Das neue Hohenfelden – ein persönliches Fazit zum Highfield 2011

News am 25. August 2011 von Andrea

Nach den täglichen Berichten soll hier mit ein wenige Abstand noch ein persönliches Fazit folgen. Das Highfield Festival ist eins der Festivals, die ich bisher am meisten besucht habe, teils wegen dem grandiosen Line-Up jedes Jahr, teils weil es ursprünglich sehr nah an meiner Heimat gelegen war. Nun ist das Highfield im letzten Jahr von Thüringen nach Sachsen an den Störmthaler See umgezogen.

In diesem Jahr war ich zum ersten Mal an der neuen Location und bin geteilter Meinung zum “neuen” Highfield.

Einerseits ist die Lage auf einer Landzunge am Störmthaler See sehr schön. Man kann hier sogar baden, was es in Hohenfelden glaube ich nie gab. Andererseits ist das Festivalgelände noch sehr ausbaufähig. Verwöhnt von den ebenen Wegen am Stausee Hohenfelden, mußte ich in diesem Jahr auf jeden Schritt achten. Teilweise gibt es eine ordentliche Berg- und Talfahrt, gespickt mit einigen Stolperfallen, die einem das schnelle Vorwärtskommen auf dem Gelände erschwert. Ich mußte auch einen Rollstuhlfahrer beobachten, der arg zu kämpfen hatte, um überhaupt vorwärts zu kommen.

Die Wege auf dem Festival sind nach wie vor kurz. Man kommt schnell von A nach B, was allerdings auch zur Folge hat, dass man auf der Blue Stage auch die Musik von der Green Stage hört. Bei gleichzeitigen Auftritten kann das schonmal sehr störend sein.

Ein essentieller Punkt der direkt auf dem Gelände fehlt, sind feste Toiletten bzw. Toiletten-Container. Es gibt zwar insgesamt rund 50 Dixie-Klos, die jeweils neben den Bühnen angeordnet sind. Doch anscheinend sind die nicht so beliebt, denn die Jungs stellen sich oft nur 5 Meter daneben und pinkeln an den Zaun. Auch die Geruchsbildung an einem warmen Sommertag ist bei Dixies eher unvorteilhaft und so würden sich hier in Zukunft feste Toiletten-Container besser eignen, die im hinteren Geländeteil platziert werden könnten. Dort gibt es nämlich gar keine sanitären Anlagen.

Das Campen rings um das Festivalgelände ist perfekt für alle, die kurze Wege mögen. Wer allerdings “weiter weg” gezeltet hat, musste bis zum Eingang immer erstmal “eine ganze Runde” um das Gelände drumrum gehen. Vermutlich ist das mit der Aufstellung der Bühnen schwerlich anders machbar aber ideal ist es auch nicht.

Zum kulinarischen Angebot: Ich hab das Gefühl, dass die Preise jedes Jahr in die Höhe getrieben werden. Dachte ich im letzten Jahr noch, dass 4 Euro für einen Crêpe mit Käse-Schinken-Füllung teuer sind, so kostet er dieses Jahr ganze 5 Euro. Inzwischen glaube ich, dass ein Großteil des Erlöses vom Gastronomie-Angebot in die Taschen der Veranstalter / Budenbesitzer fließt – sind die Standmieten wirklich so hoch? Wie sonst läßt sich erklären, dass dem Festivalbesucher so das Geld aus der Tasche gezogen wird?

Und die Qualität der Speisen – nunja… Das Hühnchen in der China-Nudelbox war so hart und zäh, dass man es am liebsten aussortiert hätte. Die Crêpe sind wie jedes Jahr lecker, da kann man ja auch nicht viel falsch machen :). Die Pizza von Mario war eigentlich ganz lecker, auch wenn der Rand ohne Belag irgendwie komisch geschmeckt hat. Das Dresdner Handbrot war das kulinarische Highlight dieses Festivals – leckerer Teig gefüllt mit Käse und Champignons bzw. Schinken und einem Klecks Schmand – einfach nur köstlich. Bratwurst und Döner haben wir gar nicht erst probiert, das bekommen wir in Berlin ja so ziemlich an jeder Ecke.

Das Publikum beim Highfield Festival am Störmthaler See ist irgendwie anders… von einigen Festivalbesuchern wurde schon am Freitag bei Skindred kritisert, das keine richtigen Circlepits zustande kamen. Auch bei manch anderen Bands kam nur gebremste Stimmung auf obwohl die Musik mehr hergegeben hätte. Von der Zurückhaltung war dann aber zumindest am späteren Abend nur noch wenig zu spüren und innerhalb des gut gefüllten Wellenbrechers ging es bei den Bosstones, boysetsfire, Rise Against und auch den Foo Fighters ordentlich ab. Kein Grund zur Kritik bot die Soundanlage, die bei beiden Bühnen eigentlich immer sehr solide eingestellt war. Tonqualität und Stimmung im Zelt der WhiteStage können wir nicht beurteilen, weil es uns dort nie hingezogen hat. Klar gehört es zum Konzept vieler FKP Scorpio Festivals aber könnte man für das Geld stattdessen nicht einfach noch 2 Videowände an der Blue Stage installieren? ;-)

Der modische Trend ging in diesem Jahr, abgesehen von den üblichen Verkleidungen (die sich aber z.B. im Vergleich zum Hurricane Festival noch in Grenzen hielten), hin zu Kniestrümpfen, die man in vielen Formen und Farben an so einigen Waden der Festivalbesucher betrachten konnte. Dank des klasse Wetters konnte man ansonsten viel Haut und so manchen heftigen Sonnenbrand begutachten.

Die Organisation hat für uns im Ganzen tiptop funktioniert. Von den häufig bemängelten Koordinations- / Informationsproblemen beim Anreisen und Parken am Donnerstag wurden wir bei unserer Anreise Freitag Mittag zum Glück verschont. Die Security auf dem Gelände und im Bühnengraben war konzentriert,  dabei eigentlich immer sehr freundlich und konnte trotzdem im richtigen Moment zupacken.

Alles in allem war das Highfield Festival 2011 ein gelungener Abschluß für meinen Festivalsommer, auch wenn es an so einigen Ecken noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Wir sind gespannt, wie die Veranstalter das Highfield Festival 2012 gestalten werden. Infos dazu gab es schon mal auf der Pressekonferenz zu hören – hier die wichtigsten Fakten:

  • Highfield 2011 mit 25.000 Besucher – in Zukunft Potential für 35-40.000 Besucher
  • ca. 2500 GreenCamper, rund 3000 Reisende per Bahn – Shuttle direkt vom HBF Leipzig
  • Pläne und Fördergelder für weiteren Ausbau des Geländes / der Halbinsel sind schon da. Wasser + Trinkwasserleitungen, zusätzlicher Strand (Wasser steigt noch 1,5Meter), kleiner “Yachthafen” und Ferienanlage sind auch in Planung
  • Aufbau und Ablauf des Festivals diesmal problemlos, extra Sicherheitschecks nach dem Unglück beim Pukkelpop Festival am Donnerstag direkt vor dem Highfield Festival
  • Es wurde für 2011 relativ viel Geld ins Programm gesteckt und die Veranstalter hatten sich noch etwas mehr Besucher erhofft, sind aber trotzdem zufrieden. Das soll auch ein Zeichen für die langfristige Zukunft der Location sein.
  • Auf die ersten Namen Namen für das Lineup 2012 müssen wir noch etwas warten.
  • DRK: sehr entspanntes Festival und “fast” drogenfreies Festival

Hier könnt ihr noch einmal die einzelnen Berichte zum Highfield Festival Tag 1, Tag 2 und Tag 3 lesen und in der Galerie nochmal die Bilder vom Freitag, Samstag und Sonntag betrachten.

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