Rock am Ring
ohne Wetterkapriolen? Das wäre ungefähr so glaubwürdig wie ein nüchterner Campingplatz am Sonntagmorgen. Zum Auftakt von Rock am Ring 2026 zeigt die Eifel jedenfalls direkt, warum das berüchtigte „Ringwetter“ inzwischen fast Kultstatus genießt. Sonnenschein, dunkle Wolken, kräftige Schauer und wenige Minuten später wieder blauer Himmel. Ja, schon wieder ein Festivalbericht, der mit dem Wetter beginnt. Aber wer schon einmal am Nürburgring war, weiß: Das Wetter bespielt hier seit Jahrzehnten einen festen Headlinerslot.
Davon lassen sich die Besucher allerdings nicht beeindrucken. Bereits zum Eröffnungskonzert von Loathe versammeln sich bestimmt 15.000 Fans vor der Mandora Stage. Das Bild vor der Bühne zeigt weniger Bandshirts und mehr Regenkutten. Die britische Band liefert einen atmosphärischen Auftakt zwischen druckvollen Metalcore-Passagen und ruhigen Momenten. Kein Vollgasstart, sondern ein Set, das die ersten Ringrocker behutsam ins Festivalwochenende begleitet.
Behutsam ist anschließend allerdings das falsche Wort. Denn auf der Utopia Stage übernehmen Mehnersmoos und dort herrscht schon kurz vor Beginn Ausnahmezustand. Für einen Auftritt um 14:55 Uhr ist der Platz bemerkenswert voll. Offenbar wollten sich viele Besucher die erste größere Party des Wochenendes nicht entgehen lassen. Die erste Ansage setzt direkt die Richtung. Es sei schon etwas Besonderes, heißt es ironisch, als Headliner um drei Uhr nachmittags bei Rock am Ring zu spielen, erklärt das Duo. Andererseits seien sie ab 17 Uhr ohnehin meistens so betrunken, dass mit ihnen nichts mehr anzufangen sei.
Los gings mit „3 Bier“ und es gab kein Halten mehr. Konfetti schießt über die Menge, tausende Arme gehen nach oben und die Fans grölen jede Zeile mit, als stünde bereits die letzte Festivalnacht an.
Für mich als Verfasser dieser Zeilen endet der Song zudem mit einer weiteren Gewissheit: Die erste Bierdusche des Wochenendes ist geschafft. Ein mäßig gefüllter Bierbecher landet zielsicher im Rücken des Reporters. Vielleicht kein Zufall – weit und breit war nur ein Kaffeebecher zu sehen, meiner. Ja, wir werfen uns für Euch in die vorderen Reihen. Es wäre ja auch noch schöner, wenn Reporter trocken blieben. Was für ein guter Start! 🙂
Mehnersmoos liefern derweil genau das, was ihre Fans erwarten: dicke Beats, absurde Texte, bewusst grenzwertige Witze und eine große Portion Selbstironie. Zwischen den Songs folgen immer wieder Ansagen, die irgendwo zwischen Kneipengespräch, Standup-Comedy und völliger Eskalation pendeln. Als die Aufforderung folgt, eventuell vorhandene Drogen doch bitte auf die Bühne zu werfen, ist endgültig klar, dass hier niemand einen Preis für politische Korrektheit gewinnen möchte. Das Faszinierende daran: Die Nummer funktioniert. Vielleicht gerade deshalb, weil die Band sich selbst nie wichtiger nimmt als nötig. Mehnersmoos geben nicht den Rockstar. Sie spielen die Rolle zweier Typen, die versehentlich auf einer der größten Festivalbühnen Deutschlands gelandet sind und dabei den Spaß ihres Lebens haben.
Während sich über dem Nürburgring bereits die nächste Regenfront ankündigt, sind die wichtigsten Fragen des ersten Festivaltages ohnehin beantwortet: Die Regenkutten haben ihren ersten Härtetest bestanden, die ersten Bierbecher sind geleert und die erste Bierdusche ist ebenfalls Geschichte. Rock am Ring 2026 ist eröffnet.




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