Die Liebhabernummer – So war das Maifeld Derby 2016

News am 9. Juni 2016 von Claudia

maifeld derby 2016Zurecht wird das Maifeld Derby Festival, das am letzten Wochenende vom 03. bis 05. Juni in Mannheim ausgetragen wurde, in engen Kreisen als Liebhaber-Festival bezeichnet. Was im ersten Moment vielleicht etwas eingebildet klingt, erweist sich nach einem Wochenende auf dem Maimarktgelände schnell als ziemlich treffende Bezeichnung.

Festivalreporter Christian und Claudia haben sich das Ganze mal angesehen und ihr Festival-Wochenende dokumentiert.


Wie bei allen Festivals an diesem ersten Juni-Wochenende, war auch in Mannheim das Wetter sehr durchwachsen. Von praller Sonne bis heftiger Gewitter und Regenfälle hat der Wettergott gezeigt, was er drauf hat. Nicht so schlimm, wie bei Rock am Ring, dennoch heftig genug, um die Warnungen der Feuerwehr sehr ernst zu nehmen und schließlich den Campingplatz in der Nacht zum Montag ganz zu schließen und Notunterkünfte einzurichten.Maifeld Derby 2016

Dennoch arbeiteten das Wetter und der Timetable letztlich Hand in Hand, so dass nur wenige Konzerte komplett ausfallen mussten. Zum Glück handelt es sich beim Maifeld Derby zudem um ein Zeltfestival, sodass es nur eine Bühne im Freien gab und somit alle Gäste sich meistens im Trockenen aufhalten konnten.

So startete das Festival am Freitag

Bei der Ankunft am Freitag fiel als gleich auf, dass es sich um ein überschaubares Festival handelt. Durch die Stadtnähe zeltete nur ein kleiner Teil der geschätzten 4500 Festivalgäste, der Rest kam einfach täglich dazu. Nachdem der letzte Hering im Boden war, erkundeten wir direkt das Maimarktgelände, einer Pferderennbahn. Der geringe Platz wurde optimal genutzt, um die insgesamt vier Bühnen unterzubringen und dennoch genügend Raum für allerhand Stände und ruhige Ecken zum Entspannen zu gewähren.

liimaMusikalisch begann das Festival für uns mit der Band Liima. Liima, so nennt sich das neue Projekt der drei Dänen von Efterklang, die mit ihrer hörbaren Weiterentwicklung das tanzende Publikum in entspannte Sphären versetzte. Weiter ging es direkt mit einem Highlight des Neben-Programms.

Die Londoner Rapperin Kate Tempest kam diesmal ohne Band, um ihren Roman „The Bricks Tha Built The Houses“ vorzustellen. Neben Textstellen aus ihrem Buch präsentierte sie ebenfalls einige ihrer älteren sozialkritischen Reime und stellte sich außerdem den Fragen eines mitgebrachten Interviewers und abschließend noch denen des Publikums. Die Themen waren mit Fragen nach ihren literarischen Favoriten und ihrer Meinung zu der Europäischen Union breit gefächert. Souverän, und aus einem sehr persönlichen Standpunkt heraus, beantwortete sie alle Fragen und empfing nach jeder Antwort begeisterten Applaus.

Hungrig erkundeten wir danach die Essensstände, die sich aus der Mannheimer Streetfood-Szene zusammensetzte. Ob Thailändisch, Fallafel-Wraps oder Pulled Pork Sandwich, alles gab es ebenfalls als vegetarische Version und wurde frisch vor den Augen der Gäste zubereitet. Der obligatorische Handbrotstand durfte natürlich auch nicht fehlen. Bezahlt wurde mit der festivaleigenen Währung, dem Derby-Dollar.

käptn pengNach der kurzen Rast legten auch sogleich Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi los. Schauspieler und Wortkomponist Robert Gwisdek aka Käptn Peng hatte die Zuschauer von Anfang an auf seiner Seite und rappte sich durch die Bandgeschichte. Bei bandeigenen Klassikern wie „Der Anfang ist nah“, „Sockosophie“ und „Sie mögen sich“ bekam er gesangliche Unterstützung vom gesamten Publikum, während die Tentakel von Delphi – genreuntypisch – die Beats allesamt analog erzeugten.

Weiter ging es für einen Abstecher ins große Zirkuszelt, wo der erste Headliner Flume die Masse mit seinen Elektro-Beats beschallte. Zeitgleich konnte man im kleineren Zelt gegenüber den Post-Hardcore der Kanadier von Metz erleben. die-nerven-maifeld-2016Hier zeigt sich auch deutlich die gekonnte Mischung der Genres auf diesem Festival. Hier findet jeder seine eigenen musikalischen Highlights und Vorlieben bei einem Line-up von 70 Bands an einem Wochenende wider.

Nach Metz bestiegen Die Nerven die Bühne und präsentieren euphorisch ihr neues Album Out. Nicht nur bei medienwirksamen Hits wie „Barfuß durch die Scherben“ ging das Publikum voll mit und bildete einen Moshpit nach dem anderen.

Abschließend konnte man geschützt vor dem einsetzenden Regenschauer gleich vor der Bühne bleiben und die Show von Sänger und Multiinstrumentalist Cosmo Sheldrake miterleben. Der junge extrem talentierte Brite erzeugte seine Beats aus selbst aufgenommenen Alltagsgeräuschen und improvisierte fast jeden Song.

Weiter ging’s am Samstag mit bunten Programm …

Der Samstag bescherte uns nach einer verregneten Nacht ab Mittag erst mal eine geballte Ladung Sonnenschein und Hitze, sodass der ein oder andere Festivalbesucher sich direkt einen Sonnenbrand holte. Musikalisch startete unser zweiter Festivaltag mit dem Auftritt des neuen Stars am Post-80ies-Pop-Himmel Drangsal. Kaum ein Album draußen schießt der Jungspund schon durch Deutschlands Konzerthallen und versetzte uns kurz drei Jahrzehnte in die Vergangenheit. Der Ohrwurm von Allan Align hat es bis mindestens Sonntag in den Kopf geschafft.

minor-victories-1-maifeld-2016Danach feierten Minor Victories ihre deutsche Festivalpremiere im Palastzelt. Hierbei handelt es sich um eine neue sogenannte Supergroup bestehend aus der Sängerin von Slow Dive, dem Gitaristen von Mogwai sowie dem Bassisten von Editors und einem Schlagzeuger. Bei der Live-Premiere ihres tags zuvor erschienenen Albums wirkte die Kombo noch etwas aufgeregt, aber bereits nach dem dritten Song hatten sie schon richtig Fahrt aufgenommen und Frontfrau Rachel Goswell hat alle mit ihrem Lächeln verzaubert. Wir würden sagen, die Premiere haben sie gut über die Bühne gebracht!

Zwischen Minor Victories und dem nächsten großen Act, nämlich zu Explosions In The Sky, schafften die Programmmacher einen recht fließenden Übergang, den wir nur mit einem kurzen Blick auf die Rocker von Kadavar unterbrochen haben. Explosions In The Sky erzählen mit ihrer Musik Geschichten zum Mitfühlen. Unterstrichen wird das ganze Spektakel durch eine einmalige Bühnenlichtshow, die in einem einprägsamen Regenbogenfächer ihren Höhepunkt fand.

Danach mussten wir uns erst mal hinsetzen und haben uns die sehr soulige Stimme des Schweden Elias im Parcours D’Amour angehört. Der Newcomer erinnert ein bisschen an Kwabs und Jungle und ist dennoch ganz eigenständig unterwegs. Vermutlich werden wir in Zukunft noch sehr viel von ihm bei Spotify oder im Radio hören.

james_blake_maifeld_2016Als Headliner des Samstagabends schloss James Blake unseren Konzertmarathon ab. Sehr höflich und gleichzeitig immer etwas schüchtern präsentierte er einige Stücke aus seinem kürzlich erschienen Album, sowie seine Klassiker wie Life Round Here und Limit To Your Love, sodass sich das Publikum zwischen Klavierkonzert und Rave kaum entscheiden konnte.

Zum Abschluss am Sonntag noch mal heftig mit Gewitter

Da der Sonntag ein etwas kürzeres Programm zu bieten hatte als an den Vortagen, machten wir uns bereits am frühen Nachmittag zum Festivalgelände und starteten mit den Kanadiern von Suuns, die im Palastzelt ihre derzeitige Konzertshow darboten. Ihre Musik lässt sich als wilde Mischung zwischen Elektro, Rock, Indie und Experimentellen beschreiben.

Anschließend spielten Algiers aus Atlanta. Diese Band kreiert eine verrückte Mischung aus Rock mit Erinnerung an Gospelgesang. Sie heizten die Fackelbühne so richtig ein und gewannen auf jeden Fall ein paar neue Fans dazu.

destroyer-maifeldEbenso dürfte es den Zuhörern von Destroyer ergangen sein. Die achtköpfige Band rund um Sänger Dan Bejar spielte einmal quer durch ihr Repertoire und schreckte auch vor dem 11-Minüter Bay of Pigs nicht zurück. Leidenschaftliche Popsongs mit einer Briese Saxofon und direkter Wortwahl in den Songtexten erwärmten schnell die Herzen des eher rockverwöhnten Publikums an diesem Festivalsonntag.

Anschließend ging es dann gleich knallig weiter mit den nerdigen Sounds von Battles. Ungewöhnlich hoch hing das Becken vom Schlagzeuger und genau so ungewöhnlich hörten sich die live gemixten Beats auch an.

dinosaur_8_maifeld_2016Darauf folgte der Magnet aller Rockerherzen von Jung bis Alt. Die Indierock Legenden Dinosaur Jr. kamen mit neuen Songs vom bald erscheinenden 11. Album auf die Bühne. Daneben glich die Setlist mit „Little Fury Things“ „Freak Scene“ „The Lung“ und dem obligatorischen The Cure Cover einem Best of. Gewohnt schweigsam lies J Mascis ein Solo nach dem anderen in die Songs einfließen und störte das glückliche Publikum nur mit zwei kurzen genuschelten Ansagen.

Kaum hatten Dinosaur Jr. die Bühne verlassen, kam der heftigste Gewitterschauer des Wochenendes runter und alle stürmten direkt zum Headliner-Konzert von Daughter ins große Zelt.

daughter_maifeld_2016Alle weiteren Shows mussten leider abgesagt werden und so endete für jeden dagebliebenen Gast das sechste Maifeld Derby mit der zarten Stimme von Daughter. Auch hier zeigten die Programmmacher ein geschicktes Händchen, denn mit Daughter wurde der bevorstehende Abschluss des Festivals wunderschön durch die melancholischen Melodien zelebriert und man konnte alle Momente des Wochenendes noch ein Mal entspannt Revue passieren lassen.

 

Fazit: Fahrt nächstes Jahr unbedingt hin, wenn ihr ein super entspanntes Festival mit perfekter Musikauswahl zwischen Klassikern und Newcomern erleben wollt!

 

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2 Kommentare zu “Die Liebhabernummer – So war das Maifeld Derby 2016”

  1. Nummer 1: Zuckerstückchen Line-up beim Maifeld Derby 2017 komplett! sagt:

    […] du immer noch Fragen hast oder etwas Überzeugung brauchst, vielleicht hilft dir dann unser Bericht aus dem letzten Jahr. Die Maifeld Derby Tickets gibt es noch für 95€ für das gesamte Wochenende. Tagestickets sind […]

  2. Nummer 2: Ein Wochenende voller Musik beim Maifeld Derby 2017 sagt:

    […] im letzten Jahr waren wir vom Maifeld Derby total begeistert. Voller Vorfreude haben wir uns auch in diesem Jahr wieder auf auf das […]

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