Parklichter 2013 – Hitze macht Besucher träge

News am 6. August 2013 von awi

16-warumLila-Parklichter-2013Das Parklichter-Festival hat eine deutlich längere Tradition als die einschlägigen großen Festivals. Ursprünglich als Feier zur Übergabe des Kurparks in Bad Oeynhausen aus britischer Verwaltung im Jahre 1956, ist der Freitag als Konzerttag allerdings erst seit ein paar Jahren etabliert. Ob aus diesem historischen Grund das Line-Up überwiegend aus deutschen Künstlern besteht oder ob das Budget die entscheidende Rolle spielt, bleibt offen.

Für Menschen, die Bad Oeynhausen vor allem von der Durchfahrt auf einer der beiden der Autobahnen kennen, die den Ort durchkreuzen, zeigt sich die Location im Park von einer überraschend schönen Seite: Fast schon idyllisch sind zwei Bühnen draußen aufgebaut, das parkeigene Theatergebäude dient als dritte Bühne.

03-OK-KID-Parklichter-2013Bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite, die strahlende Sonne am Nachmittag war vielen jedoch etwas zu heiß. OK Kid als erster Act auf der Hauptbühne hatte mit viel Trägheit der Zuschauer zu kämpfen, die sich gleichmäßig auf die Schattenplätze direkt vor der Bühne oder im hinteren Bereich verteilt hatten. Die Band, die zuvor schon unter dem Namen „Jona:S“ kleine Erfolge feiern konnte, ist nach der Umbenennung (die von zwei Radiohead-Alben inspiriert wurde!) diesen Sommer auf den Festivalbühnen sehr präsent und zeigte auch im Parke eine gute Mischung aus Song aus ihrem Debütalbum und Songs ihrer früheren Phase. Warum für die Band allerdings nur eine halbe Stunde eingeplant war, während alle anderen Bands des Tages meist eine Dreiviertelstunde Zeit hatten, ist nicht ganz klar. Sänger Jonas hatte jedenfalls sichtbar Mühe, die wenigen schon angekommenen Festivalbesucher in der Hitze zum Singen, geschweige denn Tanzen, zu motivieren.

11-warumLila-Parklichter-2013WarumLILA“, die Gewinner des Bandvotings, die die „Wandelhalle-Bühne“ eröffneten, hatten ähnliche Probleme mit den Versuchen, das Publikum zu animieren. Die einzige Band mit einem eigenen Merchandise Stand auf dem Festivalgelände (!) lieferte ein solides Set ab und schaffte es, den hitzemüden Besuchern beim dritten Anlauf ein zaghaftes „Oh-oh“ zu entlocken, was ich bei der Hitze schon beachtlich fand.

Deutlich kühler war es im Theater, in der die dritte Bühne aufgebaut war. Für die erste Band „Motherfunkers“ war die Theaterbühne sehr dankbar, da es erstens die Menschen in das Gebäude verschlug, denen es draußen einfach zu heiß war und es außerdem durch die Sitzplätze gefüllter aussah, als es bei OK Kid vor der großen Mainstage wirkte – bei vermutlich ähnlicher Zuschaueranzahl.

26-Motherfunkers-Parklichter-2013Durch die Theatersitzplätze ist allerdings die Zuschaueranzahl generell begrenzt. Der diesjährige Headliner Tim Bendzko hatte dies zwei Jahre zuvor in der Theaterbühne erlebt, bei dem schließlich kurz nach Beginn seines Sets niemand mehr hineingelassen worden war.

Die Ausleuchtung der Bühne wurde vermutlich bewusst niedrig gehalten, um nicht noch zusätzlich Hitze in dem Gebäude zu erzeugen. Für Fotografen etwas unpraktisch erzeugte das bei dem Opener, die entgegen ihrem Namen weniger Funk als mehr ausufernden Rock spielten, eine passende Atmosphäre.

31-Claire-Parklichter-2013Ebenfalls passend war dieses Licht für die folgende Band „Claire“ aus München. Mit diversem elektronischen Spielzeug und Synthies gab das Quintett einen Vorgeschmack auf das kommende Debütalbum „The Great Escape“. Ihr zuweilen ekstatischer Sound wollte jedoch nicht so wirklich in die Theaterumgebung passen. Neben der Bestuhlung, die Sängerin Josie-Claire als „ungewohnt, aber doch ganz schnuckelig“ bezeichnete, fehlte der eigentlich recht soliden Anlage im Theater für die soundbombastischen Synthie-Sounds manchmal der Bass.

35-Abby-Parklichter-2013Draußen hatte es sich derweil gut gefüllt, insbesondere Ehepaare 40+ waren nun vermutlich nach ihrem Feierabend ein steigender Anteil des Publikums. „Abby“ konnte auch diese Zuschauer nach Ende der gröbsten Hitze mit einem Haufen Loops und ähnlicher Soundspielereien zum Tanzen bringen. Ich fand es spannend und sehr schön zu sehen, wie sich auch die schon etwas „Älteren“ ausgiebig zu dem schon etwas unkonventionellen und leicht gewöhnungsbedürftigen Rock amüsierten.

Die Band, die mittlerweile in Berlin ihren Sitz hat, hatte sichtbar viel Freude am Auftritt, insbesondere der Gitarrist (+ Cellist, Blockflötist… Multiinstrumentalist) interagierte viel mit dem Publikum aus den ersten Reihen und wirkte sehr aufgedreht und enthusiastisch. „Im Dunkeln sind wir eigentlich noch besser!“ spiegelte wohl auch (nicht nur) seine Freude am Spiel und das Selbstbewusstsein der Band wieder, die vom Rolling Stone in der aktuellen Ausgabe als Newcomer-Geheimtipp gehandelt wird. Die kleine Lichtshow, die die Loopspiralen und Stereo-delayeffekte unterlegte, hätte in der Tat im Dunkeln wohl noch etwas besser gewirkt.

Frida Gold fuhr da auf der Hauptbühne nebenan etwas größere Lichtshow-Geschütze auf. Die Band, die ohnehin etwas auf die Mysteriösität als Auftrittselement setzt, konnte mich trotz sauberem Sound und guter Inszenierung nicht überzeugen und nahm auch das Publikum nicht wirklich mit.

42-Maxim-Parklichter-2013Deshalb lieber wieder rüber zur Bühne II, auf der Maxim als Schlussact der Stage spielte. Der Solokünstler, der seine Karriere zunächst mit Reggae begann und später erst zu Pop wechselte („Wir sind Helden“- Sängerin Judith Holofernes wirkte beim Schreiben seines bisher größten Erfolgs „Meine Soldaten“ mit), zeigte sich auf der Bühne bei seinen Ansagen ähnlich introvertiert, still und emotional, wie es seine Songs zum Teil im Bezug auf seine Texte sind. Die im Generellen etwas zu bunt geratene Beleuchtung auf der „Wandelhalle-Bühne“ heizte ihm und der Band noch mal ordentlich ein – den ganzen Tag über waren Kommentare über die Hitze von Seiten der Sänger und Sängerinnen verständlicherweise sehr zahlreich. Trotz einiger Soundprobleme mit seiner Akustikgitarre konnte er die intime Atmosphäre seiner Songs gut auf das Publikum übertragen.

52-Tim-Bendzko-Parklichter-2013Blieb noch der Headliner Tim Bendzko. Was auffiel: Tim Bendzko hatte auch eine sehr gute Licht-Show, die nicht zu bombastisch war, sondern stattdessen wunderbar seine Songs untermalen konnte. Auch seine Band zeigte sich sehr spielfreudig und exakt. Dennoch, es war und ist irgendwie nicht meine Musik. Wo ich „Nur noch kurz die Welt retten“ noch sympathisch fand, sprachen mich die anderen Songs einfach nicht mehr an und schafften es nicht, den Radio-Pop-Einheitsbrei zu verlassen. So wie mir schien es vielen anderen Männern zu gehen: Die Frauenquote war beim Mitsingen, welches Bendzko initiierte, deutlich höher als bei den anderen Bands. Oder die weiblichen Fans waren einfach begeisterter. Als er beim „Welt retten“ – Chorus nur die Männer hören wollte, ging das hoffnungslos schief. Immerhin nahm er das mit etwas Selbstironie und Humor: Auf seine Frage, ob auch Männer hier sind, schiebt er hinterher „Oder mal anders, sind denn auch Männer OHNE Begleitung anwesend?“, was ebenso wenig Anklang fand, wie seine vorherige Mitsing-Aktion. Er witzelte daraufhin „Hm, nur 5. Wie immer!“ Trotzdem bleibt die Gesamtbilanz eines guten Konzerts von Tim Bendzko, auch, wenn die Musik nicht alle überzeugen konnte. Irgendwie sympathisch erscheint er ja schon.

Was vom Festival sonst noch hängenbleibt: Bei der (nun schon mehrmals angesprochenen) Hitze wäre es schön gewesen, irgendwo eine Trinkwasserstelle zu haben. Immerhin ein Entgegenkommen war die Vergünstigung des Wassers an den Getränkeständen, das statt 3,50€ im Laufe des Tages auf 2,50€ heruntergesetzt wurde. Verkehrstechnisch wunderbar in der Nähe des Bahnhofs gelegen konnte man gut durch die Innenstadt den Park erreichen. Alles in Allem ein angenehmes Festival.

Auch, wenn man Protzen von Festival-Veranstaltern gewohnt ist, ist allerdings die Formulierung „Die bisherigen Namen lesen sich wie ein Who-is-Who der Musiklandschaft“ auf der Website vom Parklichter-Festival deutlich überzogen. ;)

Hier unten eine Auswahl der Bilder vom Festival – mehr Fotos vom Parklichter 2013 sind in unserer Galerie zu finden.

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