auch Deinen Preis dafür. Im Club ist es normalerweise privater und man kriegt einen etwas engeren Draht zum Publikum als das bei einer so großen Masse überhaupt nur möglich ist. Schon allein die Schere des Tanzes zur ersten Reihe ist ein riesiger Unterschied. In kleineren Clubs, da könnte man den Leuten fast die Hände schütteln und gestern hätte ich weit springen müssen, um das zu tun.

Damals: „Tonalrausch“ beim TonART Festival.

Festivalhopper: Diana, Gabriel und Daniel, ihr seid von Anfang, also seit der Gründung mit Tonalrausch damals, dabei. Wie habt ihr euch denn gefunden und wieso läuft’s bis heute noch? (Die drei lachen lauthals)

Daniel: Ich glaube, das weiß keiner. Ich denke gegründet haben wir uns, weil ich sehr viel rede und sehr lange und so lange bis ich das kriege, was ich will. Mein erstes Opfer damals war Matthias Knoche, der nicht ganz so viel redet, eher weniger und den habe ich einfach stumpf überredet: Lass uns ’ne Band gründen, mit der wir Vocal Jazz machen. Dann haben wir beide aus unserem Connection- und Bekanntenkreis noch Sänger dazu geholt. Von meiner Seite war das Gabriel…

Gabriel: Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich nur mal für vier Monate einspringen wollte.

Daniel: Ja richtig. Und dann haben wir ihn einkassiert, weil es so schön gepasst hat. Wir sind quasi alte Internatskumpels und Matthias damals seinerseits hatte aus einer früheren Acapella Bandbesetzung die Connection zu Diana und zu unserer früheren Sopranistin. Und so haben wir zu fünft gestartet. Eigentlich in so ’ner Jazztradition. Irgendwann haben wir angefangen, immer mehr Popsongs zu machen und über die Jahre gab es wenige kleine Besetzungswechsel und so sind dann Friedrich und Meike zu uns gestoßen. Seit drei Jahren sind wir jetzt als VOXID unterwegs und in dieser Besetzung.

Festivalhopper: Man hat das Gefühl, dass ihr richtige Gesangsprofis seid (Widerspruch von allen Seiten macht sich hörbar und ein Gelächter geht durch die Runde.) Steckt da eine Gesangsausbildung dahinter?

Daniel: Genau, wir haben eigentlich fast alle Musik studiert in irgendeiner Form, meistens Gesang. Aber wir haben auch einen begnadeten Mathematiker, der bald noch den Nobelpreis kriegen wird. Den es zwar immer noch nicht gibt, aber wenn er eingeführt wird, dann wegen Dir Gabriel. Und wie’s der Zufall will, steht er uns stimmlich um nichts nach.

Manager Achim wirft ein: Der Umkehrschluss wäre also: Wozu studieren? (Alle lachen)

Daniel: Wir haben uns alle individuell sehr intensiv mit Musik auch beruflich beschäftigt. Seien das Galabands, Musicalrollen oder auch Musikproduktionen in ganz verschiedenen Bereichen. So hat jeder seine eigenen Nebenprojekte und andere Baustellen. Und so bringt auch jeder seine Zutaten in das, was dann VOXID ausmacht.

Friedrich: Fakt ist jedenfalls, dass wir das alle beruflich machen, bis auf Gabriel, der eben an der Uni ist und das quasi nebenbei macht. Aber wir anderen vier verdienen ausschließlich mit Musik unser Geld. Sei es unterrichten, in irgendwelchen Bands spielen oder im Theater spielen: Das ist unser Beruf, das haben wir studiert so wie andere einen anderen Beruf gelernt haben.

Festivalhopper: Auf der Bühne hat es sich gestern so angehört als ob jeder für sich einen Song schreibt und ihr ihn dann alle zusammen aufführt. Oder gibt es auch Songs, die ihr zusammen schreibt? Wie läuft so etwas ab?

Maike: Meistens kommt jemand mit einer Idee an. Manchmal ist die schon etwas weiter in der Entwicklung und manchmal ist das wirklich nur so eine kleine Melodie oder Textidee. In letzter Zeit arbeiten wir wirklich verstärkt zusammen daran, daraus einen Song zu machen. Aber es ist schon eher so, dass einer von uns ’ne Idee in die Probe mitbringt und wir gucken dann, wie wir das umsetzen können.

Gabriel: Aber so ein Song reift dann nochmal sehr lange. Möglicherweise dauert’s schon nochmal ein halbes Jahr von dieser ersten Probe bis zur Aufführung. Selbst wenn dann schon Noten existieren, weil nochmal viel dran geschraubt wird. Und selbst nach der ersten Aufführung dauert’s nochmal ein halbes Jahr bis der Song dann wirklich in seiner Fassung ist. Es ist immer ein sehr demokratischer Schaffungsprozess.

Friedrich: Das geile ist, dass eben jeder seine Stärken und Schwächen hat und keiner wäre allein in der Lage, den Song so zu machen, wie er dann am Ende bis zur Aufführung gereift ist. Jeder kann da wirklich was einbringen. Gabriel zum Beispiel ist besonders gut in Englisch und die meisten unserer Texte, eigentlich alle, sind auf Englisch. Oder Daniel schreibt oft Songs, die er dann selber nicht singt als Solist. Dann hat der Solist wiederum die Möglichkeit, an der Melodie ein bisschen zu schrauben, sich selber einzubringen. So bringt jeder seine Qualitäten mit und am Ende ist es dann VOXID. (Ein zustimmendes Lachen von den Bandmitgliedern)

Festivalhopper: Gestern wurde euch eine Rose auf die Bühne geworfen. Gab’s noch andere Sachen, die da flogen? (Großes Gelächter)

Daniel: Also fantechnisch waren so die absurdesten Erinnerungen durchaus in Taiwan, wo wir schon dreimal auf Tour waren und wo man allein wegen des europäischen Aussehens und dann auch noch, indem man da eigenen Musik mitbringt, für die sehr besonders ist. Da waren Fanreaktionen, dass wir Saxophone, Motorradhelme, IPads oder sogar auf Haut unterschrieben haben.

Friedrich: Es gibt schon wirklich tolle Fans. Wir haben einen Fan hier in Deutschland, die reist uns oft hinterher und bäckt dann einen Kuchen. Als wir zum Beispiel zwei jähriges Jubiläum hatten, stand „Zwei Jahre VOXID drauf. Oder wenn ich Musical mache, dann kommt es schon vor, dass ein Kuscheltier auf die Bühne fliegt. Das ist jetzt bei uns eher unüblich. Aber das mit der Rose fand ich ganz schön. Mir wär’s lieber gewesen, sie wäre von einer Frau gewesen.

Daniel: Aber eine Rose ist eine Rose ist eine Rose…

Festivalhopper: Ihr habt nicht nur Auftritte in Europa, sondern wie eben schon erwähnt, tourt ihr auch in Asien. Wie kommt es dazu?

Gabriel: Durch Graz. Es gibt in Graz ein Festival, das haben wir 2007 gewonnen. Die haben so eine Kooperation mit einem ähnlichen Format in Taiwan, wo es eine sehr starke Popchorszene gibt und die laden jedes Jahr zwei internationale Bands ein. Da waren wir 2009 das erste Mal und hatten da dann auch einen Wettbewerb gewonnen. Seitdem, wenn wir dann mal an die Tür klopfen, sind wir herzlich willkommen. Wenn uns wieder danach ist, fliegen wir auch wieder hin.

Maike: Wenn wir mal wieder was Gutes essen wollen, fliegen wir mal wieder rüber. (Alle stimmen zu)

Festivalhopper: Unsere Leserinnen und Leser interessiert immer sehr, ob ihr selbst auf Festivals geht. Ist das bei euch sehr ausgeprägt?

Maike: Früher mehr. Ich war mal auf dem Southside, bei Rock am Ring und beim Bizzare-Festival, das sind Rockfestivals. Ich gebe zu, dass ich das in den letzten Jahren nicht mehr so gemacht habe.

Daniel: Ich war schon mehrmals auf dem Melt. Das witzige ist, dass ich ursprünglich aus einem ganz kleinen Dorf komme und da kann ich zum Melt rüberlaufen. Ich kenne sogar einen Weg durchs Gestrüpp wie ich ungesehen aufs Festivalgelände komme.

Friedrich: Und es gibt natürlich viele Acapella Festivals, wo wir spielen. Ich persönlich merke das oft an mir, dass ich keine Lust habe, noch auf ein Festival zu gehen, dadurch, dass man ja selber sein Brot damit verdient und jedes Wochenende eh auf irgendwelchen Bühnen quer durch die Republik unterwegs ist. Konzerte guckt man sich da viel lieber an. So ein Festival ist eben was anderes als ein Konzert. Man zu Bands, die einen wirklich interessieren, um sich da mal auch was abzugucken, Anregungen zu holen und zu schauen, wie die das so machen.

Maike: Ich finde es vor allem schön, auf Festivals zu spielen. Ich bin total gerne auf Festivals. Es ist einfach das beste, dort zu spielen und dann etwas Zeit zu haben, sich alles anzugucken.

Diana: Wir fahren ja auch nach Graz zum Festival für eine Woche und haben dort Spaß und gucken uns das einfach nur an.

Festivalhopper: Und hier, habt ihr euch auf dem Rudolstadt-Festival etwas rausgesucht, was ihr euch gerne anschauen möchtet?

Daniel: Nach unserem Kollegen haben wir uns natürlich umgeschaut und ihn natürlich auch schon gesehen: Max Willhelm aus unserem quasi gleichen Rennstall. Rudolstadt kam jetzt zustande, weil unser Musiklabel und Musikverlag auch stark involviert sind in das Festival und wir dadurch die Connection hierher haben. Und für uns ist es ganz toll, hier in Rudolstadt zu spielen, weil wir ein bisschen der Kanarienvogel auf dem Festival sind, da wir mit unserer Musik, die sehr funky, poppig und englischsprachig ist und auch ohne Benutzung von Instrumenten funktioniert, viele Alleinstellungsmerkmale haben.

Gabriel: Die Zeit erlaubt’s uns nicht so wirklich, gezielt zu einem Konzert zu gehen. Was man natürlich macht, ist, wenn mal eine halbe Stunde frei ist, dass man durch die Stadt geht, was zu essen greift, und bei der Bühne Halt macht, wo es einem gerade gefällt. Das ist ja gerade das schöne, dass überall irgendwas in der Stadt ist.

Festivalhopper: Und nun eine abschließende Frage: Heute werdet ihr nochmal im Park auf der Konzertbühne spielen. Wird sich eure Show verändern?

Friedrich: Es ist eine größere Bühne, noch mehr Leute, da geben mir noch mehr Gas!

Daniel: Es ist niemals das selbe.

Friedrich: Ich freue mich tierisch darauf. Ich meine, es ist nicht so oft, dass man auf so krass großen Bühnen spielt. Wir haben einmal in Taiwan, das war noch als Tonalrausch, auf einem Jazzfestival gespielt und da waren über 20000 Menschen. Das ist dann schon wirklich ein krasses Gefühl, wenn man da steht und gar nicht wirklich sieht, wo die Menge aufhört. Und deswegen freue mich extrem darauf, wenn wir da heute spielen. Viele Menschen, eine riesig große Bühne. Da hat man die Chance 15 Meter von der einen Seite auf die andere zu rennen (Lachen). Es wird bestimmt ziemlich cool.

Festivalhopper: Vielen Dank euch! Das waren nochmal tolle Schlussworte und ich wünsche euch ganz viel Spaß!

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