“Wir sind so nett und entzückend.” – Interview mit Wanda auf dem Appletree Garden 2015

News am 11. August 2015 von Sina

Auf dem Appletree Garden 2015 haben wir Marco Michael Wanda, Frontmann der gleichnamigen Band Wanda, zum Gespräch getroffen und uns mit ihm über Männer, Frauen, Reisen und mittelalterliche Trinkspiele unterhalten.

Wir danken Wanda für das Interview und raten allen die Band mal live zu erleben! Gerade sind Wanda auf Tour, alle Termine findet ihr hier. Erste Eindrücke bekommt ihr in unserem Festivalbericht über das Appletree Garden 2015.
Enjoy!

Festivalhopper: Schön das du Zeit für uns gefunden hast, schön dass ihr hier spielt. Wo kommt ihr gerade her, wo habt ihr vorher gespielt?

Wanda: Wir waren gerade im Hotel ums Eck. Davor hatten wir ausnahmsweise mal drei Tage frei, weil wir davor einen Videodreh hatten, 24 Stunden durchpowern. Die drei Tage danach waren schon mehr frei als wir sonst momentan haben.

Festivalhopper: Wo habt ihr gedreht?
Wanda: In einem Studio in Wien, in den Guxtu-Studios. Es war ein sehr aufwendiges Video und hat sehr viel Geld gekostet. Das ist das Video für unsere neue Single “Bussi Baby” vom Album “Bussi”, dass man seit heute vorbestellen kann und im September erscheint.

Festivalhopper: Was hat es mit dem Titel “Bussi Baby” auf sich?
Wanda: “Bussi” ist ein Kultbegriff aus der Wiener Schickeria und Baby wird hier natürlich als Kosename angewandt.

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Festivalhopper: Apropos Schickeria, ihr habt euch ja nach der einzigen Wiener
Zuhälterin Wanda Kuchalek benannt, wie kam es dazu?

Wanda: Die war alles andere als Schickeria (lacht), die war eher in der Wiener Unterwelt aktiv. Ich hab mit einem Journalisten zusammengesessen, der ein Buch über sie schreiben wollte (am Ende wurde es dann eher ein Buch über seine Erfahrungen im Rotlichtmileu). Mich hat das Thema aber total angeturnt, weil die Frau so heftig war. Sie hatte eine Peitsche, war lesbisch, hat vermeintlich zwei ihrer Liebhaberinnen umgebracht, dass weiß man nicht so genau, und saß 30 Jahre im Gefängnis, weil sie einem anderen Zuhalter in den Hals gestochen hat. Sie war eine schreckliche Zuhälterin und schlimmer noch als alle Männer, sie musste sich in dieser Männerdomäne durchsetzen und das hat mich so interessiert.

Festivalhopper: Wie passt dann der Name zu euch?
Wanda: Gar nicht. Wir sind so nett und entzückend. Wir brauchten einfach einen Namen und fünf Buchstaben ist das Geheimnis: Elvis, Falco, Wanda.

Festivalhopper: Wie oft kriegt ihr Bezüge zu Falco und habt ihr schon ein Haus in der Dominikanischen Republik?
Wanda: Nein, brauch ich auch nicht. Falco Bezüge gibt es schon oft, aber nur weil den Journalisten nichts Besseres einfällt. Mir hat Falco allerdings die Stirn geküsst, als ich ein Baby war. Mein Papa hat ihn interviewt, der war auch Journalist. Hat wohl abgefärbt, denn diesem Moment verdanke ich mein ganzes Schaffen.

Festivalhopper: Seid ihr zum ersten Mal hier auf dem Appletree Garden und gefällt es euch?
Wanda: Wir sind zum ersten Mal hier und es gefällt mir gut, die Damen sind alle geschmückt und die Männer schauen alle verweichlicht, schwach und erbärmlich aus, wie so oft auf deutschen Festivals.

Festivalhopper: Hast du das Wanda_Interview2Gefühl das ist überall so?
Wanda: Ja, weil die alle diesem Elektroscheiß verfallen sind.

Festivalhopper: Und wie ist das so in Österreich?
Wanda: Da gibt es noch ganze Kerle! Die laufen mit Bierfahne, aufgebläht und rülpsend herum. Ich war aber ehrlich gesagt noch nie auf einem österreichischen Festival, also nicht als Gast. Ich war privat nur mal auf dem Aerodrom, das hat es aber auch nur einmal gegegeben. Es war nicht erfolgreich. Aber als Band waren wir letztens auf dem Feel Festival in der Nähe von Berlin und da war es echt schön.

Festivalhopper: Welche Trinkspiele kennst du?
Wanda: Ich hab das nie gemacht, aber ich kenne eins aus dem 17. Jahrhundert. Ich war letztens in einem Museum in Wien und die hatten Hirsche aus Holz mit einem mechanischen Innenleben und das konnte man aufziehen und das hat sich dann bewegt. Dort wo es stehengeblieben ist, derjenige musste trinken. Was sehr fatal war, weil der ganze Korpus mit Schnaps gefüllt war, nur den Kopf konnte man abschrauben. Das hätte ich gern gespielt. Das klingt großartig.

Festivalhopper: Und nochmal zurück zu den weichen deutschen Männern. Wie lernen sie die Frauen am Besten kennen?
Wanda: Soll ich den Deutschen empfehlen, wie sie Frauen kennenlernen sollen? Ich kann feststellen, dass sie verweichlicht sind, aber ich kann ihnen leider nicht da raus helfen. Zum Beispiel könnten sie lesen, sich ein bisschen kultivieren. Hemmingway sollen sie lesen, davon können sie zehren, da können sie lernen, wie ein Mann zu sein hat. Weil die Deutschen haben entweder diesen verweichlichten Typus oder sind Ghetto-Rapper, das ist irgendwie alles so extrem.

Festivalhopper: Wie steht ihr denn zu der neuen Generation, zum Beispiel “AnnenMayKantereit”?
Wanda: Die find ich super. Der Sänger kommt nach den Shows immer zu mir und sagt mit seiner großartigen Stimme: “Das habt ihr toll gemacht”. Ich find die wirklich fantastisch, ich glaube, das sie hoffentlich noch viel berühmter werden, als wir, weil die sind urwichtig für Deutschland. Die geben der Volksseele was zurück, irgendwas haben die, sogar politisch. Das ist so humanistische Soft-Politik. Das sind gute Typen.

Festivalhopper: Kommen wir nochmal zum Reisen. Festivalbesucher sind oft auch Backpacker – wie reist man denn als Backpacker am Besten durch Österreich?
Wanda: Ich hab nicht so viele Erfahrungen mit Backpacken, weil ich immer ohne Gepäck gereist bin. Aber ich bin immer viel getrampt. Österreich ist aber leider nicht das Idyll für Tramper, Deutschland auch nicht. Das ist besser in Polen oder so, da nimmt dich jeder mit, überhaupt in den osteuropäischen Ländern, aber auch in Griechenland und Italien. In Österreich klappt das schon auch, aber man bekommt dann eine komische Weltsicht. Wenn einen 3000 nicht mitnehmen und einer schon. Was sagt das über die 3000 aus, die fünf Sitze frei haben und trotzdem nicht anhalten?

Festivalhopper: Und was macht man, wenn man in Wien ist? Wo lernt man die guten österreichischen Männer kennen?
Wanda: Ob es die in Wien gibt weiß ich nicht. Ob es die überhaupt noch gibt, weiß ich nicht. Ich bin leider auch nicht mehr so gerne in Städten, je älter ich werde, desto weniger hab ich Lust darauf. Ich zieh aufs Land oder ins Weltall oder unter Wasser, das ist sicher auch geil. Nach Wien fährt man aber am Besten, wenn man verliebt ist, da sieht die Stadt ganz anders aus. Wien muss man passieren lassen.

Festivalhopper: Zum Abschluss noch eine Frage, womit kann man dich im Backstage glücklich machen?
Wanda: Weißwein und Ruhe.

Ein Kommentar zu ““Wir sind so nett und entzückend.” – Interview mit Wanda auf dem Appletree Garden 2015”

  1. Nummer 1: Urbanes Festival beim C/O Pop in Köln – William Fitzsimmons im Gloria Theater sagt:

    […] ca. 30.000 Leute an, die sich unter anderem das schon lange ausverkaufte Konzert von Wanda (lest auch hier unser Wanda Interview) angucken, oder sich den (ebenfalls ausverkauften) Amerikaner William […]

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