Tim Neuhaus im Interview – Liebe und eine kleine Kindergarten-Anarchie

News am 16. Februar 2015 von Katie.

Tim-Neuhaus-Tour-ofTours_0244-2Die Tour Of Tours oder „Friends don´t let friends tour alone“ – das sind HONIG, Tim Neuhaus, Jonas David, Town of Saints und Ian Fisher. Jeweils zwei Musiker der Bands bilden zusammen die Zehne, die auszogen um Großartiges auf die Bühne zu stellen. Festivalhopperin Katie hatte vor dem vorletzten Konzert der Tour in Dresden die Gelegenheit Tim Neuhaus zum Interview zu treffen.

Fünf Bands auf einer Bühne. Klingt erstmal nach Größenwahn – ist es wahrscheinlich auch. Was es außerdem ist: ein unglaublicher Spaß. Für die Musiker, die zu einem nicht unerheblichen Teil für sich selber spielen, und für das Publikum. Die Energie die dabei frei wird überträgt sich direkt und ungefiltert auf alle Anwesenden, holt sie ab und nimmt sie mit – auf eine Reise die zum unvergesslichen Konzerterlebnis wird und gern wiederholt werden darf.

Katie: Hallo Tim, super dass es mit dem Interview geklappt hat! Erzähl doch mal ein wenig was uns bei dem Konzert erwarten wird.

Tim Neuhaus: Tour-of-Tours-FlyerDu siehst gleich auf jeden Fall 10 ganz schön abgerockte Leute. Gestern hat Heta, die Geigerin (Town of Saints, Anm.d.Red.), während des Konzertes ein Zeichen gegeben, dass sie es nicht aushält, dass sie Fieber hat. Und dann ist sie zwischendurch gegangen, dann ist sie aber wieder gekommen und hat die Zugabe unter Schmerztabletten bewältigt. Davor ist Jonas David ausgefallen, 2 Konzerte. Da waren wir nur zu viert, 4 Bands quasi, hat auch geklappt. Und dann mein Drummer, der Flo (Florian Holoubek, Anm.d.Red.), meine andere Hälfte sozusagen, weil jeder bringt ja einen Duopartner mit. Dann ist der Flo krank geworden – der Schlagzeuger der Band. Da kann ich von Glück sagen, dass ich selber Schlagzeuger bin und sozusagen auch wenn ich es nicht geprobt habe, konnte ich es wenigstens aus dem Gehör. Eine Stunde vorher hat er gesagt: „Ich schaffe es nicht“, das war eine Stunde vor München. Dann war das für mich wahnsinnig spannend. Ich musste meine Rolle eigentlich ein bisschen wechseln, musste dann eher Schlagzeuger sein als selber Sänger. Oder beides so halb. Das war sehr aufregend. Ich war auch auf dem Weg krank zu werden, aber als die Nachricht kam, dass er nicht spielen kann – auf einen Schlag kamen plötzlich so die Reserven hoch – das ist fast wie eine Leben & Tod Geschichte. Entweder wir befruchten uns weiter, oder alle sterben.

Katie: Krass. Aber super, dass ihr euch da so reinhängt.

Tim-Neuhaus-as-live-found-youTim Neuhaus: Ja, es sind 10 Leute, das ist eine riesen Band. Das kann man auch mal bewältigen wenn ein oder zwei sterbenskrank sind. Es ist natürlich total schade. Gestern war dann wieder der erste Gig bei dem alle wieder beisammen waren. Da haben wir wieder sofort gemerkt, wie krass der Unterschied ist.

Katie: Ist es eine andere Dynamik?

Tim Neuhaus: Ja, es ist eine andere Dynamik. Fehlt einer, muss direkt kompensiert werden. Und das Bild springt aus seinem Rahmen raus. Das ist dann nicht mehr das Selbe. Gestern Abend waren wir wieder alle da und da haben wir richtig gemerkt, „Ja, so war das. Stimmt!“

Katie: Wenn ihr komplett in voller Besetzung spielt – wie viele Instrumente kommen da zum Einsatz?

Tim Neuhaus: chiemsee-reggae-summer-2011-Clueso---25Also die Instrumente… Es ist gar nicht so, dass es jetzt eine unglaubliche Instrumentarienschlacht ist. Wir haben keine Bläser oder so. Wir haben eine Geige, wir haben ein Akkordeon. Das ist jetzt das einzige was außergewöhnlich ist. Ansonsten sind es ganz viele Gitarren, Bass, Keyboard, mehrere kleine Trommeln. Dann war es das schon. Aber es sind 10 Leute. Das heißt es ist fast so groß wie Bon Iver, oder wie die Clueso Band – das sind nur 8 Leute. Hier geht’s zum Festivalhopper-Interview mit Clueso (aus 2011).

Katie: …mit denen du ja auch Erfahrung hast.

Tim Neuhaus: Ja genau, mit denen ich gerade spiele. Wir (Tour of Tours, Anm.d.Red.) sind in den kleineren Clubs, viel engere Hütten, es kommen Millionen mal weniger Menschen als zum Clueso Konzert. Ja, aber wir sind trotzdem mehr auf der Bühne. Wir müssen irgendwie auch einen kleinen Schatten haben… (lacht)

Katie: So bühnentechnisch – wenn dann vor allem die Bühne auch noch kleiner ist – das wird kuschelig, oder?

Tim Neuhaus: Das wird total kuschelig. Das ist einfach völliger Kindergarten, ein erwachsener Kindergarten ist das, kleine Anarchie, eine richtige Chaostruppe. Aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß. Wir haben auch überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken. Wir machen es einfach, weil alle ähnlich verrückt und durchgeknallt sind. Jeder liebt das Musik machen so sehr, dass dann am Abend wenn die Leute da sind, dass es dann nur noch darum geht es so gut wie möglich zu machen. Das hält auch noch zusammen.

Katie: Genau, ihr habt euch ja alle schon vorher gekannt und wart vorher schon befreundet. Ich fand die Geschichte total interessant, wie es dann zu der Idee gekommen ist. Ihr habt ja alle schon einmal spontanerweise bei einem Konzert gemeinsam auf der Bühne gestanden. Und dann habt ihr euch gesagt: „Wir haben da Bock drauf. Wir wollen das jetzt als Tour.“?

Tim Neuhaus: Tim-Neuhaus-Tour-Of-Tours_HONIGJa, das war vor zweieinhalb Jahren auf dem Honig Konzert, wo alle auf die Bühne geholt worden sind. Dann wurde das so ein Selbstläufer. Es wurden ganz viele E-Mails hin- und hergeschickt und zwei Jahre später konnte man es dann echt umsetzen. Eine schöne Idee. Wir wollen das morgige Konzert in Berlin genau so enden lassen, indem wir beim letzten Lied wieder Freunde auf die Bühne holen, dass es noch mehr Menschen sind. Damit da vielleicht wieder eine Idee geboren wird. Das wollen wir auch mit Kamera festhalten. Und dann wollen wir diese Idee so bekannt machen, dass wir zum Grammy nominiert werden. Dann freue ich mich schon auf die internationalen Bühnen. (kurze Pause… dann ein herzliches Lachen) Nein, natürlich nicht. Aber man hat zwischendurch so einen kleinen Größenwahn, weil wir das Gefühl haben, das ist eine größere Sache. Man guckt sich hier zwar nur eine Band aus 10 Leuten an. Aber man merkt, dass die Stärke von 5 eigenen Bands dahinter ist. Weil wenn du zu einer Band gehst, dann hast du manchmal das Gefühl, während sie die letzten 3 Lieder spielen, geben sie noch mal alles, gehen noch mal richtig los. So, dass man denkt „Oh, die haben sich ein richtig gutes Finale überlegt“. Bei uns ist es so, dass jede der 5 Bands so seine beiden Finalsongs hat sozusagen. So, dass es am Ende gar nicht mehr aufhören will. Irgendwie ist es schon so, die Leute machen da eine kleine Party draus. Hoffentlich habe ich jetzt nicht zu viel verraten. Aber eigentlich ist es schon so. Eine kleine Party.

Katie: Wie war denn die Reaktion, als ihr mit der Idee zum Label gegangen seid? Haben die gemeint: „Ihr seid schon irgendwie größenwahnsinnig. Wie wollt ihr das organisiert kriegen?“

Tim Neuhaus: Gott sei Dank ist dieses Label ja auch Fan von so Bands wie Arcade Fire. Oder es gibt auch beim Grand Hotel eine Band, die heißt East Cameron Folkcore, das ist eine 10 köpfige Band aus den Staaten. Also den Größenwahn haben die schon mehrmals unterstützt. Die haben es in Hamburg auch gesehen und fanden es richtig toll. Und sie würden es sich wünschen, dass es weiter geht mit der Idee. Wir sind sehr gespannt. Wir sind jetzt alle krank geworden, wir sind gestresst, wir sind völlig fertig. Es ist gerade ganz schwer sich über gute Sachen noch zu freuen, wie in den ersten vier Tagen. Aber ich glaube schon, dass alle an einem Strang ziehen würden wenn es noch mal passieren würde.

Katie: Tim-Neuhaus-Tour-Of-Tours_Jonas-David.jpgIhr habt ja dann ein paar Jahre Vorbereitung gehabt…

Tim Neuhaus: E-Mails, Logistik… Es gab zwei Zugpferde – Honig und David – die haben sich um das Meiste gekümmert.

Katie: Also waren sie die treibenden Kräfte?

Tim Neuhaus: Die Organisatoren, das Sekretariat sozusagen.

Katie: Sind sie dann während der Tour ein bisschen die Chefs gewesen?

Tim Neuhaus: Nein, also künstlerisch gesehen haben sich alle gleichwertig gefühlt. Und auch bei den interessanten Abfragen, oder bei den künstlerischen Fragen, wurde auch jeder hinzugezogen. Aber so ein bisschen die Drecksarbeit, „wer schreibt jetzt die Strichlisten?“, das haben die beiden schon gemacht. Aber dafür kriegen sie auch immer die größte Dankbarkeit zu spüren. Dass das ohne die beiden nicht laufen würde, ist klar und da profitiert jetzt am Ende jeder davon. Also Honig ist ja Kindergärtner, und bei ihm ist es so – da gibt es ja in der Familie immer jemanden – ein Gravitationsfeld, wo alle Planeten so ein bisschen drum kreisen. Er ist so das Gravitationsfeld dieser Zehne. Er ist derjenige, bei dem alle wissen wie sie sich zu verhalten haben. Weil er einfach jemand ist, der Menschen anzieht und er organisiert auch einfach unheimlich gern. Er organisiert selber diese Melodica Festivals LINK. Es ist ganz klar, dass er so der Stammsprecher ist, der Klassensprecher.

Katie: Super so jemanden zu haben.

Tim Neuhaus: Auf jeden Fall.

Katie: Was würdest du sagen, waren deine Erwartungen, die du im Vorfeld an die Tour gehabt hast? Wurden sie erfüllt?

Tim NeuhausTim Neuhaus: Die wurden übertroffen. Ja, wie es manchmal so ist. Die Theorie ist romantisch, ist schön. Und dann die Praxis, da merkst du immer wieder wie toll es ist am Ende wirklich mit Menschen zusammen zu sein. Mit denen einen Bus zu teilen, so eng. Es ist viel schöner als theoretisch am Rechner monatelang vorher darüber nachzudenken. Und wenn es dann soweit ist, man sitzt nebeneinander und macht es – ist es immer schöner. Es ist immer schöner das dann zu leben, diese Idee. Es ist übertroffen worden von den Zuschauern, es ist übertroffen worden vom Feedback. Doch, das muss man wirklich sagen. Alles wirklich unfassbar top. Das Einzige was halt nicht so schön war, es gab keine freien Tage zwischendurch, so zum Durchatmen und Kräfte sammeln ist keine Zeit. Und an dem einen Tag, wo man durchatmen konnte, ging es einem noch schlechter, weil man darüber nachgedacht hat „Wie geht´s mir eigentlich?“. (lacht)

Katie: Gab es irgendein Erlebnis das dir jetzt in Erinnerung bleiben wird, weil du dir denkst das war so ein Schlüsselerlebnis?

Tim Neuhaus: Also da gab es ein paar schöne Momente auf der Bühne mit den Musikern. Aber das war zu erwarten, dieses Teamwork, das auf der Bühne mit den anderen Musikern. Aber diese Publikumsreaktion. Also ich habe es auf meinen Konzerten noch nicht erlebt, dass die Leute so getanzt haben. Und wie sie teilweise, wenn wir dann ins Publikum gehen und von dort aus mal einen Song spielen… Es war einfach so mitreißend, wie viele sich so haben mitreißen lassen. Und wie das wirkte. Also das waren wirklich schöne Momente. Es ist halt eine Big Band. Und eine Big Band mit vielen Menschen, das mögen die Menschen. Wenn mehr Menschen zusammen sind und etwas machen, ist das immer noch mal eine andere Sache.

Katie: Hast du das Gefühl besonders auf das Publikum achten zu können, weil du nicht die ganze Zeit im Mittelpunkt stehst?

Tim Neuhaus: Tim-Neuhaus-Tour-ofTours_0268-1Ja, das fällt bei diesem Projekt leichter, weil es 5 Frontmänner sind die sich das teilen. Und eigentlich ist man nicht die ganze Zeit Frontmann. Wir spielen nur 4 Lieder von mir. Insgesamt sind es 25 Songs, oder eigentlich nur 23. Weil wir einen wiederholen und unsere Heta, die Geigerin auch ein Lied singt. Dadurch sind es wahnsinnig viele Songs. Aber man hat so viel Zeit zum Gucken und wir haben auch einen Song wo alles plötzlich Anarchie ist. Wo der Ryan, das ist die zweite Hälfte von Ian Fisher, wo er so die Musikervorstellung macht. Dann gibt es ein Lied, das spielen wir immer 10 Minuten und der macht das immer anders. Er animiert die Leute, das wird plötzlich zu einer Varietät-Klaumauk-Show. Und da kann man sich wirklich einfach nur zurück lehnen und passieren lassen. Also für mich ist es so: ich trage ganz wenig bei, 4 Liedchen. Und dann spiele ich bei den anderen mit. Aber für das Publikum ist es trotzdem viel. Die kriegen diese Lieder von jedem geschenkt. Und dann auch noch, dass jeder bei jedem mitmacht. Also man fühlt sich komplett erkannt, aber man gibt nicht so… Kennst du ja vielleicht auch, wenn man im Mittelpunkt ist und man muss selber plötzlich eine Stunde selber reden, dass das total anstrengend ist. Und das ist es jetzt gerade nicht. Es ist wahnsinnig entspannend.

Katie: Wie war das eigentlich mit der Songauswahl, habt ihr die selber vorgeschlagen?

Tim Neuhaus: Jeder ging so glaube ich in sich und hat sehr gut überlegt, welche 4 Songs bilden denn so einiger Maßen das, was du machst am besten wieder. Und unterscheidet sich noch genug von dem, was der andere macht. Dadurch, dass wir Freunde sind, kennen wir ja auch die Atmosphäre und den Planeten des Anderen. Und dann haben wir versucht „ Ah okay, dann ist das meine Stärke, die kann ich durch die Kombination von den Songs rausholen. Und dann macht er so das…“ und dann haben wir das einfach so gemacht. Manche Lieder sind in einer komplett anderen Version entstanden, durch 10 Leute, was ja auch spannend ist. Also, im Vorfeld hat das jeder für sich entschieden, nicht im Kollektiv.

Katie: Ihr habt euch also nicht die Lieblingslieder des jeweils anderen herausgesucht; welche, die unbedingt dabei sein mussten?

Tim Neuhaus: Doch stimmt, ich wollte „As Life Found You“ auch nicht spielen, eigentlich. Aber den wollten die Jungs. Und dann habe ich gesagt, okay, wenn die Jungs den auch schon kennen ist der Aufwand nicht so groß das jetzt zu lernen. Ich habe auch gemerkt, dass die Leute… Es ist wahrscheinlich ein Fluch, dass ich den Song nicht so schnell loswerde. (lacht)

Katie: Aber du hast jetzt noch keinen Verdruss dabei, wenn du das Lied immer wieder spielen „musst“?

Tim Neuhaus: Nicht bei so einer Party. Da habe ich das Gefühl, och jetzt freue ich mich wieder drauf.

Katie: Wenn du ihn bei deinen eigenen Konzerten spielst – ist es dann eher so „Och jetzt nicht unbedingt.“?

Tim Neuhaus: Ja, ich denke so für mich selbst im Vorfeld „Es wäre schon schön zum Schluss das Kompliment zu kriegen auch ohne den Song, dass es ein tolles Konzert war.“ Aber es gibt Leute die tatsächlich auch wegen diesem Song noch zu einem Konzert kommen. Aber ich will jetzt überhaupt nicht heulen. Am Ende spiele ich den natürlich auch gerne.

Katie: Tim-Neuhaus-Tour-Of-Tours.jpgDas ist eben so ein bisschen die Fluch-Seite von bekannten Songs… Gab es irgendwas, was vielleicht ein bisschen schief gelaufen ist, oder etwas was vorher nicht absehbar war?

Tim Neuhaus: Die Krankheiten. Dadurch, dass eine Stunde vorher der Florian absagt und ich plötzlich Schlagzeug spielen muss – das ganze Programm, ohne proben, einfach so. Die ganzen Songs, wo er eigentlich Schlagzeug spielt, dass es jemand anderes macht. Das sind so Kleinigkeiten, die aber nicht den Abbruch getan haben. Das hat immer geklappt. (kurze Pause) Sonst noch was? Nur wenn man so richtig schön im Arsch ist, dann kommt man hier nach Dresden und muss das ganze Equipment 3 Treppen hochtragen. Da denkt man so „Ohh, gleich lege ich mich erst mal hin.“ Nein, da gibt es keinen Aufzug. (lacht) War nicht schlimm. Ich muss gerade überlegen. Es ist jetzt auch wirklich so viel passiert in diesen zwei Wochen, dass mein Kopf jetzt gerade so voll ist. So richtig wirken lassen konnte ich es auch nicht, noch nicht. Und mir fallen viele Sachen vielleicht auch erst im Nachhinein ein. Es ist halt wirklich so zack, zack, zack – abbauen, jetzt schlafen. Die letzten Tage waren wir wirklich so kaputt. So eine Erschöpfung habe ich glaube bislang nur bei jungen Vätern erlebt, die ein Kind haben.

Katie: Als du gerade sagtest, dass alles Schlag auf Schlag kommt und du gar keine Zeit zum richtigen Verarbeiten hast… Ihr habt nebenbei bestimmt immer Videos drehen lassen?

Tim Neuhaus: Ja, wir haben einen Kameramann dabei. Und wir wollen im schönsten Fall diese Tour ein bisschen dokumentieren. Das wir da vielleicht so ein kleines Thema haben wie „5 kleine Bands setzen sich zu einer zusammen und werden so zu einem kleinen Monster, oder ein etwas größeres Monster und bewegen etwas zu fünft mit vereinigten Kräften“. Und das wollen wir dokumentieren. Ich glaube das macht auch Sinn. Mal gucken, vielleicht wird es ein Film, eine kleine Dokumentation? Wir haben auf jeden Fall schon schönes Bildmaterial.

Katie: Gibt es irgendwas, worauf du dich total freust, wenn die Tour vorbei ist?
Tim Neuhaus: Ja. Ich habe mich noch nie so auf freie Tage gefreut. Seit Langem nicht mehr. Für mich fängt danach wirklich etwas Neues an. Ich bin dabei ein neues Album zu planen. Und nach dieser Inspiration jetzt von dieser Tour wird das sicherlich auch etwas verändern in meinem Kopf, als das vor zwei Wochen noch aussah. Da bin ich mal gespannt wie sich diese Gedanken so ordnen. Dann ist auch wieder etwas mit Clueso, der macht ja auch keine Pause (stöhnt und lacht). Und dann freue ich mich eigentlich jetzt auf so zwei Wochen etwas weniger. Dann geht es auch schon weiter mit Sachen. Cluesn nimmt jetzt noch ein Single auf.

Katie: Bist du als Trommel-Schlumpf dabei?

Tim Neuhaus: Da bin ich dann als Trommel-Schlumpf dabei.

Katie: Das hat Tex (Moderator von TV Noir, Anm.d.Red.) mal gesagt.

Tim Neuhaus: Ja stimmt, Trommel-Schlumpf. Ja, weil ein Schlumpf ist ja blau. Und ich glaube er hat sich da auf die Blue Man Group bezogen.

Katie: Ja, genau. Lass uns mal zum Thema Festivals kommen.

Tim Neuhaus: Deichbrand, Rock am Ring, da freue ich mich wahnsinnig drauf!

Katie: Seid ihr dabei?

Tim Neuhaus: Ja mit Clueso. Da freue ich mich drauf, weil ich hab noch nie bei Rock am Ring gespielt. Und ich wollte meinen Brüdern immer mal sagen, „Ich spiele am Rock am Ring!“ Mit Foo Fighters wahrscheinlich. Da freue ich mich schon drauf. Den mag ich ja auch.

Katie: Hast du selber irgendwelche Lieblingsfestivals, sei es als Künstler oder als Besucher?

Tim Neuhaus: Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es tatsächlich komplett genossen habe letztens auf dem Hurricane – und das andere Southside, fand ich schön. Einfach mal dabei zu sein. Sowohl zu spielen als auch Bands sich anzuschauen. Aber ich mag auch sowas wie Traumzeit. Das ist so ein kleineres. Das mag ich auch, wenn Jazz, Pop, Indie, Songwriter, Big Band oder so, wenn das alles ein bisschen zusammen kommt. Das fand ich super. Also ich mag Festivals wo die Stilrichtungen etwas weggehen, von diesem Indie-Rock-Mainstream-Ding. Weil ich ertrage nach 3 harten Bands jetzt nicht noch 3 andere harte Bands. Dafür bin ich nicht mehr gemacht, werde ich jetzt wahrscheinlich auch zu alt. Aber ich genieße wirklich so die bunte Mische. Kleinere Festivals, wo es nicht ganz so Krach macht, aber wo Elektro und vielleicht ein paar Solokünstler spielen. Das finde ich richtig gut. Das ist am schönsten eigentlich. Wo man nicht so schnell satt wird. Oder es ist auch eine schöne Location – Traumzeit hat echt einfach eine schöne Location.

Katie: Ist das so dein Insider Tipp?

Tim Neuhaus: Kann man jetzt mal so sagen. Das wäre so mein Tipp. Das war das letzte wo ich mich richtig wohlgefühlt habe.

Katie: Tim-Neuhaus-Tour-Of-Tours_Beatpol.jpgEine Abschlussfrage vielleicht noch. Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?

Tim Neuhaus: Wie bin ich dazu gekommen?

Katie: Gitarre lernen um Mädchen zu beeindrucken?

Tim Neuhaus: Nee, Klavier war das erste. Das habe ich auch ganz schnell gehasst. Aber da bin ich sehr dankbar, dass meine Mutter mich da so ein bisschen hin gescheucht hat.

Katie: Wie lange musstest du spielen?

Tim Neuhaus: Ich hab das bestimmt sechs, sieben Jahre lang gemacht. Ich hatte erst bei einer 80-jährigen Unterricht. Die ist dann gestorben nach zwei Jahren (atmet erleichtert aus und lacht). Und dann musste ich nicht mehr zu ihr, Gott sei Dank. Dann bin ich zu einem Mann gekommen, der war total nett und weich. Und der fand es auch immer total egal, ob ich jetzt geübt hatte oder nicht. Meistens habe ich ja nie geübt. Und der hatte einen Sohn. Nein, erst hat der erkannt, dass ich Schlagzeug liebe. Und der hat mich dann zum Schlagzeug gebracht. Da hatte ich dann Klavier- und Schlagzeugunterricht gleichzeitig. Irgendwann habe ich dann seinem Sohn, vom Klavierlehrer, Unterricht gegeben, meinen ersten Unterricht, den ich schon mit zwölf gegeben habe.

Katie: Wie alt war er?

Tim Neuhaus: Er war 6. (grinst) Und der ist heute einer der größten Nachwuchstalente am Jazz Klavier Deutschlands. Pablo Held heißt er. Was der alles macht. Der ist ganz international am Start. Der erste Schüler, dem ich mit 12 Jahren den ersten Schlagzeugunterricht gegeben habe, der ist jetzt so ein Klavierheld. Das finde ich total Wahnsinn. Und so bin ich dann über das Schlagzeugspielen, das war die große Liebe… Dann hat mir mein Bruder irgendwann einen Vierspurrekorder geschenkt. Und dann wurden Bands wie Smashing Pumpkins, Nirvana, so die ganze Grunge, Seattle, 90er Schiene war dann so. Und so wollte ich sein, so wollte ich die Welt sehen. Aus diesem Blickwinkel. Dann kam ich so zur Musik. Die Leute konnte ich aber nicht da finden, wo ich gelebt habe, mit denen ich so Musik machte. Dann habe ich irgendwann gedacht, wenn ich nicht dieses Umfeld habe, dann muss ich wahrscheinlich irgend sowas studieren, wo Leute sind die das auch machen. Dann ist das Weimar gewesen. Dann habe ich plötzlich Jazz studiert, obwohl das auch nicht so mein Plan war. Und dann war das aber super. Also ich liebe die Tatsache, dass ich Jazz studiert habe und sozusagen mit etwas zu tun hatte, worauf ich vorher keine Lust hatte. Aber da habe ich gemerkt, und genau das gelernt, was ich heute an Musik liebe. Wenn man so das Detail irgendwie… Leute die tiefer gehen als nur schramm, schramm, schramm und (gröhlt „Yeahhh!“) irgendwann hat es sich mal ausgebrüllt. Du weißt was ich meine… Ich bin so froh mal mit anderen Menschen zu reden! (lacht (ein bisschen hysterisch))

Katie: So ein bisschen Lagerkoller ist schon?

Tim Neuhaus: Ja, genau, Lagerkoller. Ich oute mich, hab kein Problem das zuzugeben! …und morgen ist es schon vorbei.

Katie: Ja, morgen das große Finale in Berlin. Ist das eigentlich die größte Location?

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Katie: soll das mit dem Loch in der Gitarre so sein? Tim: Es war keine Absicht, aber jetzt erwische ich mich manchmal beim… Tim nimmt das Plektrum und schrammt in dem Gitarrenloch rum …es soll ganz groß werden diebisches Grinsen

Tim Neuhaus: Ja, aber ich glaube wir haben mit Köln und Hamburg schon die Rekorde gehabt. Da hatten wir schon über 500 Leute, richtig schön. Und morgen werden wir vielleicht da dran kommen, aber nicht ganz so. Berlin ist ja ein bisschen eitler wenn es darum geht. Berliner sind ja so verwöhnt, so Konzert-verwöhnt. Das sind so die coolen, die müssen nicht auf jedes Konzert gehen was groß angekündigt wird.

Katie: Deswegen mag ich kleinere Clubs auch viel lieber. Also Beatpol, finde ich, ist eine super Größe.

Tim Neuhaus: Auf jeden Fall, total super. Finde ich selber auch.

Katie: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Festivalhopper-KerstinDas Interview führte Festivalhopperin Katie. Katie hört gern Singer- / Songwritermusik, egal ob deutsch- oder fremsprachig, am liebsten aber solche, die man aus TV Noir kennt. Ihre beiden Lieblingsfestivals 2015 werden wohl das Traumzeit in Duisburg und das Citadel Music Festival in London sein, die sie auch für Festivalhopper besuchen wird. Sie steht auf Konzerte, mag es wenn große Menschen Rücksicht auf platzsparende Menschen nehmen, findet kribbelige Stimmung bei Livemusik super und Männer mit Gitarre, Anm.d.Red. ;)

Hier könnt ihr Euch weitere Festivalhopper-Interviews anschauen.

 

Alles über Tim Neuhaus gibt’s unter www.tim-neuhaus.de, bei Facebook, bei Instagram und twitter.

 

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