A Summer’s Tale – “Wie schmeckt Glühwein eigentlich im Sommer?”

News am 28. August 2016 von Annika

summerstale_25A Summer’s Tale – Natur, Kultur, Gaumenschmaus und vor allem top Acts. Auch wenn sich das Wetter nicht so ganz an das Thema gehalten hat, so hat der Veranstalter sich umso mehr Mühe gegeben um dem Titel gerecht zu werden.

Das „Festival für Ältere“, wie es im Volksmund genannt wird, fand nun zum zweiten Mal in der Lüneburger Heide – nur 45 Autominuten von Hamburg entfernt – in schönster Atmosphäre statt.

Mit rund 12.000 Besuchern konnte das A Summer’s Tale die Besucherzahlen zum letzten Jahr verdoppeln. Was nicht zuletzt auch an diesem vielversprechenden Line-Up lag. Sigur Ros, Thees Uhlmann, Parov Stelar, Olli Schulz & Band, Garbage, Noel Gallagher… Ihr merkt: Die Liste ist lang und bewies Starcharakter.

summerstale_11Vor allem Familien haben ihren Camping-Urlaub in die schöne Lüneburger Heide verlegt, wo ausgelassen getanzt und gefeiert werden konnte. Und auch die Kiddies hatten ihren Spaß – die nächste Generation „Festivalbesucher“ ist gesichert.

Wir haben selten so eine entspannte Veranstaltung erlebt, die eher an ein großes Dorffest (im positiven Sinne) erinnerte, als an ein Festival.

Doch dieses Festival lebt nicht nur von der Musik und den Konzerten allein. Zahlreiche Workshops wie der Käserei- und Wein-Workshop, künstlerische Aktivitäten wie Woodworking, Fingerknitting und der Fritz-Flaschenkunst-Workshop und auch sportliche Angebote von Kanufahren über Nachtwanderungen bis zu Yoga sind ein großer Teil von diesem Kurzurlaub in eine kleine entspannte Welt.

 

Von Wildschwein bis Vegansummerstale_18

Auch die Wahl der Food-Trucks lässtdas Gourmet-Herz schneller schlagen: Bio-Currywurst, Wildschweinbraten, Crêpes, Handbrot, Käsespätzle und ganz weit vorne mit dabei: Mac `n Cheese im Sandwich. Für jeden Geschmack war etwas dabei – man konnte sogar im Vorwege ein Drei-Gänge-Menü buchen. Bei welchem Festival gibt es das schon?

 

summerstale_3A Summer’s Tale ist der Inbegriff von Nachhaltigkeit: Bio-Food wohin das Auge reicht, Öko-Toiletten, Foodsharing für Festivalbesucher, die ihre mitgebrachten Lebensmittel nicht alleine aufessen konnten und stets ein kleiner Appell an die Besucher. So muss es sein: Wer mitten in der Natur, in der schönen Heide ein Festival organisiert, darf den Fußabdruck dabei nicht außer Acht lassen. Chapeau FKP Scorpio – genau richtig!

Festivalauftakt mit viel Gefühl und großen Stimmen

Mittwochabend reisten wir vor allem für den großartigen und sympathischen Michael Kiwanuka an, der vor kurzem sein neues Album „Love & Hate“ veröffentlicht hat. Unseren kurzen Plausch, was er über Festivals zu sagen hat und warum wir ihm spontan eine kleine Nachhilfeeinheit bei Instagram verpasst haben, könnt ihr in Kürze in unseren News lesen.

Später am Abend verzauberte der summerstale_michael3sympathische Londoner mit seinem Herzschmerz-Soul und seiner wahnsinnigen Stimmgewalt die Zuhörer auf der etwas kleineren Bühne im Zelt. Wir wurden gefesselt von eindringlichen Texten und dieser Ehrlichkeit, die uns entgegen sprang.

Wie erwähnt, hat Michael Kiwanuka vor kurzem sein neues Album veröffentlicht: Natürlich gab er davon seine schönsten Songs zum Besten. Allen voran der gleichnamige Song „Love & Hate“, der auch als Titelmelodie für einen Quentin Tarantino Film herhalten könnte.

Uns wurde warm um’s Herz.

Wenigstens ein Teil, der nicht gefroren hat. Ein fieses Tief hatte Deutschland in Herbststimmung versetzt. Respekt an die Camper unter uns! Nach Garbage waren wir ziemlich durchgefroren trotz eines sehr tanzbaren Konzerts. Denn Garbage hat uns nochmal zurückversetzt in die Zeit, wo ein Sommer das gehalten hat, was versprochen wurde.

summerstale_joseJosé Gonzàlez – ein Mann, eine Gitarre und eine riesige Bühne. Keine Herausforderung für ihn: Auch wenn er zunächst auf seinem Stuhl etwas verloren wirkte, so zeigte er doch schnell, warum er genau dort saß. Mit „Heartbeats“ verursachte er auch direkt selbiges. Dieses zarte Gitarrenzupfen, die weiche Stimme… Wieder einmal mehr merkt man, um ein Publikum zu verzaubern braucht es keine aufwändige Pyrotechnik und ausgefallene Kostüme. Wir wurden übrigens dank des Films „Mitty“ auf ihn aufmerksam, zu dem er die Titelmusik „Stay alive“ beisteuerte.

 

“Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung” Volksmund

summerstale_22Für den nächsten Tag waren wir besser gerüstet: Schal, Mütze und Gummistiefel die sich am Ende als sehr wertvoll herausstellten. Wir wären keine echten Festivalhopper, wenn uns Regen und Temperaturen um die 14 Grad von unserem Summer’s Tale abgehalten hätten.

Thees Uhlmann, Friska Viljor und Neil Finn bildeten die Startformation, bevor Glen Hansard, Nada Surf und Sigur Rós den Abschluss des Donnerstags bildete.

summerstale_nadasurf3Glen Hansard – bekannt aus dem Film „Once“, war gewohnt emotional und überzeugte mit seinen irisch-angehauchten Liedern. „Falling slowly“ ist dabei sein bekanntester Song, der durch Mark und Bein geht.

Nada Surf aus New York war für uns bisher unbekannt – erfrischte aber mit ihren Rock-Songs auf der Zeltbühne, bevor der Hauptact des Tages dran war.

summerstale_sigurrosAuf Sigur Rós haben wir uns besonders gefreut. Diese beeindruckenden Künstler haben ihren ganz eigenen Stil gefunden. Es hat etwas Märchenhaftes, Beruhigendes. Ihrem Song „Starálfur“ können wir stundenlang lauschen, ohne dass wir davon müde werden. Auch an diesem Abend meinte das Wetter es nicht gut mit uns. Es gab immer wieder Regenschauer und auch die herbstliche Kühle zog noch immer kalt durch die Beine.

Ein Glück, dass es Gummistiefel gibt und sich keiner der Zuschauer von den paar Tropfen abhalten ließ. Als auf einmal eine Glühwein-Duftwolke an uns vorbei zog, wussten wir auch, warum niemand das Weite gesucht hatte: Flexibel, wie man in unserem Sommer sein muss, wurde kurzfristig die Getränkeliste erweitert und köstlicher Glühwein ausgeschenkt. Wir hoffen dennoch, dass es das erste und letzte Mal war, dass wir im Sommer Glühwein trinken mussten – auch wenn dieser eine wirkliche clevere Idee war.

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Vom Sommercocktail zum Glühwein

Zusätzlich gaben die vielen Feuertonnen den Festivalisten genügend Möglichkeit um sich zwischendurch aufzuwärmen. Und gibt der Duft des Lagerfeuers nicht auch seine eigene Festivalnote hinzu?

Man muss schon sagen: summerstale_19Sommercocktails, Glühwein, große Zirkuszelte, Chillout Areas, abwechslungsreiches Programm vom Kanufahren bis zur Energy Ball Herstellung, Shoppen im Designmarkt und besondere Unterhaltung für die Kleinen. Dem Festivalbesucher blieben keine Wünsche offen. Musikalisch, kulinarisch, ästhetisch. FKP Skorpio war top organisiert, hat wirklich an Alles gedacht und das wunderschöne Artwork auf dem gesamten Gelände entführte die Gäste in eine ganz eigene kleine Märchenwelt.

summerstale_15Zwischen all diesen fantastischen Künstler hatten wir immer mal wieder Zeit um zu entspannen und zu genießen. Und natürlich auch zu shoppen: Ein kleines Zelt bat genügend Raum für Schmuck, Tattoos, Klamotten, Taschen und sogar Fahrrad-Vasen frisch aus einem 3D-Drucker.

Endlich Wochenende und es wurde wärmer… Die Mütze wurde nur noch vorsichtig auf den Kopf gezogen und die Wahl zwischen Gummistiefeln und Sneakern fiel dieses Mal schon schwerer. Wir erreichten das Festival als Shantel & der Bucovina Club Orkestar sommerliche Klänge verbreiteten. Das Wetter spielte mit und die Stimmung war schon jetzt auf einem sehr hohen Level. Diese wunderbar tanzbaren Klesma- und Balkanklänge bringen vermutlich auch den größten Tanzmuffel dazu, wenigstens den Fuß wippen zu lassen.

Der Stoff aus dem die Träume sind

Bevor Fat Freddy’s Drop die summerstale_24Konzertbühne betraten, haben wir noch kurz den Himmel gefunden:

Und damit meinen wir nicht dieses blaue Etwas, das man sieht, wenn die Wolken nicht zu sehen sind.

Nein, nein: Damit meinen wir das Mac `n Cheese Sandwich. Holy Moly! Wir träumen noch jetzt davon.

Zurück zu Fat Freddy’s Drop. Das heißeste Outfit trug wohl Hopepa – ein silberner Umhang, weiße Leggins und weiße Shorts. Kann nicht jeder tragen, aber Hoepa ganz gewiss. Ihr Sound, ein Mix aus Dub, Reggae, Soul und Jazz heitzte erneut die Festivalbesucher an. Gummistiefel tanzten zusammen mit Barfüßen, Kinder tobten ausgelassen und das „Summer’s Ale“ schmeckte hervorragend.

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Brit Pop und Rock der Extraklasse

summerstale_noel922:30 Noel Gallagher und seine High Flying Birds betraten die Bühne. Die Menge tobt. Gewohnt gekonnt gaben NGHFB ihr Songs zum Besten. Mit „The dying light“ „Lock all the doors“, „Ballad of the Mighty I“ und „In the Heat of the Moment“ wurde es tatsächlich wärmer… Aber der Höhepunkt des Acts sollte noch kommen.

Nach über 1h Stunde bekamen spätestens auch die Letzten Gänsehaut (Wenn sie diese aus verschiedenen Gründen nicht sowieso schon hatten): Wonderwall wurde angestimmt und es gab vermutlich niemanden auf diesem Planeten, der die Lyrics dazu nicht kannte. Ein riesiger Chor sang mit echter Passion diesen Klassiker von Oasis.

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Als wäre das nicht genug gewesen, packte Noel Gallagher dann noch „Don’t look back in Anger“ aus. Der Chor wurde noch lauter, alle lagen sich in den Armen, besangen sich und gaben ihre Performance zum Besten. Und wir hatten Flashbacks; von Klassenreisen, langen Abenden am Lagerfeuer mit Gitarre und an Zeiten als auf MTV noch Musikvideos liefen und wir immer mit einem Finger aufnahmebereit am Videorekorder standen.

Zurück in die Gegenwart – der Samstag wartete auf uns

Rechtzeitig zu Adam Green betraten summerstale_13wir das Gelände und lauschten ihm aus der Ferne, während wir nun noch einmal mehr die Atmosphäre des Festivals in uns aufsaugten. Die Sonne schien und wir ließen uns treiben. Wir entdeckten neue Ecken dieses Festivals, zum Beispiel die Waldbühne, wo Poetry Slammer eine Geschichte nach der nächsten raushauten. Wir setzten uns zu den Anderen, lauschten und genossen die Alliterationen und Pointen.

Während wir uns langsam zur großen Bühne begaben, schlenderten wir noch am Zelt vorbei, wo „St. Paul & The Broken Bones“ rund um Leadsänger Paul Janeway auf der Bühne stand. Eine wirklich großartige Band.

“Publikum mit Niveau” Olli aus Hamburg

Und dann war es so weit: summerstale_olli5

Olli Schulz & Band live! Olli, der Entertainer betrat die Bühne und begann seine Lebensgeschichten zu erzählen. Er stellte jedes Mitglied einzeln vor und konnte sich seine Pieken nicht verkneifen. Seine Lieder sind locker-flockig und doch auch bewegend. Seine Auftritte leben von seinem Schnack, Olli ist die Rampensau schlechthin und nimmt vermutlich selten ein Blatt vor den Mund.

summerstale_olli1„Old Dirty Man“ ein Lied über’s älterwerden kündigte er folgendermaßen an: „Ihr seid alle alt, ihr habt Kinder und bestimmt Probleme. Aber älter werden ist nicht schlimm…“

Zwischendurch ließ sich Olli noch kurz via Stagedive von der Masse zum mittleren Kontrol­­lturm tragen, während er „Holding out for a hero“ performte. Grandioser Auftritt.

Denn Olli weiß die Summer’s Taler sind anspruchsvoll: “Ihr seid das denkende Publikum: Euch muss man spielen! Auf dem Hurricane schreien die Jungen doch permanent…“

Danke, Olli!

Oh boy…

Weiter ging es mit BOY! summerstale_BOYWas für ein Samstag: Ein Top-Act jagt den nächsten. Zwei wunderschöne und sympathische Mädels in der ersten Reihe und eine starke Band im Hintergrund. Energiegeladen und gut gelaunt wurde auch diese Performance zu einem Kracher. Vor allem für „Little numbers“ und „Wish you were here“ ist das Frauenduo bekannt und wurde natürlich auch auf dem A Summer’s Tale gefeiert.

Die letzten zwei Künstler standen an: Amy MacDonald, die Olli sympathischerweise als Andy MacDowell angekündigte.

summerstale_amy4Wir müssen sagen: schon lange haben wir nichts von ihr mitbekommen und waren gespannt, sie nun live auf der Bühne zu sehen. Zu Beginn wirkte sie ein wenig eingeschüchtert. Diese zarte Frau mit ihrer Gitarre. Aber sobald sie singt fällt alles von ihr ab, sie greift kräftig in die Seiten und vor allem die Älteren unter uns freuten sich natürlich auf die Klassiker von ihr. Und an ein Murmeltier hat niemand mehr gedacht.

 

Tanzveranstaltung statt Konzert

summerstale_parvostelar4Im Finale standen Parov Stelar und seine Band auf der Bühne. Wir freuten uns schon seit Wochen auf wildes Durchdrehen zu erstklassigen Electroswing Beats. Wir wundern uns nicht, dass <strong>Parov Stelar</strong> vor einigen Jahren eine Strafe zahlen musste, weil sein Konzert als Tanzveranstaltung deklariert wurde. Konzert kann man diesen Auftritt nicht mehr nennen: Eine einzige Party entbrannte und das Publikum war nicht mehr zu bremsen.

Ein paar Stunden zuvor, hielten wir kurz im Backstagebereich um Parov Stelar aka Marcus Füreder zu interviewen. Wie er damit umgeht als Pionier des Elektroswings zu gelten und was der Österreicher sonst so treibt, könnt ihr auch demnächst hier lesen.

summerstale_parovstelar5Was für ein Abschluss: Glücklich, zufrieden und auch ein bisschen müde verabschiedeten wir uns vom A Summer’s Tale und sind schon jetzt gespannt wie ein Flitzebogen, was uns das Line-Up 2017 bieten wird.

Wir sehen uns sicher wieder, denn:

Wenn dich schon die Parkwächter anstrahlen und mit einem flotten Spruch begrüßen weißt du, dieses Festival kann nur gut werden. Alle hatten gute Laune, alle hatten furchtbar Bock auf dieses Festival und genau das spürt man. Und eben das macht das Festival am Ende besonders. Danke für die großartige Organisation. See you next year – hoffentlich mit Bikini statt Gummistiefeln und Cocktails statt Glühwein.

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Fazit nach 4 Tagen “A Summers Tale”

Wer ein entspanntes “Dauerkonzert” mit top Lineup und viel Nebenprogramm in einer malerischen Umgebung sucht ist hier genau richtig. Festivalhopper, die den Hippie in sich befreien und ein Wochenende a la Woodstock erleben möchten sind auf weniger kommerziellen Veranstaltungen vielleicht besser aufgehoben.

Fotos & Text: Annika Brandt & Cynthia Suparman

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Ein Kommentar zu “A Summer’s Tale – “Wie schmeckt Glühwein eigentlich im Sommer?””

  1. Nummer 1: Grünes Festival – Mit Foodsharing auf dem Hurricane sagt:

    […] Lebensmittel nicht die Mägen der Verbraucher*innen” erklärt mir Flo, der dieses Jahr beim Summer’s Tale einen Vortrag für foodsharing hielt. Während einige unförmige Kartoffeln bereits auf dem Feld […]

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