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Piraten, Moshpits und Abschiede: der Freitag auf dem Wacken 2026

News am 1. August 2026 von Maddin

Der Freitag auf dem Wacken Open Air 2026 beginnt leicht bewölkt, bei angenehmen 20 Grad. Also das perfekte Wetter für Metal-Yoga mit Moni. In der Krieger-Position wird die Luftgitarre bespielt, beim Sonnengruß die Halsmuskulatur trainiert.

Beste Vorbereitung für einen weiteren Festival-Tag – lest vorher noch vom Wacken Mittwoch und dem Wacken Donnerstag 2026!

Um 12.00 Uhr eröffnen dann Mr. Hurley und die Pulveraffen die Donnerstage. 2013 bespielen sie noch unplugged die kleine Bühne im Biergarten, im Wackinger-Village. 2023 ist die Wackinger-Stage dann auch zu klein. Damals forderten die Fans die Louder-Stage für ihre Band. 2026 ist auch hier der Bereich Front of Stage brechend voll. Die karibische Band, aus Osnabrück, findet es einfach nur unfassbar, so viele zur Frühstückszeit, zu sehen. „Seid Ihr bereit für eine Stunde Piratenparty?“ „Geht alle in die Hocke. Ihr wisst, was zu tun ist.“ Frühsport zum wach werden.

Mit „Wir feiern unseren Untergang“ feiern sie das Piratenleben und taufen kurzerhand einen Fisch, aus dem Publikum, auf den Namen „Fischkian“. Darauf erst mal einen Pfefferminz-Likör. Wohl bemerkt, laut Aussage der Band: Der Eintrittspreis setzt sich bei dieser Band zu 30% aus Gesang und zu 70% daraus zusammen, dass man ihnen beim Besoffenwerden zusehen kann. Doch Mr. Hurley und die Pulveraffen wären nicht so beliebt, wenn sie nicht ihre Fans so mitreißen würden. Der Aufforderung „Baut einen Leuchtturm“ wird natürlich Folge geleistet. Hier lernen selbst die Jüngsten Crowdsurfen. Daraufhin bedankt sich die Band bei der Security für den Einsatz, dass sie die Menschen, die vom Meer angespült werden, auffangen.

Mit „Blau wie das Meer“ endet die Show. Spätestens beim letzten Song erwacht die letzte Schlafmütze. Denn nur hier wird zu so früher Stunde getanzt, gerudert, im Circle-Pit geschunkelt, gegrölt und Menschen als Surfbrett beim Crowdsurfen verwendet. Treu nach der Devise: Ich halte einfach nicht meine Schnauze. Laute Stimmen fordern: Diese Band gehört auf die Harder-Stage. Zu Recht!! So viele Frühaufsteher können sich nicht irren.

Am Nachmittag geht es in die Bullhead-City mit ein paar Frischlingen weiter. Zum ersten Mal betreten die Gelsenkirchener von Any Given Day die heiligen Bretter der Headbanger-Stage und überzeugen auf ganzer Linie. Sie vereinen gekonnt Death-Metal mit Metalcore und schaffen es, bei einsetzendem Regen, viel Staub aufwirbeln zu lassen. Sänger Dennis Diehl verlangt: „Macht das Ding noch größer!“ Gesagt, getan! Eine gigantische Staubwolke hüllt Bullhead-City ein. Es ist in jeglicher Hinsicht ein besonderer Auftritt. So feiert die Band heute zusätzlich den Geburtstag von Drummer Raphael Altmann. Darauf ein Happy Birthday von Band-Kollegen und Metalheads.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter geht es mit einem „quasi“ eigens für Wacken geschriebenen Song namens „In Deafening Silence“. Zum Schluss fordert die Band die Frauen zum Crowdsurfen auf, die Männer sollen sich zurückhalten. Mit dem ersten Takt des letzten Songs startet daraufhin der Wahnsinn. Ein Meer aus Crowdsurferinnen entsteht, die Security kommt kaum noch nach, alle wieder sicher herauszuziehen.

Im Anschluss geht es auf der Wackinger-Stage weiter. Cruachan feiern ihr Wacken-Debüt. Sie vereinen Folk-Metal mit keltischer Mythologie. Krachende Death-Metal-Gitarren und gutturaler Gesang schallen einem bei den ersten Songs entgegen. Um das abzurunden, kommen noch Geigenmelodien dazu. Später werden die Songs melodischer und weibliche Gesangsparts verdrängen die Black-Metal-Vocals. Egal ob hart oder melodisch, im Moshpit wird Ringelreihen getanzt.

Gegen Abend wird es voll im Infield, so voll, dass man kaum noch zur Bühne kommt. Bis an den Rand stehen die Leute dicht gedrängt, als In Flames die Bühne betreten und mit „Colony“ direkt Vollgas geben. Bis zu drei Circle Pits bilden sich gleichzeitig und sind dabei nur wenige Meter voneinander entfernt.

Weiter geht es mit „Deliver us“ und „Into the Dark“. Das Publikum feiert den modernen Melodic Death Metal. Es fällt allerdings auf, dass Sänger Anders Fridén stimmlich schon mal stärker war.Was aber auch nicht weiter stört, denn das Gesamtpaket passt. Wer Songs wie „Only for the Weak“, „I Am Above“ und „Cloud Connected“ im Gepäck hat, kann ja eigentlich nichts falsch machen. Zumindest ein Moshpit scheint gegen Ende des Sets so erschöpft zu sein, dass es nur noch im Sitzen weitergeht. Immerhin schaffen sie es noch, zu rudern wie die norwegische Nationalmannschaft. Wobei das doch besser zu Running Wild passen würde?! Egal, die Leute haben Spaß, und darauf kommt es an!

Das Festival ist eng getaktet, auf einer der zwölf Bühnen wird immer etwas geboten. Da bleibt nach In Flames keine Zeit zum Ausruhen. Weiter geht es zur W:E:T-Stage. Hier feiern Crematory ihr 35. Jähriges Bestehen und ist damit genauso alt wie das Festival selbst. Die Band hat ihre Wurzeln im Death-Metal, begann aber schon früh damit, Gothic-Metal-Elemente einzubauen. Daraus entstand ein Sound, den man irgendwo zwischen Death-, Doom- und Gothic-Metal einordnen kann. Dementsprechend geht es etwas gemächlicher als bei In Flames auf der Bühne zu. Die harten Sounds fordern aber dennoch zum Headbangen auf. Das wird in den ersten Reihen auch ausgiebig betrieben.

Gleichzeitig mit Crematory betreten Judas Priest die Harder Stage. Die britischen Metalgötter müssen eigentlich nicht weiter vorgestellt werden. Wem Songs wie „Turbo Lover“, „Breaking the Law“ oder „Painkiller“ nichts sagen, der ist hier auf dem falschen Festival. Seit 50 Jahren steht die für Heavy Metal in Reinform und hat die Szene geprägt wie kaum eine andere. Natürlich lassen sich das viele Fans nicht entgehen und versammeln sich vor der Bühne. Die Band gibt eine amtliche Metal-Show ab. Natürlich merkt man der Band das Alter an. Früher gab es mehr Bewegung auf der Bühne und auch die Stimme von Rob Halford kommt nicht mehr ganz an die alten Sphären heran. Aber dafür liefern sie nach wie vor immer noch ab und die Show ist auf jeden Fall den Besuch wert.

Nun ist es an der Zeit, erneut Abschied zu nehmen. Nachdem sich am Mittwoch schon Rose Tattoo von den Fans verabschiedet haben, sind es heute gleich zwei Bands, die auf Abschiedstour sind.

Als Erstes die Piratenrocker von Running Wild. Die Band hat eine bewegte Geschichte hinter sich, einmal hatten sie sich schon von der Bühne verabschiedet. Kamen dann aber wieder und veröffentlichten noch mehrere Alben. Jetzt soll es endgültig vorbei sein. Nach dem Intro von Under Jolly Roger betreten zwei Dudelsackspieler die Bühne und spielen ein weiteres Intro. Das hätte man sich auch sparen können, denn eigentlich warten die alle auf die Band. Die startet dann endlich mit “Bad to the Bone“ und zeigt beachtlich viel Spielfreude. So viel Bewegung gab es bei ihren Auftritten schon lange nicht mehr auf der Bühne. Zum allerersten Mal überhaupt spielen sie „Men in Black“ und „Dead Man’s Road“ live. Natürlich dürfen auch die Klassiker wie „Branded and Exiled” und „Under Jolly Roger” nicht fehlen. Zum Ende verschwindet die Band tatsächlich komplett von der Bühne und lässt sich durch Zugaberufe wieder herauslocken. Auf einem Festival ist dies eigentlich ungewöhnlich. Aber einmal kann man das natürlich machen. Die Band wiederholt das Spiel allerdings noch zweimal und vergibt damit wertvolle Spielzeit. Die Fans spielen allerdings brav mit und bekommen damit noch „Stick to Your Guns“, „Raise Your Fist“ und „Conquistadores“ um die Ohren gehauen.

Nun folgt der zweite Abschied und diesmal sind es Sepultura, die auf Wiedersehen sagen. Die Brasilianer haben sich 1984 gegründet und könnten damit noch als Jungspunde auf diesem Festival durchgehen. Trotzdem haben sie entschieden, dass es nun an der Zeit ist, etwas anderes zu machen.
Nach dem Intro stürmen sie die Bühne und lassen sich und den Fans kaum Zeit zum Durchatmen. Kein Wunder, schließlich haben die Thrasher in ihrer Karriere mehr als genug Vollgassongs geschrieben.
Dass beim letzten Song, der natürlich nur „Roots Bloody Roots“ heißen kann, überhaupt noch jemand im Publikum auf den Beinen ist, grenzt an ein Wunder. Tatsächlich hat sich das Infield auch schon gut geleert. Aber ein paar haben vor der Bühne durchgehalten und wurden dafür mit einem unvergesslichen Konzert belohnt. Schade, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, das mitzuerleben.

Morgen geht das Festival in seine letzte Runde, vorher gibt es aber noch einen ganzen Tag mit weiteren fantastischen Auftritten.

 

 

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