Tex im Interview – über Wohnzimmerkonzerte, Alpenglühen, Comiczeichnen, kleine Meisterwerke und den TV Noir Festivalsommer

News am 31. August 2015 von Katie.

TV Noir Tex-Maxim-TV-Noir-6023tourte mittlerweile das dreizehnte Mal. Als Künstler mit von der Partie waren dieses Mal Tex, der Begründer und kreative Kopf hinter der Sendung, und Maxim. Wie sich so eine Kinoleinwand fühlt wenn sie von gespannten Augenpaaren beäugt wird, konnten die Künstler am eigenen Leib erfahren als sie die Schauburg zum Konzertsaal verwandelten. Festivalhopper Katie und Yoda trafen Tex, laut eigener Aussage nach der geilsten Tour die er jemals gemacht hat, zum Interview.

Katie: Tex-Maxim-TV-Noir-5709Nochmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst.

Tex: Sehr gern.

Katie: Heute war ja das Abschlusskonzert der Tour in Dresden. Du hast schon angedeutet, dass das eine richtig, richtig tolle Tour war. Was war so besonders für Dich?

 

Tex: Ich fand es als Künstler sehr toll. Erstmal war es sehr toll mit Maxim zu touren. Weil ich ihn einfach sehr verehre. Dann von meiner eigenen Musik, fand ich sowohl die Kombination Tex-Maxim-TV-Noir-5922mit Phela wahnsinnig glücklich und für uns beide auch irre inspirierend und schön. Und dann war ich doch auch sehr diszipliniert auf der Tour. Ich habe für sehr viel Bewegung gesorgt und war dadurch fokussiert, wie ich es sonst nicht über einen so langen Zeitraum geschafft habe. Das hat mir einfach wahnsinnig gut getan. Ich hatte das Gefühl, dass ich alles sehr intensiv mitkriege, sehr bewusst. Genau, das war schön.

Tex-Maxim-TV-Noir-5877Katie: Wie habt Ihr Euch gefunden, Phela und Du?

Tex: Über Alin Coen. Ich hatte die Alin gefragt und sie hat gesagt sie würde sehr gerne, schafft es aber nicht wegen des Studiums. Und hat dann zwei Wochen später gesagt, „Du, ich hab noch eine Idee. Frag doch mal die Phela.“ Das haben wir dann einfach gemacht, sie hatte auch Lust und dann haben wir das so durchgezogen.

Katie: Das ist schön. Ich bin in der Vorbereitung auf das Konzert auf ganz viele tolle Musikvideos von Maxim gestoßen, die einfach wie kleine Meisterwerke sind. Im Gegensatz dazu gibt es von Dir sehr viele Livemitschnitte. Möchtest Du gar keine extra produzierten Musikvideos haben, weil das nicht Dein Ding ist?

Tex-Maxim-TV-Noir-5850Tex: Naja, nein. Das ist glaube ich eher nur durch den Kontext. Also, wenn Maxim eine Veröffentlichung macht mit einer großen Plattenfirma, dann macht das in diesem Kontext einfach auch Sinn ein extra Video zu produzieren. In meinem Kontext fällt einfach Live Shows zu filmen und zu veranstalten. Das ist ja das was ich Hauptberuflich mache, oder was ich sehr viel mache. Ich glaube das ist nur durch die unterschiedlichen Kontexte begründet.

Katie: Hättest Du auch mal Lust drauf?

Tex: Ja, ich hätte auch mal Lust drauf. Es ist ja jetzt auch eine Platte die sehr aus diesem Kontext auf die Tour hin entstanden ist. Wenn ich demnächst, hoffentlich irgendwann, eine Platte mache mit neuen Stücken, dann habe ich da auch Lust drauf Videos dafür zu drehen.

Tex-Maxim-TV-Noir-5769Katie: Ich habe den Eindruck, dass Du eine große Vorliebe für Wohnzimmerkonzerte hast. Stimmt das?

Tex: Ich mache sie gern. Aber ich glaube, dass ein wesentlicher Grund warum ich sie so viel und intensiv mache die Leichtgewichtigkeit ist. Aber sowas wie heute finde ich mindestens genauso geil … eigentlich geiler. Als Elternteil sagt man ja auch nicht zu seinem Kind, der eine ist geiler als der andere. Sondern alles hat so seine Vorteile, man will die gar nicht gegeneinander ausspielen.

Katie: Waren das jetzt alles Sitzkonzerte auf der Tour? Weil ich glaube, dass das auch noch mal einen Teil der Atmosphäre ausmacht.

Tex: Ja, das ist das Prinzip von TV Noir Konzerte. Also das kann man schon sagen, dass für die Art wie ich jetzt momentan meine Sachen plane und arrangiere, so ruhig, macht das total Sinn, dass die Leute gezwungen sind sehr aufmerksam zu sein. Das funktioniert natürlich viel mehr wenn sie sitzen, als wenn die stehen und sich zwischendrin ein Bier holen.

Tex-Maxim-TV-Noir-5658Katie: Dafür gibt es zum Glück ja die Pause.

Tex: Genau.

Yoda: …wie im Kino.

Tex: Absolut. (lacht)

Katie: Lass uns doch mal kurz über die neue Platte reden. Ihr habt die ja über Crowdfunding finanziert und Euer Zielbudget dabei vervierfacht. Das hat Euch bestimmt einen riesengroßen Freiraum in der Umsetzung gegeben.

Tex-Maxim-TV-Noir-5960Tex: Genau, das ist sogar fast ein Dilemma. Wir haben eigentlich gesagt, wir machen noch eine kleine Platte. Wo wir einfach den aktuellen Stand zur Tour hin festhalten. Aber sowohl dieser Erfolg mit dem Crowdfunding als auch die Intensität in der Tourvorbereitung, in der Arbeit mit Phela – und dass es jetzt mehr Geld gibt – hat alles dazu beigetragen, dass ich eigentlich Lust habe es noch viel kraftvoller zu machen. Jetzt wollen natürlich die Crowdfunder alle ihre Platte haben – das ist der große Vorteil von dem Modell das wir haben, mit dem Downloadbereich. Weil wir ihnen dann einfach jetzt schon mal was geben können. Aber dann können wir in einem Monat Bescheid geben, dass es mehr gibt. Und das finde ich eigentlich auch ein ganz geiles Konzept. So eine Sache die von selber noch wächst, sozusagen.

Katie: Es war ja von Anfang an die Beteiligung von den Leuten mit dabei. Ihr hattet immer mal so Umfragen laufen.

Tex-Maxim-TV-Noir-5668Tex: Genau, es war irre interaktiv. Das ist eben auch ein ganz schönes Model, eine schöne Art so etwas zu entwickeln. Und wenn sich dann sogar der Charakter von so einem Album noch durch die Interaktion mit dem Publikum ändert ist das ja toll.

Katie: Ja, auf jeden Fall. Hast Du eigentlich einen typischen Ablauf wenn du Lieder schreibst?

Tex: Nee, aber viel ist es so, dass es einen Kerngedanken gibt, vielleicht auch schon mit einer Zeile oder dem Refrain oder so. Und eine Vision für die Stimmung für den Song. Und dann überholt meistens die Musik, die wird dann im Prinzip schneller fertig, obwohl es oft noch Änderungen gibt. Den Text dann ganz fertig zu machen ist oft schwer.

Yoda: Ist das dann richtig Arbeit, und Du sitzt dabei im Büro oder im Café? Oder wie läuft das bei Dir so?

Tex: Ja, ich sitze schon eher bei mir zu Hause und schreibe auf, nehme auf oder überlege. Aber auch oft, dass ich einfach damit schwanger gehe, immer wieder daran denke. Manchmal auch beim Spazieren gehen noch schöne Idee habe oder so.

Katie: Würdest Du unterschreiben, dass Du ein langsamer Liederschreiber bist?

Tex: Dafür bin ich ja legendär. (lacht) Ja ich bin wirklich wahnsinnig langsam. Ich habe jetzt auch wirklich lange schon nichts mehr geschrieben. Das aktuellste ist „Petersburg“, glaube ich und das ist auch schon wieder eine Weile her. Ich habe jetzt einige schöne Fragmente geschrieben. Dann wollte ich mir auch noch mal eine Auszeit nehmen. Und das nächste Album soll dann wirklich mit neuen Songs sein. Dazu will ich dann auch wieder mit Band spielen.

Katie: Was meinst Du woran das liegt? Nimmst Du Dir einfach keine Zeit oder hast Du zu viele Nebenprojekte?

Tex-Maxim-TV-Noir-5949Tex: Ja das Problem ist, ich bin ja recht involviert in diese ganze TV Noir Kiste. Und zum wirklich fertigen Ausarbeiten von Songs ist es wirklich gut, wenn man den Kopf so frei hat dass das was von selber kommt Ideen zu den Songs sind. Und dann auskristallisieren von den Sachen an denen man arbeitet. Und wenn du aber zwei Stunden am Tag mit Jule (Anm. d. Red.: Redaktion und Produktionsleitung bei TV Noir) telefonierst, weil irgendwelche Sachen anliegen – dann wachst du eben auf mit den Gedanken „Ach Mensch, das wollte ich doch noch machen. Und da müsste ich noch mal anrufen.“ Ein Geschäftsführer schreibt einfach keine Songs, das ist das Problem. Und deshalb muss ich mir wirklich explizit eine Auszeit nehmen um die Sachen auszuarbeiten. Also Fragmente gehen dann eben. Morgens aufstehen, eine gute Idee haben, textliche Ideen, eine Skizze niederschreiben und so, das geht alles. Aber so richtig das auskristallisieren lassen, das braucht eigentlich Langeweile und Einsamkeit.

Katie: Du behältst das dann bestimmt eher erst mal für Dich, anstatt das mit irgendwem zu teilen?

Tex-Maxim-TV-Noir-5742Tex: Ja, die kreative Arbeit, die musst du alleine machen. Ich meine, es war jetzt erstaunlich wie gut und wie inspirierend die Arbeit mit Phela war. Aber das ist ja dann auch so eine Arrangement-Arbeit, wenn die eigentliche Komposition schon fertig ist. Ich glaube das Komponieren kann ich nur alleine.

Katie: Was hat Dich dazu bewegt auf Deutsch zu texten?

Tex: Eigentlich die Brutalität die damit möglich ist. Englisch ist halt so Florett, du kannst elegant damit fechten, so dass immer ein schöner Glamourfaktor dabei ist. Aber auf Deutsch hast du einen Morgenstern – das ist grob und das ist schroff, aber wahnsinnig stark. Weil es halt auch mit der Alltagssprache verflochten ist wirkt es so stark. Weil du jedes Mal die echte Bedeutung so real neben dir hast. Auf Englisch kannst du etwas total blödsinniges Singen und es klingt total smooth. Und ich finde das gut. Ich mag gerne das Schroffe und ich mag die Leute vor den Kopf stoßen und ich mag die Brüche gestalten. Wenn man das spürt, ist das gut für meine Musik. Und das spürt man auf Deutsch eher als auf Englisch.

Katie: Ich hab trotzdem den Eindruck, dass man bei Deinen Liedern unglaublich viel herauslesen kann, so Bedeutungsvariationen. Dass man aber nicht hinter die eine Wahrheit schauen kann.

Tex: Ich glaube das ist deshalb, weil ich es spannender finde hinter den konkreten Fakten liegende Archetypen zu spüren. Die auch universeller sind, aber auch weniger konkret. Und daher gibt es einfach viele Sachen die darauf dann zutreffen. Ich habe auch nicht das Bedürfnis, dass die Leute verstehen müssen was ich meine. Sondern ich glaube wenn es gut funktioniert, dann sind die Leute berührt, weil sie spüren dass sie dieselben archetypischen Gefühle oder Vorstellungen haben oder so. Dass sie darin räsonieren.

Tex-Maxim-TV-Noir-5754Katie: Ich würde gerne kurz noch über Festivals reden, wenn Du magst. Hast Du irgendwelche schönen Erfahrungen gemacht? Sei es als Künstler, oder als Gast.

Tex: Ich war hier in Dresden im „Weißer Hirsch“ oder wie das heißt, das war wirklich eins meiner schönsten Konzerte. Kennt ihr das?

Katie: Nein, leider nicht.

Tex: Das ist ein schönes Open Air Ding, auf so einem alten Rummelplatz. Da steht so ein ganz kleines Riesenrad, ganz süß alles. Und das war toll, mit Florian Ostertag zusammen. Ich glaube das werde ich nächstes Jahr ein bisschen mehr anfangen so auf Festivals zu spielen. Tendenziell ist es natürlich für diese intime Musik nicht so naheliegend, Festivals zu spielen. Inzwischen gibt es auch mehr so feine Festivals, die auf sowas Bock haben. Früher war es ja mehr, dass Festivals halt im Wesentlichen so Hüpf-Geschichten waren, wo es dann einfach auch nicht so passt. Und ich habe aber, eigentlich eine ganz witzige Geschichte, also inzwischen eine sehr witzige Erfahrung… Ich habe mal bei Rock am Ring gespielt. In einem Line-Up mit Papa Roach, Godsmack, Thumb und H-Blockx, was eigentlich überhaupt nicht gepasst hat. Das war sehr beeindruckend, für beide Seiten. (lacht) Weil es einfach total schief ging. Das war eine witzige Festivalerfahrung. (Anm. d. Red.: im Jahr 2001)

Tex-Maxim-TV-Noir-5735Katie: Okay, und Du dann mittendrin zwischen denen?

Tex: Genau, 21 Uhr.

Yoda: …mit Band, oder als Teil von einer Band?

Tex: Ich mit Band. Es war auch etwas lauter als jetzt. Trotzdem halt viel mit akustischer Gitarre.

Katie: Es wird gemunkelt, dass es dieses Jahr einen TV Noir Festival Sommer geben soll.

Tex-Maxim-TV-Noir-5746Tex: Genau, ja. Das werden wir auch demnächst veröffentlichen. Es sind jetzt nicht so wahnsinnig viele Sachen. Es sind so fünf Festivals, wo wir bewährte Paarungen aus TV Noir Konzerten im Wesentlichen zusammenbringen. Und wir sind Teil von einem Festival. Wir machen auch gerade ein neues Festival, Secrets wird das heißen, in der Nähe von Berlin. Da haben wir eine eigene Bühne und mit denen arbeiten wir eng zusammen. Eine ganz, ganz tolle Sache wird das. So sehr auf Nachhaltigkeit und total fein, und sehr liebevoll alles gestaltet und so. Da machen wir moderierte Shows, so als Zwischending zwischen TV Noir Konzerte und der TV Noir Show. Drei Tage lang wird das veranstaltet. In der nächsten Zeit werden wir dann so Schritt für Schritt immer mehr rausgeben. Das wird jetzt viel von unserer Zeit absorbieren nachdem die Tour vorbei ist.

Katie: Ihr habt jetzt erst mal viel mit den Festivals zu tun.

Tex-Maxim-TV-Noir-5683Tex: Genau, wir haben jetzt eine komische Situation, die wir auch erst als bedrohlich empfunden haben, dadurch das ZDF Kultur geschlossen wird, und wir im Dezember die letzte offizielle Fernsehsendung hatten. Das ist ja schon unser wesentlicher Umsatzträger gewesen, die Fernsehlizenzen. Aber wie es immer so geht, die Zeit seitdem war die glücklichste und spannendste Zeit, für mich jedenfalls. Einfach auch, weil das wahnsinnig viel Kreativität freigesetzt hat, dass wir nicht mehr ein regelmäßiges monatliches Ding machen, wo wir schon wissen wie es geht sozusagen. Das hat jetzt gar nicht alles so gut funktioniert. Aber zum Beispiel diese Tour – Wochen vorher ausverkauft – ist natürlich toll. Das Crowdfunding war phantastisch. Auch deshalb, weil wir es uns eben jetzt gegönnt haben da mit einer Energie reinzugehen in diese Dinge, die wir gar nicht geschafft hätten wenn wir die Sendung gemacht hätten. Wir haben noch ganz viele andere tolle Sachen gemacht, die dann auch zum Teil nicht geklappt haben. Zum Beispiel hatten wir mit einer Marke zusammen ein neues Format entwickelt, was wirklich total geil geworden ist, mit guten Ideen uns so. Das hat dann aber einfach im letzten Moment von denen aus doch nicht geklappt, weil ihnen die Budgets verschoben worden. Da ist man halt immer ein bisschen abhängig davon, dass das dann gut geht. Das war auch so ein schöner Prozess, der uns viele gute Ideen gebracht hat. Es ist eigentlich gerade eine sehr wonnige, eine sehr gute, sehr kreative Zeit vor allem. Aber denke mal, also ich gehe davon aus dass wir spätestens 2016 auch wieder eine regelmäßige Sendung haben. Das ist mir schon auch wichtig. So schön das jetzt ist.

Tex-Maxim-TV-Noir-5828Yoda: Das steht bis jetzt allerdings in den Sternen?

Tex: Ja, es gibt Gespräche und es kann auch sein dass sich da demnächst etwas ergibt. Aber es ist nicht konkret genug um da was zu sagen.

Katie: Wo kommt eigentlich Dein Name „Tex“ her?

Tex: Ich wollte damals, als ich angefangen habe auf Deutsch Musik zu machen, gerne möglichst weit weg von diesem klassischen Liedermacher-Ding – Vorname Nachname. Und wollte etwas bisschen absurdes haben, was mich auch anders positioniert. Damals zu der Zeit war es so, dass Vorname Nachname einfach so sehr nach Liedermacher klang. Davon wollte ich mich möglichst weit weg positionieren und fand dann eben so einen albernen, amerikanischen Namen ganz gut dafür.

Tex-Maxim-TV-Noir-5823Katie: Warum wolltest du dich vom Liedermacher sein wegpositionieren?

Tex: Ich war nahe genug dran, dass es keine Gefahr war sozusagen und weit genug weg, dass ich einfach die Nähe nicht wollte. Ich wollte spröder sein, oder vielleicht auch moderner als das was meine Assoziation damit war.

Yoda: Ich hätte auch noch eine Frage im Zusammenhang mit Englisch-Deutsch texten. Wie ist eigentlich dein Bayrisch?

Tex-Maxim-TV-Noir-5855Tex: Das war als Kind recht gut, weil mein Opa bayrisch gesprochen hat, da war das normal. Und dann war mein Umfeld immer mehr hochdeutsch. Und dann habe ich witziger Weise in Hamburg bei einer Firma wo ich eigentlich als Comiczeichner gearbeitet habe… Da haben die irgendwann mal gesagt: „Sag mal, Du hast doch so einen leichten südlichen Einschlag, oder?“ Da hatten die nämlich gerade damals – das war so diese Dotcom-Blase gewesen, wo auf einmal so irre viel Geld da war – da haben die einen Auftrag gehabt von Suchard, für diese Schokoladenfirma, für Milka, eine Soap Opera zu machen, mit Comic Bildern und einem kontinuierlichen Ton. Das war damals auch ganz revolutionär sowas im Internet zu machen, das konnte man sich vorher gar nicht vorstellen. Und da habe ich dann ich dann glaube 30 Folgen oder so eingesprochen. Da war ich dann der einzige Sprecher. Und da haben wir so eine Soap Opera gemacht, für Milka: „Lila glühen die Alpen“. Und alles auf bayrisch, bzw. mit ein paar anderen Typen dann halt. Also ich habe alle Rollen gesprochen, aber mit unterschiedlichen Stimmen. Und da waren die meisten natürlich Bayern. Das Dorf „Oberzartig“ in den Alpen, ein Gasthaus „Zur Lila Kuh“ (Anm. d. Red.: Tex fängt an im breitesten Bayrisch zu reden) „Joa Grüz di, hier is wieder der Steinmichel Toni, jetz muss i dir moa erzähln was passiert is…“ Dabei habe ich dann wieder so viel bayrisch gesprochen, dass ich es seitdem auch ganz gut abrufen kann.

Yoda: Das wäre jetzt die nächste Frage gewesen.

Tex: Also ein richtiger Bayer rümpft dann immer noch die Nase und sagt: „Nah, die Färbung haut nicht ganz hin und so.“ Aber, ich bin doch einigermaßen selbstbewusst damit.

Yoda: Es war jetzt nicht eine bewusste Entscheidung zu sagen, „Ich mach meine Songs auf hochdeutsch“?

Tex-Maxim-TV-Noir-5679Tex: Auf bayrisch Musik zu machen, das kam niemals in Frage. Also es gibt Leute, die das sehr ehrlich können. Aber das sind dann Leute, die tief verwurzelt sind. Die sich auch im Hochdeutschen gar nicht so leicht tun.

Yoda: Du wohnst ja auch gar nicht mehr in Bayern.

Tex: Ja. Nee, auch die Art… Wir haben auch zu Hause hochdeutsch gesprochen. Also natürlich mit einer kleinen Färbung, aber das wäre für mich absurd auf bayrisch zu texten. Das ist eben eher so etwas lustiges, was man mal so aus dem Hut zaubert als Witz. Aber da bin ich überhaupt nicht nah genug dran um das ernsthaft auf bayrisch zu machen. Und das würde ich auch nicht wollen. Also ich habe Respekt vor Leuten die das können. Aber ich finde es wahnsinnig schwierig. Also ich könnte mich da selber nicht ernst nehmen wenn ich auf bayrisch Musik machen würde.

Yoda: Das ist dann komplett andere Musik.

Dresden Tex-Maxim-TV-Noir-6035Tex: Ja, man geht halt schon in einen anderen Raum rein, wo man schon wahnsinnig gut sein muss um da nicht zu sehr in so eine Mundart-Tour-Ding zu sein, was ich jetzt gar nicht so uninteressant finde.

Yoda: Okay, ich wollte nur mal nachgefragt haben – wegen Vergangenheit, wo kommt man her und so weiter. Alles klar, super! Danke Dir für das Interview.

Die Fotos stammen aus dem Konzert und vom Interview aus der Schauburg in Dresden vom 29.04.2015.

Tex-IMGP5836“Es ist eine Kunst, das zu tun, was man wirklich will. Eine große Kunst aber ist es, das bleiben zu lassen, was man nicht will.”

Tex, Sänger und Mathematiker, war Karikaturist für die taz und die Hamburger Morgenpost, Buchautor und IT-Manager. Vor allen Dingen ist er ein einflussreicher Songwriter. Seit 2008 moderiert er die von ihm erdachte Web-Musikshow TV Noir, die von Mai 2011 bis Januar 2015 auch monatlich bei ZDFkultur ausgestrahlt wurde. Im August 2015 produzierte TV Noir zusammen mit ARTE Concert drei neue Shows im Rahmen des Secrets Festivals in Marienwerder vor den Toren Berlins. *texorama.de. TV-Noir online, Tex bei Facebook, TV Noir bei Facebook.

Das war der TV-Noir Festivalsommer:

18.09. Braunschweig, Kultur im Zelt: Alin Coen & Tex
14.08. Mannheim, Seebühnenregatta: Enno Bunger & Me And My Drummer
23.06. Hamburg, Zirkuszelt im Schanzenpark: Herrenmagazin & Dear Reader
29.05. Neustreliz, Immergut: Francesco Wilking & Moritz Krämer

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