Trebur Open Air 2012 – Das Leben ist hart ohne… Haselnussschnaps

News am 7. August 2012 von timo & friends

Frittenbude auf dem Trebur Open Air 2012Zum 20 jährigen Jubiläum des Trebur Open Air kamen viele kleine und große Bands, wie unter anderem Frittenbude, H-Blockx, Triggerfinger, Auletta und der Dauerbrenner Elfmorgen. Außerdem stand Puddle of Mudd bis zum Tag vor ihrem Auftritt auf dem Spielplan. Leider hatte sich der Sänger bei einem Quad-Unfall verletzt, weshalb kurzfristig ein Ersatz gesucht werden musste.

Gegen 18Uhr kamen wir bei brütender Hitze auf dem Festivalgelände an und widmeten uns zuerst einmal dem Bierstand. Nachdem unser großer Durst gelöscht war, ging es mit dem Erkunden des Festivalgeländes weiter. Wie jedes Jahr war die Auswahl an Essenständen sehr abwechslungsreich. Von  Asia-Nudeln über Eis bis hin zu Flammkuchen war alles vertreten.

Die erste Band, die wir uns am Freitag anschauten, war My Glorious aus Wien mit melodischem Indie. Viel zu schade, dass bisher noch relativ wenige Gäste den Weg auf das Festivalgelände gefunden hatten. Vermutlich hatten sich einige Zuschauer von einer Fata Morgana beirren lassen.

Im Anschluss zu Antlered Man ging es auf der Bob-Bühne mit der Berliner Indie-Band Mikroboy weiter. Offensichtlich hatten diese einige Zuschauer angelockt, denn es wurde sichtlicher voller. Selbst ein Gummihuhn und diverse Zootiere kamen vorbei und erfreuten sich an der tierisch guten Musik.

Als nächstes schauten wir uns The Busters an, die bereits 1994 einen Auftritt hier hatten und heute ihr 25. Bühnenjubiläum feierten. Mit ihrem Ska verursachten sie eine großartige Stimmung und ließen bei fast jedem Besucher die Füße qualmen.

De Staat aus den Niederlanden machten ordentlich Druck auf der Sparkassen-Bühne. Bei sternklarer Nacht und Vollmond fiel es nicht schwer gute Laune zu bekommen und ordentlich zu feiern. Endlich wurde es auch ein wenig kühler. Einigen konnte man anhand ihres Bewegungsapparats deutlich ansehen, dass sie den ganzen Tag in der Sonne verbracht hatten, möglicherweise waren das jedoch auch nur Folgen des Getränkekonsums.

Der kurzfristig aufgetriebene Ersatzheadliner Emil Bulls trat als Letztes an diesem Tag auf. Auch wenn sich viele auf Puddle of Mudd gefreut hatten, tat dies der Stimmung kein Abbruch. Es wurde ausgelassen zu dem lauten, relativ harten Alternative Metal gefeiert.

 

 

Am Samstag starteten wir mit Unleash The Sky. Für den noch sehr frühen Abend war erstaunlich viel los. Zu recht! Euphorische und mitreißende Klänge ertönten über dem Festivalgelände und animierten die Menge zu einem Circle Pit. Außerdem wiesen sie eindeutich darauf hin sich keine Band anzuschauen die keinen Respekt verdient haben! Wer damit wohl gemeint war?

Les Yeux de la Têtes: Ska Ska Ska Ska!! Aus Frankreich war die Band angereist und der Weg hat sich gelohnt. Gute Laune stand auf dem Programm, wer bis jetzt noch nicht nass geschwitzt war, war es jetzt auf jeden Fall.

Beim nächsten Auftritt konnte man sich wieder beruhigen und trocknen. Es wurden Decken ausgepackt und man genoss Cäthe bei tiefem Sonnenstand. Mit ihrer rauchigen, markanten Stimme fesselte sie das Publikum.

Wieder Ska! Hoffmaestro trat auf der Bob-Bühne auf. Bisher kannten wir die 11-köpfige Gruppe nur von der CD. Doch bereits nach dem ersten Lied war klar, dass die schwedische Band dafür sorgen wird, dass es vorbei ist mit gemütlichem Sitzen auf der Decke. Wer hier nicht das Tanzbein schwang, sollte wirklich mal zum Arzt. Zwischendurch hatten einige Lieder sogar elektronische dubsteppige Einflüsse. Eine wirklich außergewöhnliche Kombination die man mal gehört haben sollte.

Auch bei Auletta wurde es wieder voll vor der Bühne. Die 2005 gegründete Mainzer Band überzeugt mit ihren deutschen, poetischen Texten. Wer ein Fan von Indie ist, kommt bei ihnen voll auf seine Kosten.

Die belgische Band Triggerfinger bot mit imposanten Schlagzeugsolo, Stage Dive des Gitarristen und einem fast verschluckten Mikrofon die nächste ausgezeichnet abgestimmte Show. Der Stil erinnert an Größen wie „Led Zepplin“ und „Queens of the Stoneage“.

Smoke Blow, der nächsten Band auf der kleineren Sparkassenbühne, scheint der Auftritt von Triggerfinger nicht zu passen. Wer auf pöbelnde Bands steht, die der netten Moderatorin Wodka in die Haare kippt und dumme Kommentare über Refused (auf dem Vainstream Rockfest) abgibt, kann sich das gern anschauen. Ohne uns.

Bei H-Blockx wurde klar warum über 3000 Zuschauer in das kleine Örtchen Trebur gereist waren. Eine eindrucksvolle Bühnenshow, die mit perfekt durchdachten Lichteffekten unterstützt wurde, zeigte, warum die Band die 1990 gegründet wurde, noch immer so viele Leute anzieht. In den letzten Jahren hatten sie 6 Alben veröffentlich und spielten bereits über 1300 Konzerte auf verschiedenen Kontinenten. Vermutlich auch in Gedenken an „Adam Yauch“ der im Mai dieses Jahres leider verstarb, wurde auch ein Cover von den „Beastie Boys“ gespielt.

 

Einen schönen und lustigen Abschluss des Abends boten die Monsters of Liedermaching, die für Olli Schulz einsprangen und sich aus den Einzelkünstlern Fred, Burger, Tottovic, Pensen, Labörnski und Rüdi zusammensetzt und mittlerweile seit über 9 Jahren zusammen spielen. Es musste jeder ausgelassen lachen bei Liedern über Salamandervorhautdiäten oder Laternenlecker. Auch Türfetischisten wurden vollkommen befriedigt.

Am Sonntag hörten wir uns als erstes Immergrün an. Eine Band die gut mit Elfmorgen befreundet ist und aus Darmstadt kommt. Zuletzt hatten wir sie auf dem Schlossgrabenfest zur Primetime gesehen, was sie sich absolut verdient hatten. Leider war am Sonntagnachmittag wenig los. Die Vortage waren aber auch wirklich anstrengend gewesen.

Auch bei The Hammocks war nicht viel mehr los. Selbst schuld wer sich das nicht anschaut. Die Indie Band mit elektronischen Einflüssen animiert mit einigen Liedern zum Entspannen auf der Decke und dann wiederum mit anderen zum Aufspringen und Tanzen.

Die politische Band La Confianza ist alles andere als oberflächlich. Eine Gruppe die offen zum Denken animiert und den kritischen Umgang mit bestehenden Verhältnissen fordert. Der New-Metal mit Sprechgesang kommt gut an, so dass sich bis zum Ende des Konzerts das Publikum deutlich vergrößerte. Die noch am Vortag gesehenen Zuschauer mit Band-Shirts von „Frei.Wild“ oder ähnlichem ließen sich nicht blicken.

 

P.O. Box eine Skapunk-Band aus Frankreich spielte als nächstes auf der Bob-Bühne. Obwohl die Musik sehr fetzig war, schauten sich einige die Band lieber sitzend auf der Wiese an. Der Grund der eher dürftigen Tanzeinlagen ein paar Weniger direkt vor der Bühne, muss daran gelegen haben, dass bereits zwei sehr anstrengend heiße Tage hinter allen lagen und die Sonne noch immer unerbittlich brannte. An der Musik kann es auf jeden Fall nicht gelegen haben, denn diese stand den anderen Ska-Bands an den Vortagen in Nichts nach.

„Publikums Interaktion bringt total viel“, sagte der Sänger von Adolar, das habe er gelesen. Das stimmt offensichtlich, denn die Gruppe sahnte viele Sympathiepunkte ab. Sogar ein Zuschauer durfte auf die Bühne, der prompt das Mikro an sich riss und selbst sang. Anschließend bat er auch noch seine Schwester und Freunde auf die Bühne. Es wurde ordentlich gefeiert. Außerdem gab es eine Runde Haselnussschnaps für die Menschen auf der Bühne. Die Stimmung war einfach großartig, auch das Gummihuhn ließ sich wieder animieren über die Meute zu flattern.

In der Post-Hardcore-Szene wird zur Zeit über die folgende Band Eskimo Callboy stark diskutiert. Sie kamen mit ihren Songtexten in letzter Zeit mehr und mehr in Verruf. Ihnen wird neben „Frauenfeindlichkeit auch Homophobie, Minderheiten, und Menschenfeindlichkeit“ vorgeworfen. Diese Vorwürfe wiesen sie jedoch zum Beginn ihres Konzerts zurück. Es handle sich lediglich um „Sarkasmus“. Ob es sich dabei um die typische Ausrede handelt damit der Ruf nicht verloren geht oder ob es tatsächlich ernst gemeint war, wissen wir nicht. Am Besten sollte man sich selbst die Texte anschauen und nicht nur den Klang der Musik bewerten. Wir hielten den Auftritt jedoch für mehr als fragwürdig.

Auf ihrem Stagepiano spielte Vkgoeswild, wie am Nachmittag schon einmal, ein paar Lieder. Sie coverte unter anderem „System of a Down“ und „Metallica“. Ein wirklich beachtliche Leistung.

Im fließenden Übergang spielte nun der Publikumsmagnet und die Hausband des Trebur Open Air Elfmorgen. Die Jungs hatten sich zum 20. Jubiläum des Festivals, 10. Bandjubiläum und 20. Bühnenjubiläum einiges einfallen lassen. Zum Start des Konzerts wurde ein großer, roter Theatervorhang weggesprengt, wodurch die Band zum Vorschein kam und mit Unterstützung von Misterbronto Saurier direkt los rockte. Außerdem wurde diverse Pyrotechnik abgefeuert, was die Menge zum Ausrasten brachte. Sie spielten einen Kracher nach dem anderen, etliche Gäste (darunter auch die Tochter und die Freundin des Sängers) wurden zum Stagediving animiert. Die Stimmung kochte bei der „Schubkarre of Death“ förmlich über und die 45 Minuten Spielzeit gingen leider vorbei wie im Flug. Zum krönenden Abschluss kamen einige Bläser aus dem „Büttelborner Blasorchester“ auf die Bühne um die Band bei dem Klassiker „Oberlippenbart“ zu unterstützen. Dies war gleichzeitig der Abschluss des Konzerts und endete in einer Parade zur Bob-Bühne:

„Das Leben ist hart ohne Oberlippenbart!“


Die letzte Band und der Headliner Frittenbude lieferte wieder einmal eine Show der Extraklasse. Das Festivalgelände war wieder voll bis oben hin. Immer wieder wurde zu diversen Aktionen motiviert, wie die „Wall of Schmusen“ oder feiern wie in 1993. Außerdem wurde dazu aufgerufen Nazis, die man heute nicht mehr unbedingt an einer offensichtlichen Glatze und Springerstiefeln erkennt, bei jeder Gelegenheit „aufzuessen“. Unterstützt wurden sie wieder von einigen Tieren mit Antifa-Fahne auf der Bühne. Ein Pandabär und ein Delfin surften durchs Publikum. Es wurde von vorn bis hinten wild gedanced. Es war auf jeden Fall ein gelungener Abschluss des Festivals.

 

Wie auch alle Bands bestätigten, war das Festival nicht nur für die Zuschauer ganz außerordentlich gut organisiert, was sich eindeutig in der Stimmung widerspiegelte. Ein ganz besonderes Lob ging an alle Helfer, die sich jedes Jahr auf dem nicht kommerziellen Festival so für uns ins Zeug legen, dem können wir uns nur anschließen. Auch die Securities waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit für die im Graben ankommenden Stage Diver. Wir freuen uns auf nächstes Jahr.

Text: Fabian / Bilder: Timo Ringelstein

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