“Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett” – Broilers Interview mit Andi & Chris

News am 29. Juli 2014 von Gabriel Flöter

Andi-Yvonne-Chris-BroilersIm Vorfeld des grandiosen Broilers Konzert in Dresden am 25. Juli 2014 hatten wir letzen Freitag die Gelegenheit für ein Interview mit Andi und Chris von der Band. Den Konzertbericht “Gänsehaut bei den Broilers in Dresden” könnt ihr passend dazu auch noch lesen.

Hier kommt nun das Interview mit Andreas “Andi” Brügge (Mitbegründer und Schlagzeuger der Band) und Christian “Chris” Kubczak (Keyboard/Orgel) – auf dem Foto v.l.n.r mit Yvonne.


Hallo und herzlichen Glückwunsch noch zum zwanzig jährigen Jubiläum.
Wie war der Soundcheck?

Andi: Der Soundcheck war schön, wir hatten ja gestern schon so etwas wie eine kleine Probe beim Wohnzimmerkonzert, das wir vor drei Jahren verlost haben. Wir wollten da eigentlich schon vor einer ganzen Weile spielen, da ist aber immer etwas dazwischen gekommen, dann wurde die junge Lady auch noch schwanger und neulich sagte sie “nächsten Monat ziehen wir aus, davor können wir das machen” und da haben wir vor 30 Leuten in Annaberg Buchholz gespielt. War eine gute Party.
Chris: Danach gab’s noch eine Party im Jugendheim, das sie gemietet hatten … wie früher.

Broilers-Dresden-2014Andi, hättest du dir zur Gründung der Broilers 94 jemals diesen Erfolg vorstellen können, welcher, gerade auf Grund von Santa Muerte und NOIR auch außerhalb der Punkrock/Oi! Szene, entstanden ist.

Andi: Sammy und ich haben das ganze Ding ja schon 92 gestartet, damals aber noch unter einem anderen Namen, da waren wir 12 und haben wir uns das schon genauso ausgemalt, NA KLAR!!! (lacht). 95/96 als das Ganze dann in die Oi! Richtung ging, da war das völlig utopisch, wir haben da aber auch nicht drauf hin gearbeitet, man war froh eine Szeneband zu sein. Und man hat nicht dran gedacht auch mal außerhalb dieser Szene bekannt zu werden. Hat sich in den letzten 20 Jahren so entwickelt und wir sind happy, wie es gerade läuft.

Wie steht ihr zu Aussagen vieler langjähriger Fans, dass die Broilers seit Santa Muerte nicht mehr das sind was sie mal waren?

Chris: Das ist richtig! (lacht) Wir sind nicht mehr die Band die wir mal waren, einfach weil man sich in den Jahren entwickelt hat.
Andi: Die Menschen haben sich aber im Grunde nicht verändert, lediglich die Musik. Gerade als Noir raus kam, gab es viel Gegenwind aus der Szene, das tut schon manchmal weh. Wir lassen uns aber von niemandem vorschreiben wie wir klingen, weder vom Label, noch von der Szene, die sich wünscht, dass wir für immer klingen wie 1996. Man wird aber auch Erwachsen, hat andere Probleme und da wäre es verstellt, wenn man immer noch die gleiche Musik mit den gleichen Texten machen würde.
Als 16 jähriger Skinhead wollte ich meine Lieblingsband am liebsten auch immer nur für mich allein haben und da war es uncool, wenn die Gruppe, die man mochte, eine große Band war. Man hat auch nicht gesagt, dass man Die Toten Hosen geil findet, die hat man heimlich im Keller gehört.
Chris: Es ist nicht so, dass man sich von dem lossagt was man mal gemacht hat, wir verleugnen ja nicht unsere Wurzeln.

Broilers-Dresden-2014-SammyGab es einen ausschlaggebenden Grund für den krassen Wandel der musikalischen Stilrichtung? Hat euer Label gesagt, dass ihr das so und so machen sollt?

Andi: Das Label hat da künstlerisch gar kein Mitspracherecht, die bekommen die fertige Platte und muss damit arbeiten. 
Chris: Die Leute sagen immer, dass Noir so eine ruhige Platte ist, wenn wir es aber so gemacht hätten, wie das Management es wollte, dann wäre Noir viel rockiger geworden.

Gibt es bereits Pläne an einem neuen Album und in welche musikalische Richtung soll es gehen? Back to the roots oder dem neuen Stil folgen?

Andi: Pläne gibt es sehr viele, wir planen immer sehr viel, ob’s dann genauso wird, ist eine andere Sache. Wir haben uns im Proberaum schonmal zusammengesetzt und gesagt, dass ist die Grenze, noch poppiger und noch ruhiger wird‘s nicht. Wäre cool, mal wieder ein härteres Album zu machen.
Chris: Vielleicht. wird’s auch noch poppiger. (lacht)
Andi: Man hat keinen Masterplan in welche Richtung es gehen soll, man schreibt Lieder und schaut, in welche Richtung sich das dann entwickelt..
Andi: Beispiel Noir, Songs wurden in verschiedenen Stilen ausprobiert und das, was besser gefiel, wurde dann genommen.

Broilers-Dresden-2014-RonWas sagt ihr zu Leuten, die euch mit Frei.Wild auf eine Stufe stellen, da ihr ja beide
“Deutschrock” macht?

Andi: Nööö, machen wir nicht!!! 
Erstmal finden wir dieses Label „Deutschrock“ abartig, denn Deutschrock war damals Peter Maffay und das, was die da heute als „Deutschrock“ verkaufen, ist Burschenschafts-Mukke mit konservativen Texten. Dafür haben wir nichts übrig und zählen uns auch nicht dazu, wir kommen klar aus dem Punkrock Bereich. Unsere Wurzeln sind uns sehr wichtig. Bei den heutigen Deutschrockern habe ich häufig das Gefühl, dass ihnen „Deutsch“ wichtiger ist als „Rock“.
Chris: Ich würde die gar nicht in diese Nazi Ecke schieben, das ist einfach konservative rechte Musik, und mit rechts meine ich nicht Nazi sondern das rechte Spektrum konservativer Gedanken, das kann man nicht leugnen. Das ist nicht unser, wir sind weder patriotisch, noch nationalistisch veranlagt.

Wer sucht die Vorbands bei euren Shows aus?

Andi: Das machen tatsächlich wir. Wir setzen uns zusammen, schmeißen alle Vorschläge in einen Topf, gucken wer Zeit hat und wen wir uns leisten können.

Wie kam es zur “Zusammenarbeit” mit Feine Sahne Fischfilet und ihrer doch sehr extremen Einstellung?

Andi: Die hab ich mal auf einem Festival kennengelernt. Monchi saß beim „Kein Bock auf Nazis“ Stand, wir haben gequatscht und T-Shirts getauscht und noch am gleichen Abend gesagt, dass wir sie mal mitnehmen müssen. Das sind unfassbar nette Menschen!

Broilers-Dresden-2014-SammyWie haben die auf eure Anfrage reagiert? Wart ihr denen auf Grund eurer Oi! Herkunft vllt. zu unpolitisch?

Andi: Nein, überhaupt nicht. Wir finden ja mittlerweile auch abseits der Szene statt und es ist uns wichtig, eine klare politische Botschaft zu haben. Deshalb waren die Jungs gleich Feuer und Flamme. Wir waren uns wie gesagt auf Anhieb sympathisch und unsere gemeinsamen Konzerte haben uns allen von Anfang an viel Spaß gemacht.

Wie steht ihr zu diversen Liedern eurer “Jugendzeit”, in denen es um die Gleichstellung von rot und braun bzw. dem KKK und der Antifa geht?

Andi: Dieses Lied, wovon du gerade sprachst, „69 77 88“mit der Zeile „Komm und halt dein Maul, KKK und die verdammte Antifa“, spielen wir gar nicht mehr, genau wegen dieser Textstelle. Wir waren 16 und haben selber unsere Erfahrung in der Antifa gemacht und waren enttäuscht. Natürlich nur von einer Gruppe von Menschen in unserem Umfeld, man darf die Antifa nicht verallgemeinern, dieses Lied ist aus Frust und Unwissenheit entstanden. Sowas würden wir heut nicht mehr schreiben oder spielen. Und Fackeln im Sturm war geprägt von diesem Oi! Ding. Man wollte nicht zu politisch sein, wir haben uns jedoch damals schon Links von der Mitte gesehen. Wir haben gegen beide Extreme gesungen aber unsere politische Einstellung war ganz klar immer links, nicht rechts.
Chris: Wenn man sich nicht klar positioniert, dann verstehen die Leute dieses Unpolitische nicht, dann sind Rechte und Linke auf den Konzerten, worauf wir natürlich keinen Bock hatten.

Feine Sahne Fischfilet nehmen euch diese Lieder also nicht für übel?

Andi: Ich weiß gar nicht ob sie die alten Texte überhaupt kennen. (lacht) 
Chris: Wie Andi schon sagte, waren wir ja immer klar links und antifaschistisch eingestellt, haben das nur Anfangs in unseren Texten nicht so zum Ausdruck gebracht.
Andi: Es ist, glaub ich, wichtig, dass es Bands wie uns gibt, die sich aus einer Szeneband mehr Richtung „Mainstream“ entwickelt hat, weil wir dadurch einfach viel mehr Menschen erreichen als früher, wo wir genau die Menschen angesprochen haben, die sowieso schon so gedacht haben wie wir selbst. Von daher macht es Sinn, dass wir uns jetzt positionieren und klare Statements bringen, das war auch der Grund dafür, “Ich will hier nicht sein” als Single auszukoppeln.
Chris: Gerade weil momentan dieser Rechtsruck durch die Gesellschaft geht, muss man dem Bürger Denkanstöße liefern und die Dinge nicht einfach so passieren lassen.

Broilers-Dresden-2014-InesHabt ihr die WM verfolgt oder gar mit gefiebert? Wenn ja, wie und was haltet ihr von diesem Party Patriotismus der Deutschen? 

Chris: Mitgefiebert habe ich nicht. 
Andi: Ich hab mir die Spiele im kleinen Rahmen angesehen. Ein Spiel haben wir auf dem Greenfield Festival gesehen und die Stimmung kippte dann sehr schnell und es wurde sehr ekelig, als Deutschland in Rückstand geriet, von daher hab ich keine Lust auf solche Massenevents.
Chris: Wir halten auch nichts von diesem Patriotismus, es ist ok seinem Verein oder seine Nationalmannschaft zu unterstützen aber nicht dieses Deutschtümeln
Andi: Wir sind aber generell nicht so sportbegeistert…Curling guck ich mir ganz gerne mal an.

Da wir von Festivalhopper sind, jetzt noch die wichtigsten Fragen für unsere Leser.
Wo spielt ihr lieber, auf einem Festival, auf einer Tour oder habt ihr es lieber etwas familiärer bei einer kleinen Clubshow?

Andi: Ja, Ja und Ja, wir haben das Glück im Sommer auf Festivals zu spielen, in großen Hallen auf Tour zu gehen oder auch in kleinen Clubs oder wie gestern bei dem Wohnzimmerkonzert zu spielen, wo dann oft nur die Die Hards vor Ort sind.
Chris: Auf Festivals ist das Flair halt super und ich mag auch die Menschenmassen.Bei der Tour ist man eher mit seiner Familie unterwegs und hat längere Spielzeiten und bei so einem Wohnzimmer Gig ist man natürlich ganz nah an den Leuten.

Broilers-Dresden-2014-RonWorauf freut ihr euch 2014 noch am meisten?

Andi: Open Flair und Taubertal sind zwei unserer Lieblingsfestivals und natürlich das Jubiläumskonzert in Düsseldorf in der Heimatstadt, zwei Abende hintereinander.

Geht ihr bei all den eigenen Auftritten noch selbst zu Konzerten oder gar mal ein ganzes Wochenende auf ein Festival, wenn ja, welches war das Letzte bei euch beiden?

Andi: Festivals eher weniger, weil man auf vielen ja selbst spielt.
Chris: Wenn man den Luxus einer richtigen Toilette genossen hat, dann möchte man das nicht mehr eintauschen.
Andi: Wir sind nicht nur Musiker sondern auch Musikfans.
Chris: Eigentlich wollte ich letzte Woche zu den Generators, was ich aber nicht geschafft habe, davor war ich bei Bela B.
Andi: Bei Chuck Reagan war ich letztens und bei Thees Uhlmann.
Chris: Bei Frei.Wild warst du doch letztens auch?
Andi: Aber nur Fahnen verkaufen, voll den Reibach gemacht.

Was war euer schönstes und was euer schlechtestes Erlebnis während eines Auftritts?

Andi: Österreich in Graz, an Chris Geburtstag, wo niemand kam, das war ein schönes Erlebnis! Der Vorverkauf war völlig in Ordnung aber dann gab es einen richtigen Schneesturm und wir haben vor 50 Leuten gespielt – von 600 verkauften Tickets… Wir haben eine Couch auf die Bühne gestellt und nach und nach die Leute auf die Couch geholt, die sich dann ein Lied auf der Bühne ankucken konnten. Schlimme Sachen gibt es zum Glück nicht mehr so viele, da das alles professioneller wird. Einmal sind wir ins tiefste Österreich gefahren, wo dann der Veranstalter mit der Gage abgehauen ist.
Chris: Wir haben auf Tour gerne Frontbanner, die vor uns aufgehängt werden und beim ersten Lied zu Boden gehen, aber bei einem Konzert funktionierte der Auslöser nicht und dann fingen die Leute an, an diesem Banner zu reißen irgendwann kippte die Stimmung, da auch unsere Crew panisch wurde, als die Leute anfingen Bühnenteile abzureißen.

Broilers-Dresden-2014-Sammy Funktioniert es Familie und Auftritte unter ein Dach zu bringen? Gerade zu Weihnachten?

Chris: Das wird sich noch herausstellen. Wir spielen das letzte Konzert am 23.12 in Chemnitz, dann kommen wir am 24. mittags nach Hause, feiern kurz am Weihnachtsbaum und am 26. geht’s dann wieder los, um am 27. das nächste Konzert zu spielen.
Andi: Generell ist es aber schon ein Job, bei dem man eine Familie haben kann, wir sind ja auch nicht wie die Dropkick Murphys, die ein Dreivierteljahr auf Tour sind, auf der ganzen Welt. Unser Tourplan beschränkt sich ja auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das müssen die Familien irgendwie abkönnen oder sie kommen halt mit.
Chris: Letzten Endes ist es ja auch so, dass wenn man von Tour zu Weihnachten zu Tour übergeht, man ja nur mit anderen Leuten trinkt.

Broilers-Dresden-2014-InesGeht’s heute Abend noch nach Berlin, ins Hotel oder schlaft ihr im Tourbus?

Andi: Chris, du hattest doch einen guten Plan gestern: Durchsaufen! Werden wir vermutlich nicht schaffen. Wir hauen heute Nacht ab und schlafen dann im Bus.
Chris: Wir sind eine Band, die große Freude daran hat, im Bus zu schlafen. Wir pennen lieber und verschlafen die Reise.

Wenn dieses Interview das letzte wäre, was man von euch hören bzw. lesen würde, was würdet ihr euren Fans bzw. all den Menschen mit auf den weg geben?

Andi: Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett, das kann nie falsch sein!!!

 

Wir bedanken uns für die Zeit, die ihr euch genommen habt und wünschen euch gleich noch einen tollen Auftritt.

Andi: Wir bedanken uns auch und wünschen euch viel Spaß.

Spaß hatten wir – hier geht’s zu unserem Konzertbericht von diesem Abend.

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3 Kommentare zu ““Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett” – Broilers Interview mit Andi & Chris”

  1. Nummer 1: So war’s beim Taubertal-Festival 2014 – der Samstag sagt:

    […] Lest hier auch das Broilers Interview, das Festivalhopper Gabi vor zwei Wochen in Dresden führte: “Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett” – Broilers Interview mit Andi & Chris“. […]

  2. Nummer 2: Broilers – live in Würzburg – 29.11.2014 sagt:

    […] Lest auch unser Broilers-Interview mit dem passenden Titel: ““Bier, Bier, Bier, Bett, Bett, Bett” – Broilers Interview mit Andi & Chris“. […]

  3. Nummer 3: Die Broilers mit ihrer (sic!) 2017 Tour im Hexenkessel Halle Münsterland. sagt:

    […] geht’s zum Festivalhopper-Interview mit den Broilers […]

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