Der Samstag beim Deichbrand 2014: Watt’n Festival!

News am 22. Juli 2014 von awi

DEICHBRAND Festival 2014MarteriaFoto: Ralf PrescherNachdem schon am Freitag die Sonne knallte, ging es am längsten Tag des Festivals, Samstag, mit der Hitze weiter. Um sich abzukühlen, bot Deichbrand ein Badeshuttle zum nahegelegenen Strand, am Samstag sogar mit der Option, eine Wattwanderung zu machen. Die Securities übernahmen, wie schon am Vortag, immer wieder den Job, die dagebliebenen mit Wasser abzukühlen.

Deichrand-2014-Beach-P6878wDenn auch auf dem Gelände gab es eine Beach-Area, inklusive Sand, Strandkorb und Beachvolleyball – wer bei der Hitze noch spielen konnte. Irie Revoltés konnte jedenfalls spielen und lockte in der mittäglichen Hitze doch auch viele Menschen an, einige von ihnen zur deutlich linkspolitischen Einstellung der Band passenden Banner wie “Kein Mensch ist illegal“, “Antifaschistische Aktion” und ähnlichem.

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Irie-Revoltes-Deichbrand-2014-P8056_1Interessanter Kontrast:

Während am Tag zuvor bei vielen Umzügen von einer Bühne zur anderen im zähfließenden Verkehr immer wieder Menschen einen in die Schlagzeilen gerückten Gesang “So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so” anstimmten, machte das bei Irie Révoltés -verständlicherweise- niemand. Stattdessen: Energische “Alerta Antifascista” Parolen. So oder so bringen die Jungs aus Heidelberg immer wieder eine große Energie und Begeisterung auf die Bühne und konnten erneut überzeugen.

DEICHBRAND 2014 Jupiter Jones Foto: Ralf Prescher“Es muss immer weitergehen, mein Freund!” Jupiter Jones musste die Fans vor kurzem vor einen Schock stellen: Sänger & Gründungsmitglied Nicholas Müller musste die Band wegen persönlicher Probleme verlassen. Mit einer bevorstehenden Tour und gebuchten Festivals fragten sich viele Fans, wie es weitergehen würde – Jupiter Jones fand einen Ersatz, Sven Lauer, der sich als recht gute Vertretung heraus stellte. Zwar hat er nicht DEICHBRAND 2014 Jupiter Jones Foto: Ralf Prescherganz den charismatischen Dreck in der Stimme wie Nicholas, zeigte aber beim Auftritt ein gutes Maß an Souveränität, kletterte sogar (wenn auch etwas verhalten) an der Traverse der Boxen hoch beim Singen. Auf jeden Fall machte er seinen Job mit deutlich mehr Begeisterung als die Bläser der Band, die ziemlich lustlos daneben standen und etwas wie bestellt und nicht abgeholt wirkten.

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Auch die Zeltbühne mit dem seltsamen Namen “FÜÜRPÜÜSTER Clubstage” füllte sich langsam mit Menschen und heizte sich damit auch immer mehr auf. Während sich bei The Jezabels, die netten Indie-Dreampop spielten, noch eher weniger Menschen einfanden, war bei Gentleman mit einem Schlag alles voll. Jemanden so großen wie Gentleman, der nun nicht gerade erst im letzten Jahr als Newcomer hochgeschossen ist, sondern schon mehrere Nummer 1 Alben aus 15 Jahren Bandgeschichte vorweisen kann, frühabends auf die Zeltbühne abzuladen, ist sehr gelinde gesagt eher ungünstig gelegt.

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Marsimoto-Schilder-Deichbrand-P8697wÄhnlich überlaufen stellte sich Marteria heraus, und das, obwohl er auf einer Open Air Bühne spielte, allerdings auf der kleineren, der Blue Stage. Bei dem großen Andrang hatten die ansonsten recht gut aufgestellten Securities am Einlass des ersten Wellenbrechers Probleme, die Kontrolle zu behalten. Marteria ist momentan auch einfach einer der besten Live-Acts aus Deutschland, der schon gezeigt hat, dass er internationale Headliner mit seiner aktuellen Liveshow in den Schatten stellen Marteria-Deichrand-2014-P8652kann. Wie schon beim Summerjam wird vor allem der Part seines Alter Egos Marsimoto ausgiebig gefeiert und vom Team Marteria grüne Rauchbomben gezündet. Marteria hat bei seinen Auftritten gerne viel Bass, beim Marsimoto-Part übertrieb das Technikteam aber etwas: Gegen Ende des Marsimotoauftritts bollerte der Bass nur noch massiv und übertönte nahezu alles andere. Dennoch bleibt eine Show von Marteria nicht nur eine Show, sondern ein grandioses Erlebnis.

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Deichbrand-2014-Bengalos-Security-P8761Apropos Security – Bei Marteria zeigte sich außerdem etwas, was am Samstag und auch Sonntag deutlich wurde: Auch, wenn die Securities viel Spaß verstanden und oft auch selbst rumblödelten, sobald Bengalos im Publikum gezündet wurden (so z.B. bei “Bengalische Tiger”, aber auch bei Künstlern wie Paul Kalkbrenner und The Prodigy (passenderweise bei “Firestarter”)), verstanden die Sicherheitsleute keinen Spaß und preschten durch das Publikum um zu den Pyromanen zu kommen.

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Deichbrand-2014-Security-P8734Beeindruckend und irgendwie etwas beängstigend, wie schnell das Umschalten von relativ entspannt zu rigoros durchgreifend funktionierte. Doch auch heute wieder gab es wieder viel Lob für die Security, sogar von Künstlerseite, wie beispielsweise Jan Delay, Gentleman; ja sogar Irie Rèvoltés, die ja eher kritisch gegenüber (gewaltsamer) Autorität sind, waren wohl etwas überrascht von den feiernden Securities.

Marteria-Schild-Deichbrand-2014-P8729Marteria hatte die Zuschauermasse jedenfalls etwas besser im Griff als der spätere Headliner des Tages, Jan Delay. Der wandlungsfähige Künstler aus Hamburg ist momentan mit seiner Rockplatte auf Tour und trat auch so auf: Neben seinen Rocksongs spielte er immer mal wieder Texte von seinen alten Songs aus Reggae und Hip-Hop Zeit über Rockklassiker, zum Beispiel den Text von “Füchse“, einem alten Beginner Song, über das Riff von “Can’t Stop” von den Red Hot Chili Peppers.

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Deichbrand-2014-Jan-Delay-P8895Zunächst hatte er aber Probleme, seine Animationen so auf das Publikum zu übertragen, wie er wollte – als Jan Delay etwas vortanzen wollte, damit das das Publikum nachmacht, kamen die Zuschauer (im Gegensatz zu Rock am Ring) nicht so richtig mit und er brach es ab, lachte ein wenig irritiert und machte mit dem nächsten Song weiter. Eine lustige Idee aber funktionierte: Ein kleines Freezespiel, das etwas an Reise-nach-Jerusalem erinnerte. Solang die Band spielt, tanzen, wenn die Band aufhört, friert das ganze Festival ein – inklusive Jan Delay und Band. Sehr amüsant anzusehen und insgesamt eine souveräne Show, auch, wenn Jan Delay es nicht mit der Authentizität von Marteria zuvor aufnehmen konnte.

Paul-Kalkbrenner-Bengalo-Deichbrand-2014-P9045Nach dem Headliner begann das Late-Night Programm, das am Samstag ziemlich lang und ziemlich ausgeprägt war, startend mit Chase and Status als DJ-Set. Zu den Londonern Dubsteb/Rock Producern lässt sich eigentlich nicht viel sagen, außer vielleicht einem persönlichen Tipp: Wenn man stark betrunken ist und richtig ausrasten und feiern will, gibt es keinen besseren Act als Chase & Status. Der Frontman, der mehr Einheizer als Sänger oder Rapper ist, schaffte mal wieder, eine ziemlich brachiale Stimmung zu erzeugen, die den Raum am ersten Wellenbrecher zu einem riesigen Moshpit werden ließ. “How crazy are you, Germany?” würdigte er dies passend.

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Paul-Kalkbrenner-Per-Mertesacker-Deichbrand-2014-P9085Paul Kalkbrenner war derweil weniger auf Krawall gebürstet. Mit der längsten Spielzeit auf dem ganzen Festival (Ein-Dreiviertel Stunden) wurde Paul am meisten für seinen Hit mit seinem Bruder Fritz, “Sky & Sand” und für “Aaron”, ebenfalls aus dem Film “Berlin Calling”, gefeiert, die er auf knapp 10 Minuten in die Länge zog. Beeindruckend waren vor allem die Laser, die er mitgebracht hatte, die wie Messer die Luft zerschnitten. Kurz zu Besuch war außerdem Weltmeister Per Mertesacker, der kurz auf die Bühne kam und bejubelt wurde.

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Booka-Shade-Deichbrand-2014-P9210Damit war das Programm auf der Open-Air Bühne schließlich auch vorbei. Dafür aber im Zelt noch bis 5 Uhr Programm: Unter anderem mit Booka Shade und Westbam, dem Initiator des Maydays und Loveparade Urgestein. Während Booka Shade eher alibi-mäßig ein Drumset neben ihrem DJ-Pult aufstellte und einer der beiden etwas dran rumspielte, stand Westbam einfach nur an seinem DJ-Pult. Als Veteran der Szene kann er sich das auch erlauben, sein Mix sprach für sich und begleitete die feierwütigen Besucher, die nach 16 Stunden Musikprogramm auf dem Festivalgelände noch nicht genug hatten.

Seht hier wie Westbam von unserem Fotografen Tobi gestalkt wird ;-)

Auf dem Weg, sich beim 24 Stundenzeltmarkt ein Bier zu kaufen (zur Erinnerung aus Teil 1: Gekühltes Becks für 1,50 – und das 50 Meter vom Festivalgelände entfernt, wo das Bier das dreifache kostete), zwischen Booka Shade & Westbam (der laut Running Order exakt 0 Minuten dauern sollte – was war der tiefere Sinn hinter dieser Angabe, die schließlich wie erwartet rund 30 Minuten Verzögerung zum offiziellen Zeitplan zur Folge hatte?) liefen wir auch an der Red Bull Partystage vorbei, die auch noch eine gute Menge Menschen bespaßte. Gerade lief “Kids” von Marteria.

Marteria-Kid-Simius-Deichbrand-2014-RedBullStage-P9246 Marteria-Kid-Simius-Deichbrand-2014-RedBullStage-P9251

Aber Moment, das klingt doch irgendwie so gar nicht wie der Studiotrack? Bei näherem Betrachten legte Marterias DJ und Kumpel Kid Simius, der auch als DJ-Solo-Künstler unterwegs ist, auf und Marteria rappte seinen Song im Hansa Rostock Trikot. Nach dem Song stellte er sich wieder etwas in den Hintergrund und feierte das DJ-Set ab. Marteria ist momentan nicht nur einer der besten Acts aus Deutschland, er kommt durch Aktionen wie diese auch einfach unglaublich sympathisch rüber. Irgendwann nach Sonnenaufgang ging’s dann auch wieder zurück zum Zelt, durchgefeiert und ziemlich müde. Wie es weiterging, in unserem Bericht zum Sonntag!

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Hier zu den Infos zum Deichbrand 2015.

3 Kommentare zu “Der Samstag beim Deichbrand 2014: Watt’n Festival!”

  1. Nummer 1: Deichbrand Sonntag 2014 – “Willkommen bei Woodstock!” sagt:

    […] Frontsänger war vor allem damit beschäftigt, das Publikum anzuschreien und aufzuheizen, ähnlich wie bei Chase & Status am Vortag, für die The Prodigy sicherlich als starker Einfluss gezählt werden kann. Beeindruckende Show, […]

  2. Nummer 2: Wilde Safari beim Serengeti Festival sagt:

    […] des Zeitplans: Statt wie auf anderen Festivals, die mit abwechselnden Spielplänen arbeiten (Bspw. Deichbrand, Rock-A-Field) einige Minuten Zeit dazwischen zum Wechseln zu geben, fing die Band beim Deichbrand […]

  3. Nummer 3: Party an der Waterkant – So war das Deichbrand Festival 2015 sagt:

    […] Late-Nights Act nach dem Headliner spielte dann Fritz Kalkbrenner stark auf. Deutlich wortreicher als sein Bruder im Jahr zuvor fehlte allerdings das gewisse etwas – Paul hatte Laser, Fritz hatte eine eher spärliche Licht-Show. Dabei brauchen gerade DJ’s, bei denen auf der […]

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