Ein Wochenende am See – sonniges Summerjam 2018

News am 11. Juli 2018 von awi

Anders als vielleicht bei Rock- und Metal Festivals, ist es beim Reggae-Festival Summerjam einfach ein Unterschied, ob die Sonne scheint oder ob es regnet – Die Atmosphäre braucht Sonne. Nach dem brüllend heißen Summerjam 2015 war es das vergangene Wochenende am Fühlinger See in Köln auch wieder bestes Wetter.

Summerjam ist immer wieder ein Gesamteindruck. Guter Reggae, meist auf der Red Stage, wabert übers Festivalgelände, die Künstler*innenauswahl ist beides: Sehr konservativ, seit Jahren etablierte Acts in der Reggae-Szene wie z.B. Inner Circle, Chronixx oder der obligatorische Marley-Sprössling (dies mal Ziggy Marley), auf der anderen Seite bringt das Summerjam Booking Team (oft zum Missfallen der Roots-Reggae Heads des Festivals) Innovationen und Acts, die das Festival von anderen Festivals in Deutschland unterscheiden. Ty Dolla $igng kam extra für das Festival aus den USA geflogen und betonte mehrmals, dass er dank seines Jetlags gerade erst aufgestanden sei. Memoria wurde als Hoffnungsträger-Newcomber für den deutschen Reggae präsentiert, RIN repräsentiert die neuste Generation Hip-Hop, ebenso wie MHD, die ein ganzes Subgenre, den Afro-Trap entscheidend prägten.

Auch, wenn sich der Autor dieses Textes mehrmals für Hip-Hop auf Mainstream Festivals wie dem Summerjam oder dem Hurricane ausgesprochen hat und immer für Innovationen ist: Während MHD begeistern konnte, zeigten die Auftritt von Bausa und RIN, was Chefket meint, wenn er davon rappt, dass er keinen Respekt für Playback-Rapper hat: Die wandelnde Supreme-Werbe-Litfasssäule RIN zeigte, dass die tatsächlich beeindruckende Lichtshow sein spärlich ausgefallenes Talent kompensieren musste; Bausa sollte mal seinen nervigen DJ wechseln, der mit penetranten Soundeffekt Gewittern eher anstrengte als Stimmung zu machen. Warum Bausa außerdem wie bei einer Mini-Playback Show zu Justin Timberlake, Kanye West und Major Lazer eher schlecht als recht sang, bleibt wohl auch ein Geheimnis.

Wie es anders geht, zeigte erneut Marteria, der im Showfinale mal wieder einen Overkill an Effekten produzierte, von Konfetti-Kanonen über psychedelisch-grinsenden On-Screen Alpakas bis hin zu klassischen Flammenstößen – und beim Summerjam konnte Marsimoto dann auch wortwörtlich Ganjaman ins Bett bringen. Auch Chefket stellte, wie schon beim Hurricane, seine neuen Songs vor, inklusive dem brillianten “Alles klar“.

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Besonders hervorzuheben sind außerdem die Kölner*innen von Memoria, die mit dem Moderator der Red Stage und Summerjam-Veteran, Andrew Murphy, ihren prominentesten Fan hatten und auf einem der undankbarsten Slots des Festivals, Sonntags um 13:15, die Frühaufsteher begeistern konnten – ebenso wie Andrew und Ganjaman, die am Rande der Bühne feierten. Wie Andrew sagte: Memoria haben einen erfolgreichen Weg vor sich. In der Reggae-Szene sollte man die Kölner Band auf jeden Fall im Auge behalten!

Neben den vielen Bands, die gewohnt guten Reggae & Ska nach Köln brachten, von SOJA über Richie Stephens bis hin zu Naâman, konnte insbesondere das Supergroup Projekt “Klub Kartell” mit Frank Dellé, Jahcoustix, Sebastian Sturm und dem Moderator der Green Stage, Ganjaman, begeistern: Beim ersten Auftritt von Dellé nach dem Tod seines SEEED Weggefährten Demba Nabé richtete er einige Worte an seinen verstorbenen Kollegen und erklärte, dass die beiden am Anfang insbesondere Bob Marley verbunden habe. Nach einem “Redemption Song” Cover spielte Klub Kartell außerdem mit “Papa Noah” ein Seeed Cover. Insgesamt ein großartiger Auftritt von den vier Künstlern, die sehr gut zusammen harmoniert haben. Mit dabei: Bei einem Song kam der Memoria Sänger Chaski für den Kollaborationsprojekt-Song “Nah Sell My Soul”, den er mit Dellé aufgenommen hat, auf die Bühne.

Dieses Jahr bot das Summerjam Festival das erste mal seit Jahren Tagestickets an, etwas, was immer wieder nachgefragt wurde und dieses Jahr eingeführt wurde; Viele Kommentator*innen auf Facebook unterstellten dem Festival, das aufgrund ausbleibender regulären Ticket-Verkäufe einzuführen. So oder so, wurde erfreulicherweise auch das Shuttle-Bus System etwas verstärkt, das die bisherigen Jahre immer nahe an katastrophaler Unregelmäßgikeit lag – die Tagesgäste müssen eben auch irgendwie wieder zurück in die Stadt.

Nächstes Jahr bei gleichem Wetter gerne auf ein neues, liebes Summerjam! Auch, wenn bei kaum einem Festival so viel Hass auf Acts abgegeben wird, die nicht in das Roots-Reggae-Bild passen: Traut euch weiter was, liebes Booking-Team. Neben der extravaganten Reggae-Selektion im Line-Up auch gerne weiterhin Hip-Hop – aber lasst doch bitte so whacke Rapper wie RIN zuhause. Save the date: Das Summerjam Festival 2019 findet vom 5. bis 7. Juli statt!

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