Nature One 2011: 4 Tage und 3 Nächte Ausnahmezustand – ein Rückblick

News am 8. August 2011 von Yoda

Ist tatsächlich schon wieder ein Jahr vorbei? Ja, so rennt die Zeit und für alle festivalbegeisterten Menschen ist das auch ein Segen, denn schließlich findet (fast) jedes Festival nur einmal im Jahr statt.

Von der Nature One 2011 (05.-07.08.2011) aus der Raketenbasis Pydna in Kastellaun berichtet Festivalhopperine Daniela.

Die Frage der Arbeitskollegen, wohin es dieses Jahr in den Urlaub geht, konnte ich ganz einfach mit “Hunsrück” beantworten. Überraschende Blicke, denn vermutet wurde ein Deutschlandurlaub. Aber nein, denn Urlaub kann man einen Besuch der Nature One nicht nennen. Erst die Tage nach diesem Festival gelten als Urlaub und den brauch man auch dringend. Nature One bedeutet im „besten/schlimmsten“ Fall wirklich: 4 Tage und 3 Nächte Ausnahmezustand. Aber Anhänger dieses Festivals wissen genau, auf was sie sich einlassen und sie machen es gerne und immer wieder. Es scheint auch eine Herzensangelegenheit zu sein. Denn wer freiwillig Dixies, Duschzelt, Camping und Schlafmangel in Kauf nimmt, muss ein wenig verrückt sein.

Passend dazu wählte der Veranstalter I-Motion für die 17. Ausgabe der Nature One auch das Motto: “go wild – freak out“. In den Foren wurde sich ein wenig über den Flyer lustig gemacht, denn die gewählten Farben mit Pink & Gelb und die elfenhaften Figuren zauberten ein Schmunzeln ins Gesicht. Alle Anhänger warteten auf das Line-Up und nur die wenigsten wurden enttäuscht, denn auch dieses Jahr bekam man tolle DJ’s und Liveacts präsentiert. Wir Trancer konnten uns auf u.a. auf Paul van Dyk, Ferry Corsten, Sander van Doorn, Markus Schulz, Aly & Fila, W&W und Dave 202 freuen und ich freute mich ganz besonders auf Anthony Rother, meine Mayday Entdeckung 2011. Diese freakige Type hatte es mir Ende April schon angetan und ich wollte ihn wieder live sehen und herausfinden, ob er mich erneut so fesseln konnte.

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Unsere Planungen begannen bereits Monate im voraus und so entschieden wir uns, dieses Jahr schon Donnerstag Mittags ins Camping Village zu fahren, nachdem die Jahre zuvor eine Anreise gegen 17Uhr ziemlich problematisch erschien. 2009 standen wir „nur“ 2,5 Stunden im Stau und 2010 waren es schon 4 Stunden. Das musste dieses Jahr anders werden und so machten wir es besser als tausende anderer Partyfreaks bzw. wir organisierten es einfach anders. Wir wollten einfach nicht schon wieder soviel Zeit im Auto verbringen, also fuhren wir gegen 14Uhr in Richtung Campingplatz. Welch eine Wohltat. Ohne größe Verzögerung oder Pannen konnten wir den Aufbau des Camps (inkl. Aufbau des Internetradios www.electronic-clubsounds.de) starten. Wir waren bestens ausgerüstet, viel besser als die Jahre zuvor. Zwei riesige Partyzelte (3 x 6 Meter) wollten aufgebaut werden und natürlich unsere kleinen Zelte, die uns in den drei Nächten ein paar Stunden Schlaf schenken sollten.

Die Anlage war auch fix aufgebaut, der Generator wurde mit Benzin gefüllt und die ersten Beats konnten durch die Lautsprecher dröhnen, mit einem Bier wurde erstmal angestoßen. Nature One – Wir sind wieder daaaa! Es ist unglaublich schwer, einem Nature One Newbie dieses Festival zu erklären. Alle Camper wollen irgendwie Aufsehen erregen und die meisten gestalten ihre Camps sehr kreativ. Es werden Schilder aufgestellt, Flaggen gehisst und überall dröhnen die verschiedenen Musikstile des elektronisches Genres durch die Boxen. Wir kümmerten uns in der ersten Nacht nur um unser Camp, allerdings sorgte ein Mitglied von uns mit seinem selbst gebastelten, dem Original sehr Nahe kommenden Deadmau5 Kopf für Aufregung. Viele wollten sich mit ihm fotografieren lassen, einige vermuteten sogar den echten Deadmau5 darunter. Es war wirklich lustig. Schade das Deadmau5 im Line-Up der Nature One nicht vertreten war. Er hätte gestaunt, wenn unser Thomas mit dem Kopf vor ihm gestanden hätte.

Wir versuchten unsere Kräfte so weit wie möglich zu schonen und krabbelten gegen 5Uhr in die Zelte, denn neben der Party auf dem Camping Platz standen die beiden Tage auf der Raketenbasis Pydna im Vordergrund, wo der Veranstalter I-Motion die Festivalbesucher mit den verschiedenen Floors und Clubs begeistern wollte. Die Ticketpreise blieben stabil und so durfte man dieses Jahr für das Festivalticket 70,40Euro bezahlen. Ein stolzer Preis für die zwei Tage auf der Pydna, da man neben den Ticketkosten noch viele weitere Kosten zu tragen hat. Dafür bekommt man aber auch eine Menge geboten, jeder Euro ist also gut investiert. Ich kann aber auch jeden verstehen, der die Pydna aus Kostengründen nicht besucht. Im Camping Village ist die ganze Nacht nahezu überall Party, es gibt also auch genügend Alternativen und in der Regel sind alle Menschen sehr aufgeschlossen.

Für uns wäre es allerdings ein absolutes No-Go, denn zur Nature One gehört die Raketenbasis Pydna einfach dazu. Der erste Abend / die erste Nacht auf der Pydna war sehr entspannt, da nur wenige für uns interessante DJ’s auflegten. Natürlich war es ein gigantisches Gefühl, endlich wieder „zu Hause“ zu sein. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich mich daran erinnere, wie wir auf das Gelände der Raketenbasis kommen und die gigantische Rakete nach einem Jahr wieder sahen, die unmittelbar vor dem Eingang ihren festen Platz hat.

Line-up technisch war der Freitag mit nur wenigen Highlights gespickt. So entschieden wir uns, jeden Floor für einige Zeit aufzusuchen und uns einfach einen Überblick über das Gelände zu verschaffen, da auch die beiden Floors Century Circus und Classic Terminal die Plätze getauscht haben. Hier musste einfach mehr Platz für den Circus geschaffen werden, da sehr große Namen der Szene sich mal wieder die Ehre gaben (wir berichteten).

Wir hielten uns die meiste Zeit auf dem Mainfloor auf, und tanzten ausgelassen zu Sander van Doorn, Arty und ATB. Von den Clubs war für uns am interessantesten das „HeavensGate meets Raveline“ Zelt. Dieses war allerdings wieder oben auf einem der Bunker und somit begann bei jedem Besuch der steile Anstieg über die endlich neu gemachten Stufen. Alle Jahre zuvor musste man sich über ziemlich abgenutzte Stufen den Weg nach oben und auch nach unten erkämpfen, was Sicherheitstechnisch sehr bedenklich war. Danke I-Motion, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Erschöpft vom Freitag krabbelten wir gegen 6Uhr morgens in die Zelte, um nur wenige Stunden später wieder die Anlage im Camping Village zum Glühen zu bringen.Wir freuten uns sehr auf den Samstag auf der Pydna, denn für das Trancerherz wurde am zweiten und somit am letzten Tag am meisten geboten. Für uns war klar, dass wir ausschließlich auf dem Mainfloor bleiben werden, denn u.a. wollten Paul van Dyk, Ferry Costen, Markus Schulz, mein geliebter Anthony Rother, W&W von uns angefeuert werden und wir wollten zu deren Sounds tanzen und ausgelassen feiern.

Leider gab es am Samstag einen großen Zwischenfall in unserem Camp, der unsere Stimmung auf den absoluten Nullpunkt brachte. Irgendwann am Nachmittag zog ein gewaltiges Unwetter auf, was uns ca. 60 Minuten mit Starkregen und Windböen auf Trab hielt. Unsere Festzelte und die Pavillons waren den Naturgewalten nicht gewachsen und gaben auf, sie wurden von dem Sturm wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt und zerstört. Wir konnten in letzter Sekunde die Player, den Mixer und die anderen elektronischen Geräte in Sicherheit bringen, allerdings zum Nachteil der Boxen. Diese liefen mit Wasser voll und sind hochtwahrscheinlich zum Opfer dieses Sturms geworden. Ein wirklich trauriger Nachmittag, denn es gab noch andere materielle Schäden. Natürlich ist die Gemeinschaft unter Freunden ein Anker, aber dieser half nur bedingt. So versuchten wir das Beste aus der Situation zu machen und nachdem das Gewitter endlich vorbei war, begannen wir mit den Aufräumarbeiten. Die Anlage konnte allerdings nicht mehr aufgebaut werden, der Generator wurde abgeklemmt und unser „Veranstaltungstechniker“ zog es vor, die Heimreise anzutreten. Es war wirklich verhext, dass Wetter hatte uns in die Knie gezwungen. Zu dem Chaos im Camp kamen noch die riesigen Berge an Matsch und Schlamm, der sich über die ganzen Wege verteilte. Es war fürchterlich.

Wir versuchten gute Miene zum bösen Spiel zu machen und wagten gegen 23Uhr den Weg zur Pydna. Welch grauenhafte Bedingungen. Außerdem regnete es immer wieder und unsere Stimmung konnte sich nicht erholen. Dennoch versuchten wir so lange durchzuhalten wie möglich. Paul van Dyk ließ den Mainfloor wie immer sehr überquillen und die Menschen drängelten sich zu seinem Sound dicht und eng beieinander. Ferry Costen spielte vorher seinen gewohnten Sound und auch er begeisterte die Mengen, u.a. mit seinem damals sehr erfolgreichen Track „Made of Love“. Gegen 1.10Uhr gab es dann ganz großen Gänsehautalarm, denn NatureOne Inc. betraten die Bühne. Hierbei handelte es sich dieses Jahr um ATB und Tom Novy, die zusammen die wirklich gelungene Hymne produziert haben. Im Schnelldurchlauf wurden einige Hymnen der vergangenen Jahre angeschnitten. All das wurde begleitet von einem gigantischen Feuerwerk, welches dieses Jahr wirklich fantastisch ausgefallen ist.

Die Nacht verging wie im Flug, aber die Freude konnte aufgrund der Ereignisse nicht zu uns zurückkehren. Eigentlich wollte ich das Set von Markus Schulz bis zum Ende verfolgen, aber das war einfach nicht möglich. Also verließen wir sehr zeitig die Pydna. Sehr schade, denn eigentlich sind wir eine Gruppe, die man von der Pydna kehren muss. Leider gibt es vom zweiten Tag kaum Fotos von der Pydna, da wir aufgrund Strommangels die Akkus nicht mehr laden konnten. Beim nächsten I-Motion Event das ich besuchen werde, können hoffentlich wieder viele schöne Fotos zur Verfügung gestellt werden.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass unabhängig der negativen Erlebnisse, für die keiner etwas kann, meine dritte Nature One wieder ein gigantisches Erlebnis für alle Sinne war. Alle guten Dinge sind drei und wenn es am schönsten ist, sollte man vorerst aufhören. Vermutlich werden wir nächstes Jahr eine Pause einlegen, zumindestens haben wir es so geplant. Wir möchten uns ein wenig auf die Festivals im Ausland konzentrieren, u.a. Tomorrowland in Belgien oder die diversen Beachpartys in Holland an der Nordsee. Desweiteren möchte ich nicht, dass die Nature One für mich den Reiz verliert und einfach nur ein 08/15 Festival wird. Nature One ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Wie es letztendlich wird, entscheiden wir nächstes Jahr. Meistens kommt es anders, als man denkt. Spätestens wenn die ersten Namen vom Line-up bekannt gegeben werden und das Motto feststeht, werden wir drüber nachdenken. Bis dahin gilt für mich und auch für euch: „go wild – freak out

Cheers,
Daniela

P.S. Übrigens besuchten ca. 54.000 Menschen die Nature One 2011. Ein wahnsinniges tolles Ergebnis für den Veranstalter.

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2 Kommentare zu “Nature One 2011: 4 Tage und 3 Nächte Ausnahmezustand – ein Rückblick”

  1. Nummer 1: ALex marx sagt:

    Wird Näcktes Jahr bestimmt noch Besser

  2. Nummer 2: Nature One 2013 war so voll wie nie – “Willkommen zurück” sagt:

    […] nach der Nature One 2011 war ich einfach etwas traumatisiert. Was uns dort widerfahren ist (“4 Tage und 3 Nächte Ausnahmezustand“), war zu doll für meine Mädchenseele und so hatte ich mich entschieden, der Nature One […]

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