MISSION READY 2k18 – Back to the future

News am 12. Juli 2018 von Kay

Angesichts der gerade einmal zweiten Auflage noch nie was vom MISSION READY Festival gehört? Ok, kann passieren angesichts der unzähligen Festivals in doitschen Landen.

Ein 5.000 Seelen-Festival irgendwo in Franken läuft unter deinem Radar? Geschmackssache, aber Geschenkt!

Du bist Fan der härteren Stromgitarren-Spielart á la Hardcore und PunkRock und hast trotz inflationärem Social Media-Gebrauch und Szene-Fanzine-Abo das Line-Up des Jahres übersehen? Definitiv DUMM GELAUFEN, DIGGA!

In diesem Sinne das Fazit gleich vorweg: Musikalisch war das MISSION READY der multiple Orgasmus des Jahres! Denn für jeden HC-Jünger der vielzitierten Generation Y war dieses Line-Up eine Zeitreise zu seinen musikalischen Wurzeln und den Idolen der späten 90er und frühen 2000er.

Wer trotz unstillbarem Bierkonsum und massiver Penetration durch Klara aka Klärchen (Synonym für die Sonne, Anm. d Red.) einen analytischen Blick in die Crowd warf, der konnte beruhigt aufatmen. Nein, ich allein bin nicht alt. Der Rest des Mosh-Volks ist es auch! Denn Pi mal Daumen lag das Durchschnittaslter bei über 30 Lenzen und der typische MISSION READY-Dude entsprach in etwa meinem (Phäno-)Typ. Bands wie Pennywise, Slapshot, Sick of it all und Wizo waren der Sound unserer Teenie-Jahre. Der musikalische Kompass einer Generation, die entgegen dem heutigen Hippster-Mainstream noch eine progressiv-aggressive Jugenkulturen besaß und wo es einfach dazu gehörte, mit zarten 14 Jahren bei der KiffundBier-Party am benachbarten Stausee via Dauerbeschallung den Protagonisten des New York Hardcore zu huldigen.

Lange ist´s her und klar hat man in der Zwischenzeit immer mal wieder einen Gig der alten Szenegrößen besucht – zumindest von den Kapellen, die noch immer Mucke machten und welche spätestens seit der Mitte der 2000er einsetzenden New-School-Welle irgendwie aus der Zeit gefallen schienen. Umso geiler also, wenn mehrere der good old Act´s zusammen kommen um gemeinsam die Werte der alten Schule in die neue Zeit zu schicken.

Und so passt es irgendwie auch richtig gut, dass sich die Veranstalter des MISSION READY laut eigener Aussage der Philosophie einer “Nischenalternative” verschreiben. Denn das die Nische definitiv nach einer Alternative lächzt, zeigte sich unterm Strich anhand des Besucherrekords von 6.500 Festivalbesuchern. “Das MISSION READY ist unser Baby, in das wir sehr viel Liebe, Zeit und Herzblut investieren. Wir wollen mit dem Festivalfeeling und der musikalischen Programmierung eine Alternative zu den Großfestivals anbieten“ bringt es der Veranstalter auf den Punkt. Trotz dieses kommunizierten und auch vor Ort wahrnehmbaren DIY-Charakters muss von unserer Seite konstatiert werden, dass das Frestival verdammt professionell über die Bühne ging. Dabei hatte es als Eintages-Show ein verdammt straffes Programm zu erfüllen. 15 Bands auf zwei Bühnen gaben sich buchstäblich die Klinke in die Hand. Waren gerade erst die letzten Chords auf der PunkRock-Stage verklungen, hämmerten aus den Amps der 50 m entfernten Hardcore-Stage schon die ersten Screams in die sonnengegerbte aber dennoch mosh-wütige Crowd. Die MISSION READY Running-Order hat ihren Namen definitiv alle Ehre gemacht. Wer wollte, konnte bereits am Vortag anreisen und sich im Camping Village auf dem abendlichen Sundowner-Konzert mit Singer/Songwriter Markus Rill auf die akustischen Leckerbissen des kommenden Tages seelisch und moralisch einstimmen.

Der Festivalmarathon wurde am Samstag für die bereits Angereisten mit einem “Punkrock-Frühschoppen” eröffnet, in dessen Verlauf auch die Teilnahmer der Tags zuvor stattgefundenen Pilgerwanderung vom Würzburger HBF zum Festivalgelände (18 km) geehrt wurden. Während die Sonne ihren Zenit erreichte und sich das Gelände des Flugplatzes Giebelstadt zunehmend füllte, stiegen auch schon die Würzburger Lokalmatadore AWESOME GREY auf die Bretter um den Opener zu geben und mittels ihres kompromisslosen PunkRock´s die Crowd auf das einzustimmen, was noch kommen sollte. Kommen sollte im Anschluss als erster Act auf der benachbarten HC-Stage die altbekannte niederländische HC-Combo ALL FOR NOTHING um die charismatische Frontfrau Cindy van der Heijden. Aber nix da – AFN steckte in der desolaten deutschen Verkehrsinfrastruktur fest. Wer jetzt glaubte, dass er eine halbe Stunde verschnaufen konnte um Bier und Schatten zu tanken der irrte gewaltig. Denn die Veranstalter hatten ein Ass im Ärmel und schickten die Schweinfurter HC-Truppe um HATE ME TOMORROW vertretungsweise auf die Stage. Die machten einen guten Job, was die Crowd entsprechend quittierte. Nach den harten Riffs brachten die Münsteraner Mannen um MR. IRISH BASTARD mit ihrem eingängigen Folk-Punk im Stile der Dropkick Murphys frischen Wind ins Line-Up um im Nachgang durch die ultraharten Powerchords der kanadischen HC-Veteranen GET THE SHOT abgelöst zu werden. Und so ging es zwischen melodisch-punkigen Sound und anschließenden HC-Gebrüll straight und ohne Verschnaufpause hin und her. Die Blasintrumente-Liebhaber wurden von den bajuvarischen Ska-Punks von THE PROSECUTION ordentlich eingeheizt, um wenig später auf die ebenfalls auf der PunkRock-Stage aufspielenden kalifornischen Ska-Pioniere von den MAD CADDIES losgelassen zu werden. Die Crowd hat die Shows abfeiernd quittiert und auch für die Freunde der sonst eher härteren Gangart war es immer wieder eine erfrischende Abwechsulung, nicht dauerhaft von PowerChords und kläffenden Frontfrauen(-männern) des HC-Genres akustisch verprügelt zu werden (im positiven Kontext!, Anm. d. Red.) . Dennoch: Wer die Prügel suchte, der bekam sie auch. Und das nicht zu knapp. FIRST BLOOD, seines Zeichens anteilig aus der HC-Legende Terror hervor gegangen, zeigten kein Mitleid mit der sonnengegerbten Crowd und trieben unentwegt die Moshpit an, die dankend annahm und die szenetypischen Moves an den Tag zu legte.

Nachdem die Amps auf der HC-Stage verstummten verschlug es uns in den nahe gelegen und üppig ausgestatteten Food Court zum Essen fassen und ein wenig Schatten tanken. Wie alles im Leben hatten auch diese Chill-Einlagen ihren Preis – wir konnten den Gigs der Düsseldorfer Punk-Rocker ROGERS und der später zockenden Long-Island HC-Punks STRAY FROM THE PATH nicht beiwohnen. Auszeiten sind in der großartigen, aber eben auch mega straighten Running Order des MISSION READY einfach nicht vorgesehen. “Junge, da musste Prioritäten setzen“, würde mein Vater sagen. Denn das die neu getankten Kräfte definitiv von Nöten waren, zeigte sich angesichts der turbulenten Moshpit der Boston HC-Veteranen von SLAPSHOT. Die Mannen um Sänger-Pitbull Jack “Choke” Kelly droschen auf ihre immerwährend einzigartig druckvolle Art neues Material von der just erschienenen Platte “Make America hate again” aber auch Klassiker wie “Chip on my Shoulder” in die Trommelfelle der mega gut abgehenden Crowd.

Die energiegeladenste Show des Tages legten die Ami-Punk-Combo ANTI-FLAG an den Tag. Insbesondere deren mehrstimmiger Gesang und die klar positionierten Stellungnahmen gegen Rassismus und den politischen Verwerfungen in den USA erzeugten eine starke Entschlossenheit in der Crowd, dieses musikalische Manifest durch “kollektives Abgehen” zu würdigen. Zwischen frischem Songmaterial der aktuellen Scheibe “American Fall” und älteren Klassikern fand sogar eine Ansprache des Veranstalters gegen die derzeitigen Umtriebe der CSU und der Bundesregierung in Flüchtlingsfragen thematisch passend ihren Platz.

Nun schickten sich die New Yorker Hardcore-Champs von H2O an, ihren bereits seit 1995 gelebten Straight-Edge-Lifestyle im Rahmen der PMA (positive mental attitude, Anm. d. Red.) akustisch zum besten gaben. Aber halt, da steht doch nicht Tobi Morse (Frontmann von H2O, Anm. d. Red.) hinter dem Mikro!?! Nein, wer hätte das gedacht. Offensichtlich hatten es ALL FOR NOTHING doch noch geschafft, sich aus dem eingangs erwähnten Verkehrschaos zu befreien. Definitiv ein feiner Zug von H2O, AFN die Möglichkeit einzuräumen, ein paar Songs zum besten zu geben, bevor die New Yorker wieder das Mikro übernahmen. Nach einem geilen und schnell gezockten Set altbekannter H2O-Songs wurde abschließend noch die Hymne “What happened” zum Besten gegeben. Und weil praktischerweise auch die Weggefährten von SICK OF IT ALL ins Line-Up des MISSION READY erkoren wurden, stand auch Lou Koller (Frontmann von SOIA, Anm. d. Red.) mit auf der Stage um den Refrains noch mehr Nachdruck zu verleihen. Yeahhhh – gelungener Abschluss dieses Gigs!!!

Weiter ging es mit der kalifornischen PunkRock-Ikone PENNYWISE. Seit 1988 (abgesehen von einigen Besetzungswechseln) eine beständige Szenegröße, war es für mich ein besonderes Erlebnis, den SkatePunk-Soundtrack meiner Jungend endlich mal live zu erleben. Eine ausgesprochen lobenswerte Crowd-Performance, ein geiler Sound und das Bringen alter Klassikler wie Bro Hymn machten den Gig zu einem persönlichen Highlight des MISSION READY 2k18.

Die Kräfte drohten nach diesem ereignisvollen Tag und und dem beständigen Sonnen-Punch langsam nachzulassen, doch es half nichts. Auf der HC-Stage machten sich SICK OF IT ALL bereit und es galt, nochmal alles zu geben. Zu den Bühnenqualitäten der seit 1986 wirkenden NYHC-Urgesteine um die Koller-Brüder gibt es nichts sonderlich Neues zu berichten, denn wer SOIA kennt, der weiß, dass auf deren Performance mehr als Verlass ist. Songs wie “Road less travelled” und deren Darbietung verlangen eigentlich nur ein Fazit: SOIA ist live unschlagbar – das besuchen regelmäßiger Gigs damit Pflicht!!!

Die Ehre des Festival-Abschlusses war den Sindelfinger Deutsch-Punkern von WIZO gegeben. Seit jeher eine der deutschen Szenegrößen und ebenfalls seit Mitte der 80er aktiv, war die Ressonance vor der Bühne für eine in deutscher Sprache singende Band aus einer (mittlerweile leider) musikalischen Nische mehr als respektabel. Aus aktuellem politischen Anlass wurde “Das goldene Stück Scheiße” diesmal direkt an die CSU und ihre Landes- bzw. Bundespolitik verliehen. Und wie immer gilt bei WIZO auch die Maxime der Selbstkritik. Deshalb geht das goldene Stück Scheiße immer auch an dich/uns!

 

THAT´S IT – wie eingangs erwähnt war das MISSION READY 2k18 aus musikalischer Sicht eine wahre Offenbarung. Da der Doitsche aber immer was zu meckern hat, müssen wir an dieser Stelle konstatieren, dass ein paar Dinge definitiv verbesserungswürdig sind. Bei gefühlten 40 °C auf dem Beton des Flugfeldes und ganztäger ungetrübter Dauerbestrahlung durch Sonja (Synonym für die Sonne, Anm. d Red.) hätten ein paar Sonnensegel o.ä. definitiv dazu beitragen können, dass weniger Festivalbesucher das Gelände auf der Trage der Sanitär mehr oder weniger unfreiwillig verlassen mussten. In diesem Zusammenhang ist es dann halt auch wenig dienlich, wenn die essentielle Flüssigkeitszufuhr durch Wasserpreise von 3 € (mit Ausnahme des Jack Daniel´s-Standes) unötig verteuert wird. Auch sollten Handwaschmöglichkeiten im Toilettenbereich geschaffen werden und der Sound der Hardcore-Stage ggf. das nächste mal besser abgemsicht werden.

Aber hey, das sind alles Kinderkrankheiten die einem Festival in der zweiten Auflage definitiv zustehen. Zumal, wenn die Kernkompetenz, nämlich musikalisch zu überzeugen, definitiv zur vollsten Zufriedenheit erfüllt wurde.

All in all bleibt uns zusammenfassend nur zu sagen, dass das MISSION READY aufgrund seiner straighten Genre- und Band-Auswahl und der gemütlichen und überschaubaren Atmosphäre für uns auch 2019 definitiv einen Pflichtermin darstellt.

Wie bereits vom Veranstalter angekündigt, wird das Misson Ready im kommenden Jahr am 06.07.2019 stattfinden. Ab sofort gibt es Early Bird Tickets zum Preis von 54,90 Euro zu erwerben.

Also, wer es dieses Jahr verpeilt hat, der bekommt 2019 eine neue Chance, die alte Schule und die eigenen Erinnerungen an eine tolle Zeit wieder aufleben zu lassen. HIN DA!!!

High5´s & Stagedives!

Rinjescheppert,

eure HC-Redaktion von Festivalhopper

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