Bericht vom Blackfield Festival Gelsenkirchen 2011

News am 4. Juli 2011 von Cutter

Nach diversen grippalen Infekten, spannenden Meetings und Dienstfahrten hat nun mit dem Blackfield Festival 2011 auch für uns endlich die Festivalsaison 2011 begonnen. Praktischerweise liegt die Blackfield-Location ruhrgebietsmittig, so dass wir weder von Essen, noch von Dortmund aus nicht weit zu fahren hatten, uns um keine Übernachtungsmöglichkeit im idyllischen Gelsenkirchen kümmern mussten, sondern ziemlich pünktlich zu den letzten, aber netten Klängen der ersten Band des Tages – Burn – vor Ort auftauchten.

Obwohl elektrolastig angelegt, präsentierte sich das Line-Up abwechslungsreich, organisatorisch wirkte die Veranstaltung ausgereift (so konnte die krankheitsbedingt ausgefallene Band Rotersand kurzfristig durch Assemblage 23 ersetzt werden), die Security hinterließ einen guten Eindruck und das Blackfield zeichnete sich erfreulicherweise immer noch durch seinen angenehm familiären Rahmen aus, woran natürlich auch das Publikum einen großen Anteil hatte. Großer Pluspunkt des Festivals: Das szenetypische Schaulaufen fiel aus und wurde durch Gemütlichkeit ersetzt. In dem in einem Landschaftspark schön gelegenen Amphitheater hatte das Publikum fast vom gesamten Theatergelände aus eine sehr gute Sicht auf die Bühne – egal ob sitzend oder stehend, ganz wie es einem gefiel.

Der übliche Festivalmarkt bot – trotz seiner Übersichtlichkeit aufgrund des begrenzten Platzes – in diesem Jahr von Schmuck über Kleidung (mit am zweiten Tag netten Rabatten) bis hin zu medialen und kulinarischen Genüssen ein interessantes Angebot. Die Getränke- und Essenspreise lagen im oberen Festivaldurchschnitt (0,4l Bier/Cola/Wasser bei 3,50€), dafür stand es jedem frei, sich Essen und 1l Getränk selbst mitzubringen. An den sanitären Anlagen gab es in diesem Jahr nichts zu bemängeln.

Combichrist

Die Akustik im Amphitheater war prinzipiell zwar als sehr angenehm zu bewerten, die Basstöne wirkten allerdings präsenter, je höher man sich aufhielt und wurden am ersten Tag nach Meinung einiger Gäste zu laut gefahren. Technisch schien an diesen zwei Tagen sowieso der Wurm drin zu gewesen zu sein; fiel das ständige Boxenbrummen noch wenigen Leuten auf, war die Enttäuschung am Sonntag doch groß, als Combichrist aufgrund massiver technischer Probleme nach kurzer Zeit ihren Gig abbrachen. Sehr schade, da das explosive Auftreten der Band und deren erste Songs ein Highlight versprachen!

Am Samstag hatte Petrus kein Einsehen, und es regnete fast ununterbrochen. Viele Gäste waren nach einiger Zeit ausgekühlt und flüchteten in wärmere Gefilde oder sie behalfen sich mit ansehnlichen Plastiküberwürfen und ähnlichen Accessoires. Was allerdings am ersten Tag zuwenig war, das war am zweiten Tag zuviel des Guten; die Sonne schien am Sonntag Nachmittag sehr kräftig und die Temperaturen stiegen bis auf 27°C, was diejenigen, welche sich vorsichtshalber in die Mode des Vortages geworfen hatten, ordentlich ins Schwitzen brachte. Die ersten Sonnenbrände wurden verzeichnet, und von Anti-Regenutensilien wurde auf Fächer und Sonnenschirme gewechselt.

Aber trotz mancher Widrigkeiten, den üblichen Schlangen vor WC und Autogrammstand sowie dem Verständnisproblem, dass eine mitgebrachte Plastikflasche nun mal kein Tetrapak ist… das diesjährige Blackfield stellte für viele Gäste wie auch für uns eine Steigerung dar und wir drücken die Daumen, dass uns diese Tendenz noch einige Jahre begleiten wird!

Und da waren ja noch die Acts…

24.06.2011 (Preparty, Matrix/BO)
Die Preparty, welche dieses Jahr am Freitag vorher im Bochumer Club Matrix stattfand, war für die zeltenden Gäste am besten mit dem Auto zu erreichen, was eine gewisse Nüchternheit voraussetzte und daher vielleicht dazu führte, dass man keinen allzu großen Publikums-Unterschied zu sonstigen EOD-Abenden verspürte. Nichtsdestotrotz stellte sie einen gelungenen Auftakt dar.

25.06.2011 – der Samstag beim Blackfield 2011
Nach den ersten Bands des Tages, Burn und Autodafeh, erklomm Solar Fake die Bühne und neben dem insgesamt noch verhalten erscheinenden Publikum stellte auch Sven Friedrich fest, dass das Wetter miserabel war und versprach keine weiteren Kommentare zu diesem Thema zu machen. War auch gut so, denn ansonsten wäre weniger Zeit für einige nette neue Songs gewesen, welche Solar Fake routiniert vorstellten und damit erstaunlich viele Gäste nach vorne zogen. Sven Friedrich… everbody’s darling. ;o)

Es folgte Absolute Body Control und die Stimmung drohte abzuflachen. Die dargebrachten Stücke boten wenig Abwechslung und die äußerst kurze Verabschiedung gegen Konzertende ließ den einen oder anderen ziemlich irritiert zurück. Immerhin… der Regen ließ nach und sich bis zum darauffolgenden Pausenende Zeit, uns wieder zu ärgern.

Mono Inc.

Als nächste Band durfte sich Mono Inc. präsentieren und sie verstanden es gut. Es wurde wieder voller vor der Bühne und für uns verständlich, warum sich die Combo im Laufe der letzten Jahre schon eine erstaunlich große Fangemeinde erspielen konnte. Weniger optisch als vielmehr durch musikalisches Können wussten sie mit rockigeren Stücken zu überzeugen und ließen einen gesunden Aufwärtstrend erkennen. Als nächstes ließ es die mexikanisch-deutsche Band Rabia Sorda krachen. Mit schnellen Elektroliedern heizten sie dem Publikum ein, weg von den umliegenden, Trockenheit versprechenden Bier- und Metständen. Auch wenn der Regen anhielt – die Musik und der abgehende Sänger in seinen Altrockerklamotten machten Spaß!

Erstaunliches lieferten hiernach Apoptygma Berzerk ab; nämlich ein uniformiertes Gesamtbild (schwarze Krawatte vor rotem Hemd) und kaum Neues, hinzu kamen noch einige zwischenzeitliche Hänger. Trotzdem wussten sie zu begeistern, die Masse sang mit und diverse Schirme hatten für’s erste ausgedient. IAMX überraschten im positiven Sinne und hatten seit dem Blackfield 2009 ordentlich dazugelernt. Die freakig aussehende Band bot mit ihrem drumdominierten Bühnenbild (3 Sets) alles, was das showorientierte Herz eines Gastes begehrt.

Diary of Dreams begannen mit einer akademischen Verspätung und spielten einen Kessel Buntes aus altem und neuem. Bei unerbittlichem Fisselregen wurde fleißig mitgesungen und die Erwartungen wie immer erfüllt, was diese Combo definitiv zu einem Garanten guter Darbietung macht! Zukünftig sollte vielleicht nur am Timing der an sich hübschen Pyroelemente gefeilt werden, welche nicht abgestimmt wirkten.

And One - Blackfield 2011

Zu guter Letzt und in ihrer Funktion als Headliner des Abends enterten And One die Bühne und Steve Naghavi machte in feinem Zwirn und bester Entertainer-Manier auf sich aufmerksam. Leider halfen weder „Timekiller“, noch Joke Jays Gesangsintermezzo darüber hinweg, das Steves Auftritt vom Publikum z.T. als „albernes Gehabe“ empfunden wurde und sein Spruch „Wer will mit mir f*cken“ nicht mehr denselben Anklang zu finden scheint wie noch zum Amphi 2006 und eher zur Lethargie führte. Vielleicht helfen hier ein wenig Sympathieaufbau und neue Sprüche. Für uns war es nun Zeit zu gehen, die Sachen zu trocknen und uns auf den zweiten Tag des Blackfields zu freuen.

Ranking erster Tag:

  1. IAMX (enorme Steigerung, tolle Show)
  2. Diary of Dreams (der positive Fels in der Brandung)
  3. 3. Autodafeh (alte Front 242-Klänge lassen grüßen)

26.06.2011 – der Samstag beim Blackfield 2011

Der zweite Tag des Blackfields begann mit Blitzmaschine, Stahlmann, Sono und Reaper sehr elektrolastig, was allerdings kein Problem darstellte, sondern bei stetig steigenden Temperaturen und Sonnenschein zum Tanzen anregte.

A Life [Divided], eine eher unbekannte, gut aufeinander eingespielte Band, sorgten dann mit eingängigen Klängen und einer grundsoliden Show für eine weitere Überraschung dieses Festivals und haben aus unserer Sicht das Zeug zu mehr! Als durchaus würdige Vertretung für Rotersand stand als sechste Band Assemblage 23 auf der Bühne. Auch wenn es noch relativ früh am Tage war – die schon zahlreich erschienenen Gäste ließen sich nicht lumpen und schwangen zu Songs wie „Document“ ordentlich das Tanzbein.

Dreadheadbanging

Kurz nach Kaffeezeit hieß es dann Klatschen, Rocken, Hüpfen, Knien! Die Letzte Instanz spielte und wusste zu überzeugen – dabei wie so oft herausragend: Cellist (Dreadheadbanging) und Violinist (eine saubere Intonation, dass es an eine Unverschämtheit grenzte). Das Publikum war nun endgültig in Partylaune, die Band präsentierte nackte Oberkörper und mindestens zehn Personen aus unserem Umfeld stellen sich wahrscheinlich noch heute die Frage, was das Tattoo auf des Sängers Bauche darstellt.

Während das Niederkniespielchen zum vorgesehenen Lied zwar nicht ganz klappte, war die Probe zuvor doch Klasse und zu guter Letzt bewies die Masse doch einen gewissen Grad an Disziplin als es daran ging, nach Weibchen und Männchen getrennt Sangeskunst zu beweisen. Für eine tolle Darbietung geht unser Däumchen nach oben und die Zugabe-Rufe hatte sich die Band redlich verdient.

Combichrist

Den Höhepunkt des Festivals – bezogen auf technische Schwierigkeiten – stellte der Auftritt von Combichrist dar. Leider musste die Combo nach ca. vier Songs abbrechen, da aus den Boxen nur noch ein Knarzen und Fiepen zu hören war. Ziemlich bitter, versprach das fulminante Auftreten von Sänger, Klampfer und vor allen Dingen der beiden Schlagzeuger einiges. Positiv zu vermerken: Man zeigte Galgenhumor, probierte noch einige Zeit die Situation zu retten, auch wenn alle Mühe schließlich vergebens war.

Den positiven Höhepunkt des Festivals dagegen stellten nach Ansicht vieler Eisbrecher dar, die als Publikumswunsch ins Line-Up hereingekommen waren. So gaben Frontmann Alex und seine Mannen auch einiges, um diesen zu rechtfertigen und rockten die Stage. Als bekennender Jodel-Bayer mit eigenem Blackfield-Entkleidungshelfer für Trachten, Arktis-Kapuzenjacken und ähnlichen Klimbim hatte Spaßvögelchen Alex die Gunst auf seiner Seite, ließ denn auch das (Whisky-)Fläschchen kreisen und gewann… einen Whiskyrest zurück, jede Menge Beifall und die bis dahin größte Begeisterung auf den Rängen. Luftschlangenregen an passenden Stellen, Rosenverteilen durch die Combo an das Publikum und der Song „Miststück“ incl. gerechtfertigter Eigenzelebrierung der Band sorgten für den passenden Rahmen.

Der Sänger des darauf folgenden eigentlichen Headliner des Festivals – Schandmaul – war anatomisch gehandicapt (Gipsarm durch angeblichen Purzelbaum – altersbezogen vollkommen unangemessen ;o), was zu mangelndem Klatschen und Klampfen seinerseits führen sollte. Egal – ein Ersatzgitarrist ward zuvor in einem Backliner gefunden und so konnte Schandmauls metalalterliche Folklore seinen Lauf nehmen. Auch wenn das Amphitheater langsam ein wenig leerer wurde, verstanden es Schandmaul das Publikum zu animieren, welches mitsang und nach kurzer Einweisung auch schwungvollerweise der Polka fröhnte. Zu „Walpurgisnacht“ bildete sich gar ein Tanzkreis und es fanden sich noch viele Personen, die schließlich bedauerten, dass aus Lärmschutzgründen pünktlich um 23.00 Uhr Feierabend sein mußte.

Ranking zweiter Tag:

  1. Letzte Instanz (Bühnenaktivität) / Combichrist (hättehättehätte)
  2. Eisbrecher (Sympathieträger des Festivals)
  3. 3. A Life [Divided] (Überraschung mit Potential)

Fazit zum Blackfield Festival 2011 in Zahlen:
Organisation (9/10)
Verhalten Security (9/10)
Line-Up (7/10)
Technik (6/10)
Angebot Einkaufsmögl. (7/10)
Angebot Verköstigung (7/10)
Preise Tickets (8/10)
Preise Verköstigung (6/10)
Parkmögl. (8/10)

Bericht: Vroni / Cutter
Fotos: Cutter

Schlusswörter an den Veranstalter: Wir wurden von der anwesenden Damenriege verschiedentlich darauf aufmerksam gemacht, dass es auf dem Blackfield Festival immer noch keinen Sekt gäbe. Bitte nachbessern! ;o)

Die Verzögerungen bei der Berichterstellung sind auf diverse technische Schwierigkeiten und den Komplettausstieg des Reporter-Laptops inkl. fehlendem Backup zurückzuführen… noch fehlende Bilder werden wir nachreichen.

Infos zum Blackfield Festival auch auf www.blackfield-festival.de – dort kann man auch schon den Termin fürs Blackfield 2012 lesen – am 23. und 24. Juni 2012 gehts wieder ins Amphitheater Gelsenkirchen. Der Ticket-Vorverkauf startet am 15. August 2011.

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