So läuft Wacken 2017 – Metal, Matsch und Yoga

News am 4. August 2017 von Maddin

Die Metalfans reisen zum Wacken Open Air an. Wacken 02.08.2017

Das Wacken Open Air geht in die 28. Runde. Offiziell beginnt das riesen Metalfestival am Donnerstag, doch schon am Montag beziehen rund 10.000 Fans den Holy Ground in Schleswig-Holstein. Obwohl das Infield, sowie die großen Bühnen bis zum Donnerstag leer bleiben, bieten sich für den feierwütigen Fan genügend Möglichkeiten schon vor offiziellem Beginn seine Partylaune zu befriedigen. Denn ab Mittwoch ist sowohl das Wackinger Village als auch der Bullhead City Circus geöffnet. Entertainment auf vier Bühnen plus kleinere Attraktionen wie der Umzug der Lager im Wackinger Village oder Wrestling im Zelt neben dem Bullhead City Circus.

Waldkauz im Wackinger Village beim Wacken Open Air 2017

Am Mittwochabend finden sich zahlreiche Fans im Wackinger Village ein, um der Folk-Band Versengold einen gebührenden Festivalstart zu bescheren. Sie spielen von Mittwoch bis Freitag jeden Abend auf der Wackinger Stage. Auf der gegenüberliegenden Wasteland Stage kann man Lady Kitty’s Hell’s Belles bewundern. Die fünf Pole-Tänzerinnen bewegen sich anrüchig zu den Takten von unter anderem Rammstein und zeigen an der Stange wie gelenkig sie sind. Sie findet man von Mittwoch bis Samstag auf besagter Bühne. Wer aber auf das Wackinger Village keine Lust hat, kann im Biergarten den Film „Wacken – Der Film“ gucken, oder ab halb 2 nachts in den Bullhead City Circus wandern zur Metal Disco, schon mal einstimmen auf die kommenden drei Tage voller Metal, Bier und guter Laune.

Metal Yoga beim W:O:A 2017

Donnerstagmorgen grüßt das typische Wacken-Wetter. Der Regen prasselt aufs Zelt und lässt den Metalhead wissen, dass er sich auf Matsch auf dem Festivalgelände einstellen kann. Was wäre Wacken denn auch ohne Matsch? Entweder dreht man sich nochmal um, oder trotzt dem Regen und macht sich auf in Richtung Festivalgelände, denn um 11 Uhr steht, zum ersten Mal in der Geschichte von Wacken, Metal Yoga auf dem Programm. Saskia Thode von Metal Yoga Bones lädt dieses Jahr jeden Morgen zum gemeinsamen inneren Frieden finden ein. Doch wer mit ruhigem Meditieren und entspannenden Posen gerechnet hat, liegt falsch. Metal Yoga gleicht mehr Aerobic mit Yoga-Zügen. Erstaunlich viele Metalheads finden den Weg zur Welcome to the Jungle Stage. Ob mit oder ohne Matte, barfuß oder nicht ist egal. Jeder kann mitmachen und mitschwitzen. Nach dem Aufwärmen fangen die ersten Stirnen an zu glänzen und die ersten T-Shirts finden ihren Weg vom Körper auf den Boden. Zu bekannten Metalhymnen wird geheadbangt, Luftgitarre gespielt und das alles in bekannte Yogaposen wie den Krieger integriert.

 

Schlammsclacht im Wacken Matsch

Während im Welcome to The Jungle Zelt Yoga gemacht wird, ist das Wacken Metal Battle nebenan im Bullhead City Circus im vollen Gange. Über 30 Bands aus 30 Ländern treten am Mittwoch und Donnerstag gegeneinander an. Unter anderem Eternal Struggle aus Israel und Verge of Umbra aus Zentralamerika sind dieses Jahr dabei. Verge of Umbra überzeugen das Publikum mit einer Mischung aus HipHop, Reggea, Rock und Heavy Metal. Jede Band hat 20 Minuten Zeit das Publikum von sich zu begeistern und die Teilnehmer des Metal Battles verstehen es dem Publikum ordentlich einzuheizen. Das Zelt bebt und die Fans, die zu so früher Stunde schon vor den Bühnen stehen, bringen die Bodenplatten zum Beben. Als die Niederländer von Inferum auf der Bühne stehen und ordentlichen Mechanical Death Metal auf die Ohren geben, bekommt man den Eindruck auch draußen, vorm Zelt, geht die Welt unter. Der Himmel über dem Holy Wacken Land färbt sich schwarz, der Wind wird immer stärker und die Wolken öffnen sich. Sie bescheren dem Festival 15 Liter Regen pro Quadratmeter und Windgeschwindigkeiten bis zu 80 km/h. Das kurze aber heftige Gewitter zieht mit vereinzelten Schauern über das Gelände und hinterlässt den gewohnten, und jetzt noch tieferen, Matsch. Pfützen, die so tief sind, dass man bis zum Knie drin steckt und langgezogene matschige Schuhabdrücke gehören nun zum Gesamtbild des Geländes.

Besucher nach einem Schlammbad

Watend und schlitternd bahnen sich die ersten Metalheads ihren Weg zum Infield. Pünktlich um 15 Uhr stehen Skyline auf der Faster Stage (früher Black Stage). Traditionsgemäß eröffnet Thomas Jensen mit seiner Band die Hauptbühnen. Natürlich ist in diesem Jahr auch Doro wieder dabei und gibt ihre Songs „All we are“ und „We are the metalheads“ zum Besten.

 

 

Ross The Boss

Wer jedoch nicht im Infield stehen möchte – aus Angst vor dem Regen – kann sich im Bullhead City Circus Dawn of Disease geben. Die deutschen Melodic Death Metaller geben während ihres 45-minütigen Gigs alles und spielen sowohl Songs von ihrem ersten Album als auch von ihrem neuen, welches letzte Woche erschienen ist. Freunde der schnellen Blast Beats kommen hier voll auf ihre Kosten – schnell, brutal, aggressiv – Dawn of Disease.

Blast Beats im Zelt und klassischer Heavy Metal auf der Harder Stage. Das Infield füllt sich langsam aber stegtig als Ross the Boss die Büne betritt. Mit im Gepäck hat er die alten Manowar Klassiker und beweist eindrucksvoll warum diese Band mal eine der Größten im Metalzirkus war. Obwohl viele der Songs schon über dreißig Jahre alt sind, haben sie nichts von ihrer Power verloren. Das Publikum, das zum großen Teil wesentlich jünger als die gespielten Lieder ist, erweist sich als überraschend textsicher bei Hits wie „Blood of my Enemies“, „Kill with Power“ oder „Fighting the World“. Sänger Marc Lopes von Let us pray macht dabei einen erstklassigen Job und kann stimmlich in jeder Hinsicht mit Eric Adams mithalten. Am Ende gipfelt alles im unausweichlichen Hail & Kill. Das ist nichts für Whimps and Posers.

Europe

Status Quo

Als Europe die Bühne betreten, ist das Infield bereits prall gefüllt. Allerdings ist das Publikum fast über den ganzen Verlauf der Show sehr verhalten doch spätestens bei ihrem Kracher „The Final Countdown“ gröhlen alle sich in Hörweite befindenden Fans lauthals mit.

Wer danach noch nicht genug Hardrock auf die Ohren bekommen hat, bleibt zu Status Quo. Diese rocken die Bühne wie in ihren besten Zeiten. Leider ohne ihren Gitarristen „Rich Parfitt“ der im Dezember letzten Jahres, viel zu früh, von uns ging. Dennoch überzeugt die Band sowohl mit neueren Songs als auch mit Klassikern wie „Just supposin“ und „In the army now“. Bei „What ever you want“ beginnt die Menge zu tanzen und sogar der härtestes Metalhead wird mitgerissen. Bei „Rockin all over the World“ reißt ein Besucher sogar seine Gehkrücken in die Luft und lässt sie anschließend einfach fallen. Wunder geschehen immer wieder.

 

 

So mancher wundert sich auch über das, was Accept im Anschluss bieten. In den letzten Jahren waren schon so einige Metal/Klassik Crossover Varianten zu sehen, dieses Jahr zeigen Accept, wie sich ihre Songs im Klassischen Gewand präsentieren. Für die Oldschool Hardrocker, die mit solchen Experimenten nichts anfangen können, beginnen sie zunächst mit einem traditionellen Accept Set.

Accept

Erst zur Mitte der Show steigt das Orchester ein und unterstützt Gitarrist Wolf Hoffman bei einem Solo aus verschiedenen Klassischen Stücken, wie „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart. Danach gibt es Kracher wie „Princess of the dawn“, „Metal Heart“ und „Balls to the Wall“ mit orchestraler Begleitung. Bestimmt ist das nicht jedermanns Geschmack, dennoch ist es vor der Bühne mittlerweile brechend voll geworden. Und auch nach Ende der Show wird es auf dem Gelände nicht leerer. Denn nun laden Volbeat zu einem Ausflug in die 50er Jahre ein.

Bevor sie die Bühne betreten wird so mancher Headbanger noch einmal etwas wehleidig, denn Lemmy Kilmisters Stimme dröhnt noch einmal über den Heiligen Wacken Acker. Mit „Born to Raise Hell“ heizen Volbeat ihrem Publikum ein.Und entern anschließend die Bühne, um mit „The Devil’s bleeding Crown“ und „Wild Rover from Hell“ richtig los zu legen. Spätestens beim Johnny Cash Cover von „Ring of Fire“, welches zum Intro für „Sad Man’s tongue“ genutzt wird, tanzt und singt das komplette Infield mit.

Volbeat

Fans, die entweder nicht mehr ins Infield gepasst haben, oder einfach Volbeat nicht mögen finden ihren Weg zum Bullhead City Circus. Zuerst laden die Black Metaller von Batushka zu ihrer schwarzen Messe und performen traditionsgemäß in schwarzen Gewändern, mit Kerzenständern auf der Bühne und einem gerahmten Bild der heiligen Mutter Maria. Leider spielen sie länger als ihr Zeitfenster erlaubt, weswegen sie sich von ihren Fans nicht gebürtig verabschieden können. Der Vorhang schließt kommentarlos und die Gitarrenklänge verstummen hinter dem Stoffungetüm.

Accept Live beim Wacken Open Air 2017.

Der unsaubere Abgang von Batushka ist aber gar nicht so schlimm, denn nebenan auf der Bühne stehen direkt ohne Verschnaufpause Napalm Death. Die Thrash Metaller bespielen das aus allen Nähten platzende Zelt und geben einen Mix quer durch ihre Albumgeschichte zum Besten. Nach ihrem Auftritt wird die Menge unruhig. Die Luft ist stickig, viele bekommen kaum noch Luft und drängen nach draußen, um einmal durchzuatmen bevor Mayhem kommen. Doch die Umbaupause von nur knappen 10 Minuten reicht bei Weitem nicht aus dem Zelt raus und wieder rein zu kommen. So stehen zahlreiche Fans vor dem Bullhead City Circus und verfolgen das Geschehen auf der Bühne auf dem großen Bildschirm zwischen den beiden Bühnen.

Volbeat Live beim Wacken Open 2017.

Mayhem machen ihrer Geschichte alle Ehre. Sie spielen in schwarzen Gewändern und auf einer sehr schlecht ausgeleuchtet Bühne. Man kann lediglich ihre Silhouetten erahnen, nie treffen die Scheinwerfer auf die Band – schlechte Bedingungen für alle, die ein Foto erhaschen wollten – auch Fotos mit Blitz sind untersagt. Diese düsteren Umstände scheinen die Fans allerdings weniger zu stören, denn das Zelt quillt über.

Nach Mayhem sind nur noch Nile im Bullhead City Circus an der Reihe, bevor auch am ersten offiziellen Festivaltag die Metal Disco beginnt und somit das Ende des Tages einläutet.

So endet der erste Tag. Schlammig aber Glücklich wandern die Fans zurück zu ihren Zeltlagern, um dort noch ein paar Stunden weiterzufeiern, bevor es am nächsten Tag weitergeht.

Text: Frauke Papencort, Martin Pöpel, Melanie Nommensen

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