Staubige Mosh Pits & Gewitterwolken – Das 21. Endless Summer Open Air Festival

News am 16. August 2018 von Gabriel Flöter

Es kommt uns vor als wäre es grad erst gestern gewesen, dass wir den 20. Geburtstag des Endless Summer Festivals feierten. Der Acker, auf dem normalerweise Pferde genüsslich ihr Futter mümmeln, mutierte vom 9. August bis zum 11. August 2018 wieder zur großen Festwiese für Punks, Oi! s, Hardcorekids und (fast) jeden der Bock auf Mucke hatte.

Ein Bericht der Festivalhopper Anne und Gabriel.

Von Montag an war die Endless Summer Crew damit beschäftigt alles für seine Gäste schick zu machen, die bereits am Mittwoch anreisten um die besten und vor allem schattigsten Stellen auf der Wiese am Entenfang in Torgau abzubekommen. Die anhaltende Hitze der vergangenen Wochen zwang auch das Endless Summer Team dazu, die Brandschutzbestimmungen etwas anzuziehen.

Aber das sollte kein Grund sein, sich den Spaß nehmen zu lassen, denn wie wir ja alle wissen: „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist!“, und da sollte es auch in diesem Jahr keine Engpässe geben. Musikalisch eröffnet wurde das diesjährige Endless Summer auf der Tent-Stage von Monster Squad, einer Punkband aus Kalifornien, dicht gefolgt von Get the Shot aus Kanada. Hier wurde vor der Bühne ordentlich Staub aufgewirbelt und die ersten Stagediver durften eine Runde drehen. Während Take Offense im Anschluss auf der Tent-Stage Stimmung machten, braute sich über dem Festivalgelände etwas zusammen. Dunkle Wolken, starker Wind und zwei ungestüme Bauzaunteile, die den ersten Mosh Pit des Wochenendes eröffneten, waren nur der Anfang eines kurzen Unwetter-Intermezzos. Das Festivalgelände wurde zur Sicherheit der Besucher geräumt und alle pilgerten in Zelte und Autos oder versuchten ihre davonfliegenden Pavillons festzuhalten. Nach einer Stunde war auch schon wieder alles vorbei und Aggressive konnten planmäßig ihr Set spielen.

Mit dem Wischmopp bewaffnet, ging es hier mit einer Mixtur aus Oi! und Hardcore-Punk weiter bevor Acidez aus Mexiko das Publikum ein letztes Mal für diesen Tag vor der Tent-Stage zum Toben brachten. Ein durchaus gelungener erster Festivaltag, der einen guten Einstieg in das diesjährige Endless Summer bot. Wer keine Lust hatte ins Zelt (falls es denn vom Unwetter noch nicht abgebaut wurde) oder ins Auto schlafen zu gehen, war im berühmten Partyzelt herzlich Willkommen und wurde vom Berliner DJ-Team Viva la Vulva dazu eingeladen das Tanzbein zu schwingen.

Der Freitag begrüßte uns sonnig, aber mit einer steifen Brise. Gefährliches Sonnenbrandwetter. Wer eine Abkühlung brauchte oder sich einfach nur die dicke Staubschicht vom Körper waschen wollte, konnte sich auf dem Gelände duschen oder in den „Karpfenteich“ am Entenfang hüpfen. Das örtliche Schwimmbad hatte leider wegen Renovierung geschlossen, ein taktisch guter Schachzug des Betreibers oder ein großes Pech für alle badefreudigen Festivalbesucher, wir werden es im nächsten Jahr erfahren. Die fertig aufgebaute Mainstage wurde ab 14:00 von The Bloodstrings und Uncured bespielt, während im Zelt Turbulent Hearts und die Brassknuckle Boys die ersten Besucher des Tages bespielten. Dazwischen reihten sich verschiedene kulinarische Köstlichkeiten wie zum Beispiel Käsespätzle, vegane Speisen, Cocktails, Pizza, Knobibrot u.v.m an Merchandise-Stände von Hardcore- Merch, Proll Streetwear.
Der beliebte Jägermeisterstand baute auf und verteilte in diesem Jahr neben lustigen Fotobox – Erinnerungen auch stylische Goldkettchen, die sofort klarstellen sollten, um welches Lieblingsgetränk es sich beim Festivalbesucher handelt. Wer sich sportlich betätigen wollte, konnte dies beim Kickern oder Bier Ping Pong Stand tun. Dreistimmig ging es auf der Mainstage weiter, wo Crim aus Spanien ihre Punkrock-Songs darboten und man merkte, dass die Festivalgesellschaft langsam wieder erwachte bzw. eintrudelte. Die selbsternannten Antihelden von Punkroiber hatten zuletzt 2013 auf der Zeltbühne gespielt und standen im Anschluss wieder an selber Stelle um eine flotte Oi-Punk Sohle aufs Parkett zu legen.

Apropos Parkett, die Connewitzer Likörfabrik hatte an diesem Wochenende allerhand zu tun, denn der kleine Likör-Biergarten vor ihrem Stand war immer gut gefüllt. Hier konnte man zwischen dem traditionellen Rhabarber-, Melonen- oder Gurkenlikör (!!! Favorit !!!) wählen und sich ganz romantisch bei einer Portion Leber mit Zwiebeln vom benachbarten Grillstand mit der neuen Endless Summer Bekanntschaft unterhalten. „This is the place, where we grow together“, damit hatte Sänger Dale der Hardcore-Band Broken Teeth! (Das Ausrufezeichen ist wichtig, Verwechslungsgefahr) die währenddessen auf der Mainstage spielten, in jeder Hinsicht Recht, denn Endless Summer bedeutet auch immer ein bisschen “melting pot” der Szenen. Egal ob Punk, Ska, Oi, Skins, Hardcore oder Metal. In einem sind sich alle einig: Wir haben hier gemeinsam Spaß, aber bitte sehr ohne Nazis. Die müssen draußen bleiben!

Gemeinsam ging es im Anschluss zur Tent-Stage zu Siberian Meat Grinder, die vor großem Publikum ihre Songs knüppelten. Hier wurde es beim Moshen ziemlich staubig und so manch anderer hätte sich wohl eine ähnliche Maske wie Sänger Vladimir gewünscht. Eine energiegeladene Show der Russen, wie man sie nicht anders gewohnt ist. Kommen wir von einem Energiebündel zum Nächsten. H2O aus New York die inzwischen auch schon 23 Jahre auf dem Bandbuckel haben, durften es sich auf der Mainstage gemütlich machen. Ein fetter Fotograben trennte Sänger Toby Morse von seinen Fans, der mit seinen 48 Lenzen immer noch Bock auf Circle Pits hat. Und genau deswegen verbrachte er wie gewohnt den Großteil des Sets beim Publikum. Mit ganz viel Positive Mental Attitude ging es durch eine 45-minüte Show der New Yorker, bevor auch diese irgendwann enden musste.

Mit Trompete und Hammond-Orgel ausgestattet warteten schon Oxo 86 auf der Tent-Stage, die das Endless Summer Publikum zum Tanzen und Toben brachten. Dicke Staubwolken und glückliche schwitzende Gesichter dominierten das Bild vor der Bühne. Es folgten Sondaschule auf der Mainstage und direkt danach Jasta. „As long as the guitars are on, I love this f*cking shit “ stellte Hatebreed-Frontman Jamey Jasta klar und hatte unter anderem Fear Factory Gitarrist Dino Cazares und Crowbar Sänger Kirk Windstein für sein Soloprojekt im Gepäck. Jasta selbst hatte sichtlich Spaß an der Show, das Publikum auch, wenn auch etwas verhalten. Weniger schüchtern zeigte sich die Endless Summer Gemeinde beim Auftritt der Baboon Show aus Schweden. Kick Ass Punkrock nannte Sängerin Cecilia Boström das, was da auf der Bühne abging. In ihrem roten Leojumpsuit und auf verboten hohen Heels rockte sie die Show eine Stunde lang.

Von dürftig bekleideten schwedischen Frauenoberkörpern zu noch weniger bekleideten kanadischen Unterleibern der Band The Real McKenzies. Schottenrockparty mit Dudelsackklängen vom Feinsten auf der Tent-Stage um Mitternacht. Sänger Paul McKenzie und Bandkollegen ließen sich auch in diesem Jahr nicht lumpen und bewiesen eindrucksvoll, dass unterm Schottenrock tatsächlich nichts drunter ist und nahmen sich mit dem Song „F*ck the Real Mckenzies“ selbst ordentlich auf die Schippe. Danach war aber lange noch nicht Schluss. Als letzter Act des Tages stand Besuch aus Berlin von den Eastside Boys auf dem Plan. Alle Fans mobilisierten noch einmal ihre letzten Kräfte und beendeten mit den Berliner Jungs diesen Festivaltag auf dem Gelände. Während im Partyzelt DJ Ed Raider unter Anderem die Knaller der 80er auflegte, begaben wir uns in die wohl verdiente Nachtruhe.

Gestartet wurde am Samstag mit Sympathy for the devil aus Leipzig. Die Ersten haben ja immer die Aufgabe den müden Haufen wieder in Bewegung zu bringen. Dies gelang ganz gut und so konnte der Evergreen „Good night white pride“ die Lebensgeister der ersten 50 Festivalbesucher an diesem Tag zur Freude von Ex-Full Spead Ahead Sänger Stefan wecken. Auf der Tent-Stage gaben im Anschluss The Young Ones aus Holland ihr Bestes. Langsam und schleppend füllte sich das Festivalgelände an diesem Samstag. Isolated aus Quedlinburg feierten mit uns ihr 25-jähriges Bestehen und erklärten nochmal deutlich, dass dies „ein Festival sei, wo man sich bewegen sollte!“ . Anscheinend hatten die Festivalbesucher immer noch mächtig mit dem Vortag zu kämpfen, denn die Bewegung blieb zum großen Teil leider aus. Ziemlich schade wie wir finden, denn die Quedlinburger machten wirklich ordentlich Betrieb. Ähnliches Szenario erlebten wir auch danach bei Myra vor der Tent-Stage. Das Publikum gab zwar fleißig Beifall, aber wirklich bewegen wollten sich nur die Wenigsten. Vielleicht lag es daran, dass die Jungs aus Connewitz mit ihrem Metalcore bei all dem Oi!, Punk und Hardcore etwas aus der Reihe tanzten, aber sie lieferten eine kraftvolle Show, bei der Sänger Sebastian wirklich alles gab.

Eine Band, die wir im vergangenen Jahr schon erwartet hatten, die dann aber leider absagte, waren Evergreen Terrace. In diesem Jahr sollte es nun endlich klappen und die Jungs aus Florida standen am Samstagnachmittag auf der Main-Stage. Sänger Andrew versuchte ebenfalls dem Publikum etwas Elan zu entlocken. Ein lautes „Time to wake-up!“ änderte aber nur bedingt etwas an der Stimmung. Von einer ganz anderen Seite zeigten sich die Leute danach bei den Gumbles. Hier zeigten sich ganz deutlich die musikalischen Vorlieben der Festivalbesucher. Ganz und gar nicht „Zu alt zum Pogo“ und laut mitgröhlend präsentierten sich die Fans der Schweriner Oi!-Band. Die Jungs von Deez Nuts aus Australien waren vor vier Jahren das letzte Mal beim Endless Summer gewesen und hatten damals auf der Tent-Stage ordentlich abgerissen.
Die größere Mainstage stellte dieses Jahr wohl nicht die richtige Plattform für einen Abriss dar. Obwohl er sogar First Blood Sänger Carl Schwartz am Bass dabei hatte, hatte es Sänger JJ nicht leicht mit dem Publikum, als dann auch noch technische Schwierigkeiten auf der Bühne entstanden. So richtig wollte an diesem Tag der Funke auch hier nicht überspringen. Die Rykers aus Kassel hatten da im Anschluss auf der Tent-Stage mehr Glück. Sänger Dennis machte kurzen Prozess und beschloss für sich :“ Wenn ihr nicht zu mir kommt, komme ich eben zu euch!“. Wenig später entstand eine dicke Staubwolke vor der Bühne und das Publikum ließ sich ordentlich gehen.

Etwas zum Durchatmen gab es danach auf der Main-Stage von Jaya the Cat aus Boston. Entspannter Reggea-Sound zum Chillen in der Sonne schallte über das Gelände. Sänger Geoff gab zu, dass er bis kurz vorher dachte, auf einem Reggae-Festival zu spielen. Umso schöner, dass es auch für ihn eine Überraschung gab.
Entspannt bis in die letzte Faser ging es danach ans Eingemachte, denn die belgische Beatdownwalze Nasty hatte sich auf der Tent-Stage ausgebreitet. Dicke Staubwolken, lautes Bass Drum Geballer und akrobatische Stagedivingmoves dominierten die Szenerie vor und auf der Bühne.

Während wir uns eine kleine Stärkung auf dem Zeltplatz gönnten, servierten nicht nur Booze & Glory ihren Fans eine solide Show, es durfte auch wie fast jedes Jahr wieder zum freundschaftlichen Boxen im kleinen Kreis angetreten werden. Die britische Oi! Band hatte uns zuletzt schon auf dem With Full Force überzeugt und feierte auch diesmal mit ihrem Publikum eine fette Sause. Old but gold ist wohl genau die richtige Beschreibung für den Auftritt der nächsten Band auf der Tent-Stage.
Terror aus Los Angeles hatten mit Abstand das wildeste Publikum an diesem Wochenende vor sich. Ein Stagediver nach dem Anderen flog in die Menge, dazwischen auch Risk it!-Sänger Gregor. Seit nunmehr 16 Jahren ist die Hardcore-Band um Sänger Scott Vogel unterwegs und immer wieder gern gesehene Gäste beim Endless Summer Open Air Festival.

Ebenfalls ein gern gesehener Gast sind Stomper 98 aus Göttingen. Die Jungs feierten an diesem Wochenende nicht nur ihr 20- jähriges Bandjubiläum mit uns, sondern auch das 10-jährige von Bassist Lars, der sein Debut damals genau auf der gleichen Main-Stage gab. Die Fläche vor der Bühne war prall gefüllt und zahlreiche Fans feierten gemeinsam mit den Jungs ihre Party. So langsam neigte sich das Endless Summer dem Ende zu, aber wir freuten uns noch auf Comeback Kid, die mit ihrem charismatischen Sänger Andrew bereits anfingen zu spielen, als Stomper 98 noch im Gange waren. Aber auch nach Ende des Auftritts, blieb der Zulauf vor der Bühne aus, was wir so von anderen Comeback Kid Auftritten nicht kannten. Diese Enttäuschung war auch Sänger Andrew anzumerken und das nicht nur, weil ihm ein Stagediver die Schnürsenkel zerfetzt hatte. Mit dem letzten Song „Wake the dead“ verabschiedeten die Jungs sich sichtlich ernüchtert von der Bühne. Den Abschluss bzw. den Schlussstrich zog in dieser Nacht die britische Oi!-Punk Band Grade 2 bevor sich die Schleusen zum Festivalgelände für dieses Jahr für immer schlossen.

Nur das Partyzelt beschallte alle Nachteulen noch bis in die Morgenstunden und gab auch denen, die nur kurz mal zum Dixie wollten die Möglichkeit zu Hits wie „Don´t stop believin“ abzuzappeln. Damit endete auch dieses 21. Endless Summer Festival und der Acker hat nun wieder 364 Tage Zeit sich von den Strapazen zu erholen. Wir blicken auf ein sehr schönes Wochenende zurück, haben alte Freunde wiedergetroffen, tolle Bands live erlebt und den einen oder anderen Connewitzer Likör zuviel genossen. Das Endless Summer ist und bleibt aber ein harmonisches Zusammentreffen der Szenen. Liebe Endless Summer Crew, danke für euer Engagement, macht bitte weiter so und hört nicht damit auf!

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